Neue E-Auto-Förderung gestartet - das sollte man wissen
19.05.2026 - 10:57:06 | dpa.de
Wer sich ein neues Elektroauto anschafft und dabei auf Geld vom Staat setzt, kann das seit Dienstag beantragen. Am Vormittag wurde das entsprechende Online-Portal wĂ€hrend einer Pressekonferenz mit Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) freigeschaltet.Â
Was wird gefördert?
Geld gibt es fĂŒr Kauf oder Leasing eines Neuwagens, der seit dem 1. Januar des laufenden Jahres zugelassen wird. AntrĂ€ge sind also auch rĂŒckwirkend möglich.Â
Geld vom Staat gibt es neben Elektroautos auch fĂŒr bestimmte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können, sowie fĂŒr Elektroautos mit sogenannten ReichweitenverlĂ€ngerern. Das sind kleine Verbrennungsmotoren, die die Reichweite von Elektroautos erhöhen.Â
Wie lÀuft die Antragstellung?
«Der Online-Antrag fĂŒhrt Schritt fĂŒr Schritt durch das Verfahren, von den Angaben zum Fahrzeug und Haushalt bis zum Upload der erforderlichen Nachweise», erklĂ€rt Mandy Pastohr, die PrĂ€sidentin des Bundesamts fĂŒr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das das Verfahren steuert. Zur UnterstĂŒtzung gebe es eine Hotline und ErklĂ€rungen auf der Website.Â
Voraussetzung fĂŒr den Antrag ist eine BundID. Das ist ein elektronisches Konto, mit dem man sich bei den Behörden ausweisen kann wie mit einem Personalausweis im analogen Leben. Einrichten kann man die BundID mit dem elektronischen Personalausweis oder auch mit einem Elster-Zertifikat, das man bei der SteuererklĂ€rung nutzt.
Im Förderportal mĂŒssen Interessierte die aktuellen Einkommensteuerbescheide hochladen. Bei Familien mit Kindern kommt ein aktueller Kindergeldnachweis hinzu, bei Plug-in-Hybriden die EU-KonformitĂ€tsbescheinigung.
Wie viel Geld kann man bekommen?
Die Höhe des staatlichen Zuschusses hĂ€ngt von Fahrzeug, Einkommen und FamiliengröĂe ab und kann bei bis zu 6.000 Euro liegen.Â
Die Basisförderung liegt bei 3.000 Euro fĂŒr reine Elektroautos. FĂŒr Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4.000 Euro, fĂŒr Haushalte mit einem Maximal-Einkommen von 45.000 Euro 5.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1.000 Euro. Wer Geld bekommen will, muss sein Fahrzeug ab Kauf mindestens drei Jahre behalten.Â
Wer zu viel verdient, geht allerdings leer aus. Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro. Das entspreche ungefĂ€hr einem monatlichen Nettoeinkommen von 4.800 Euro bei Ledigen und 5.400 Euro bei Paaren, so das Bundesumweltministerium. Die maximale Fördergrenze liegt bei 90.000 Euro Haushaltseinkommen, falls zwei Kinder vorhanden sind, durch die sich die Grenze um jeweils 5.000 Euro nach oben verschiebt.Â
Weniger Geld gibt es fĂŒr sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. FĂŒr diese Autos und Fahrzeuge mit einem ReichweitenverlĂ€ngerer liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro. Damit Autos mit diesen Technologien förderfĂ€hig sind, dĂŒrfen sie nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoĂen oder mĂŒssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben.Â
FĂŒr wie viele Autos reicht das Geld?
In Ministeriumskreisen hieĂ es, seit Jahresbeginn seien potenziell 50.000 Fahrzeuge förderfĂ€hig. «Die Mittel reichen fĂŒr 800.000 Fahrzeuge in den nĂ€chsten drei bis vier Jahren», sagte Schneider. FĂŒr drei Jahre könne er garantieren, dass die Mittel reichten. «Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass die Fördermittel kurzfristig zur Neige gehen werden.» Die Förderung könne bis zu einem Jahr nach der Zulassung beantragt werden.Â
Nach dem abrupten Stopp der VorlĂ€ufer-Förderung, des sogenannten Umweltbonus, Ende 2023 war der Absatz von Elektroautos eingebrochen. Die Bundesregierung hatte die Streichung der milliardenschweren Förderung mit SparzwĂ€ngen begrĂŒndet.
