Westbalkan, Friedrich Merz

Westbalkan: Merz warnt in Montenegro vor Einfluss großer MĂ€chte

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 13:59 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz fordert eine unumkehrbare EU-Perspektive fĂŒr die Staaten des westlichen Balkans. Beim Gipfel in Montenegro warnt er zugleich davor, dass die Region zum Schauplatz eines Einflusskampfs großer MĂ€chte wird.

Montenegros Beitrittskurs und Gipfelprogramm

  • Merz sprach am Donnerstag in Montenegro am Rande des Berlin-Prozess-Gipfels.
  • Er bezeichnete Montenegro als auf dem besten Weg zu einem baldigen EU-Beitritt.
  • Im laufenden Jahr sind 26 Veranstaltungen des Berlin-Prozesses geplant, zwölf davon auf Ministerebene.
Friedrich Merz, Milojko Spajic und Christian Stockker am 22.10.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Merz fordert klare EU-Perspektive fĂŒr Westbalkan

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnt vor dem Einfluss nichteuropĂ€ischer MĂ€chte auf dem Westbalkan. Am Donnerstag sagte er in Montenegro am Rande des Berlin-Prozess-Gipfels, die Region dĂŒrfe nicht zu einem Ort werden, an dem große MĂ€chte um Einfluss ringen.

EU-Weg soll unumkehrbar werden

Es liege im gemeinsamen Interesse, dass der Weg der Staaten in der Region unumkehrbar in die EuropĂ€ische Union fĂŒhre, sagte Merz. Nur die gemeinsame Perspektive auf den europĂ€ischen Binnenmarkt und die EU-Institutionen könne die notwendige StabilitĂ€t fĂŒr die gesamte Region schaffen.

Montenegro in Schlussphase der Verhandlungen

Die LĂ€nder des westlichen Balkans gehörten geografisch und politisch zu Europa, erklĂ€rte der Kanzler. Montenegro sei auf dem besten Weg, der EU bald beizutreten; andere LĂ€nder mĂŒssten und wĂŒrden folgen.

Der sogenannte Berlin-Prozess soll die regionale Zusammenarbeit der sechs Westbalkan-Staaten stĂ€rken und Reformen auf dem Weg in die EU unterstĂŒtzen. Montenegro richtet das Treffen in einem besonderen Jahr aus: Das Land feiert 20 Jahre UnabhĂ€ngigkeit und befindet sich nach Angaben von Merz in der Schlussphase seiner Beitrittsverhandlungen.

26 Veranstaltungen im laufenden Jahr

Im Rahmen des Berlin-Prozesses sind in diesem Jahr 26 Veranstaltungen geplant. Zwölf davon sollen auf Ministerebene stattfinden.

Der Berlin-Prozess verbindet seit 2014 die sechs Westbalkan-Staaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien mit EU-Staaten. Ziel ist, regionale Zusammenarbeit, wirtschaftliche Verflechtung und Reformen zu fördern, wÀhrend die EU-Perspektive der Region politisch verankert bleibt.

Montenegro nimmt innerhalb des Erweiterungsprozesses eine besondere Stellung ein. Das Land gilt als am weitesten fortgeschrittene EU-Kandidatin des westlichen Balkans und befindet sich nach Angaben von Merz in der Schlussphase der Beitrittsverhandlungen. Der angekĂŒndigte EU-Beitritt bleibt jedoch an die ErfĂŒllung rechtsstaatlicher und institutioneller Anforderungen gebunden.

Geopolitischer Wettbewerb und EU-Perspektive

Die Warnung vor dem Einfluss nichteuropĂ€ischer MĂ€chte verweist auf die strategische Bedeutung des Westbalkans. Die Region liegt an wichtigen Verkehrs- und Energierouten und ist zugleich durch ungelöste politische Konflikte, wirtschaftliche AbhĂ€ngigkeiten und unterschiedliche außenpolitische Ausrichtungen geprĂ€gt. Eine engere Anbindung an den EU-Binnenmarkt soll deshalb nicht nur Wachstum fördern, sondern auch politische StabilitĂ€t und WiderstandsfĂ€higkeit stĂ€rken.

FĂŒr die sechs Staaten bedeutet die EU-Perspektive zugleich politischen Druck zu Reformen. FĂŒr die EU und ihre Mitgliedstaaten geht es darum, Zusagen mit sichtbaren Fortschritten bei Investitionen, Rechtsstaatlichkeit und regionaler Kooperation zu verbinden. Die 26 Veranstaltungen des Berlin-Prozesses im laufenden Jahr, darunter zwölf Treffen auf Ministerebene, schaffen dafĂŒr ein dichtes Arbeitsprogramm.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDF: „Merz in Montenegro: Kanzler macht Druck fĂŒr EU-Erweiterung“ (22.10.2026)

Der Beitrag ordnet Merz’ Auftritt als politischen Druck fĂŒr eine beschleunigte EU-Erweiterung ein. Er bestĂ€tigt den Schwerpunkt auf Montenegro und der Beitrittsperspektive, setzt den Akzent aber stĂ€rker auf das Erweiterungsziel als auf den geopolitischen Einflusswettbewerb.

Deutschlandfunk: „Montenegro - Bundeskanzler Merz sagt Westbalkanstaaten UnterstĂŒtzung fĂŒr EU-Aufnahmeprozess zu“ (22.10.2026)

Deutschlandfunk hebt die UnterstĂŒtzung Deutschlands fĂŒr den Aufnahmeprozess der Westbalkanstaaten hervor und verweist auf eine deutsch-französische Initiative zur Beschleunigung. Damit ergĂ€nzt der Beitrag die Warnung vor Ă€ußerem Einfluss um den praktischen Ansatz einer engeren europĂ€ischen UnterstĂŒtzung.

Beide BeitrĂ€ge verbinden den Gipfel mit der EU-Perspektive des Westbalkans. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend der ZDF-Beitrag den Erweiterungsdruck betont, stellt Deutschlandfunk stĂ€rker konkrete UnterstĂŒtzung und Beschleunigung des Aufnahmeprozesses heraus.

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