Warum fördert die Bundesregierung das?
«Wir tun mit diesem Förderprogramm etwas fĂŒr die Umwelt, fĂŒr die Autoindustrie und fĂŒr die Haushalte, die sich sonst kein Elektroauto leisten könnten», sagt Umweltminister Schneider. Das begrĂŒndet er auch mit den Auswirkungen des Iran-Kriegs. «Die Fahrt zur ZapfsĂ€ule tut gerade vielen Leuten weh.» ElektromobilitĂ€t sei eine Chance, unabhĂ€ngig zu werden von teurem Diesel und Benzin.
Ist das sinnvoll?
Experten warnen vor Mitnahmeeffekten, also davor, dass die Förderung nicht oder nur teilweise bei Kunden ankommt, weil die Autohersteller sie einstreichen. Zudem ist umstritten, ob und in welchem Umfang Plug-in-Hybride der Umwelt nutzen: Zwar können die Autos kĂŒrzere Strecken auch rein elektrisch fahren. Ist die Batterie aber leer, verbrauchen sie wegen des zusĂ€tzlichen Gewichts mehr Sprit und stoĂen dann auch mehr CO2 aus. Zudem entsteht bei ihrer Produktion mehr CO2 als bei einem Verbrenner.Â
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hĂ€lt die PrĂ€mie zudem fĂŒr ĂŒberflĂŒssig. «Das Geld hĂ€tte man sich sparen können, das hĂ€tte der Markt selbst geregelt», sagte er der «Augsburger Allgemeinen» (Dienstag). «Schade um das Steuergeld, das nun an anderer Stelle wieder eingespart werden muss.» Die Nachfrage sei ohnehin schon angestiegen nicht zuletzt wegen der durch den Iran-Krieg gestiegenen Spritpreise und sinkender Neuwagenpreise bereits angestiegen.Â
Einen Schub sieht das Umweltministerium durch die neue Förderung so oder so. Zwischen Januar und April 2026 seien rund 224.000 reine E-Autos neu zugelassen worden. Das sei mit 23,6 Prozent fast jeder vierte Neuwagen und ein Rekord.
Was sagen die Hersteller?
Aus Sicht des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ist die neue E-Auto-Förderung ein grundsĂ€tzlich positiver Schritt, sie könne aber nur ein Baustein sein. «Denn fĂŒr den nachhaltigen Hochlauf der ElektromobilitĂ€t bleiben entscheidend: eine gute VerfĂŒgbarkeit der Ladeinfrastruktur, gĂŒnstiger Ladestrom sowie darĂŒber hinaus bessere internationale Standortbedingungen fĂŒr die Unternehmen», betonte VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller.Â
Sie verwies darauf, dass die Regeln des neuen Förderprogramms zunĂ€chst bis Mitte 2027 gelten. Das eröffne die Chance, wo nötig, nachzusteuern. «FĂŒr die Zukunft ist entscheidend: Es sollte zwingend berĂŒcksichtigt werden, dass auch Gebrauchtwagen einen wichtigen Beitrag zur StĂ€rkung der E-MobilitĂ€t und zum Erreichen der Klimaziele leisten können», sagte MĂŒller. Daher sollte das Förderprogramm im Jahr 2027 auch Gebrauchtwagen beinhalten. Schneider sagte dazu, es gehe bei dem Programm auch um einen «industriepolitischen Impuls», da der deutsche Fahrzeugbestand sehr alt sei.Â
Zudem sollte die Koalition beim Programm 2027 das Kaufdatum zum maĂgeblichen Stichtag fĂŒr die Förderung machen. Denn Verbraucherinnen und Verbraucher brĂ€uchten bereits beim Kauf des Autos â und nicht etwa erst bei dessen Zulassung â Gewissheit darĂŒber, ob sie die Förderung erhalten.
