TU-Aufsichtsrat, PrÀsidentin

TU-Aufsichtsrat hÀlt an PrÀsidentin fest

10.06.2024 - 16:23:12 | dpa.de

Wie geht es nach Antisemitismus-VorwĂŒrfen fĂŒr die PrĂ€sidentin der Berliner TU weiter: Kommt ein RĂŒcktritt oder eine Abwahl? Der Aufsichtsrat hat getagt und kommt zu einem anderen Ergebnis.

Steht in der Kritik, weil sie mindestens einen antisemitischen Post auf der Plattform X im Kontext des Gaza-Kriegs mit einem «GefÀllt mir» markiert hatte: TU-PrÀsidentin Geraldine Rauch. - Foto: Jens Kalaene/dpa
Steht in der Kritik, weil sie mindestens einen antisemitischen Post auf der Plattform X im Kontext des Gaza-Kriegs mit einem «GefÀllt mir» markiert hatte: TU-PrÀsidentin Geraldine Rauch. - Foto: Jens Kalaene/dpa

Der Aufsichtsrat der Technischen UniversitĂ€t Berlin hĂ€lt nach Antisemitismus-VorwĂŒrfen an UniprĂ€sidentin Geraldine Rauch fest. Das Kuratorium sprach sich dafĂŒr aus, sie bei ihrem angekĂŒndigten Neuanfang «konstruktiv-kritisch» zu unterstĂŒtzen.

«Zwar hat die PrĂ€sidentin durch ihr Fehlverhalten der TU Berlin viel Schaden zugefĂŒgt, dennoch sollte ihr die Chance eingerĂ€umt werden, das von ihr angebotene Programm zur Festigung des Vertrauens in die TU Berlin und zur Wahrung der Tradition als weltoffene, tolerante und anti-rassistische UniversitĂ€t erfolgreich umzusetzen», teilte die Hochschule mit. Zuvor berichtete der «Tagesspiegel». 

Damit sieht das Hochschulgremium von einer RĂŒcktrittsforderung beziehungsweise einer Empfehlung zur Abwahl der PrĂ€sidentin ab. Der Zentralrat der Juden kritisierte dies. «Die UnterstĂŒtzung der Mehrheit des Kuratoriums der TU Berlin fĂŒr Professorin Rauch zeigt das fehlende Verantwortungs- und Problembewusstsein in Bezug auf Antisemitismus.» Folge werde ein nicht absehbarer Ansichtsverlust der TU sein. Verharmlosung der UnterstĂŒtzung von Israel-Hass und Antisemitismus sei bedrĂŒckend, erklĂ€rte ein Sprecher. Der Zentralrat hatte Rauch bereits zu persönlichen Konsequenzen aufgefordert.

Rauch habe keine antisemitischen Vorurteile

Das Kuratorium attestierte Rauch, einen Fehler aus «NachlĂ€ssigkeit» begangen zu haben. Ihre Reue ĂŒberzeugte die Kuratoriumsmitglieder demnach. «Ebenso ist das Kuratorium fest davon ĂŒberzeugt, dass Frau Rauch keinerlei antisemitische Vorurteile pflegt, damit sympathisiert oder diese unterstĂŒtzt. Eine kritische Haltung gegenĂŒber dem derzeitigen Vorgehen der israelischen Regierung ist legitim und keinesfalls antisemitisch, unabhĂ€ngig davon, ob man diese Kritik teilt oder nicht.»

Die PrÀsidentin der TU steht in der Kritik, weil sie mindestens einen antisemitischen Post auf der Plattform X im Kontext des Gaza-Kriegs mit einem «GefÀllt mir» markiert hatte. Dabei ging es insbesondere um einen Beitrag mit Fotos von Demonstranten, die ein Bild des israelischen MinisterprÀsidenten Benjamin Netanjahu mit aufgemaltem Hakenkreuz hochhalten. Nach Angaben des Direktors der BildungsstÀtte Anne Frank, Meron Mendel, relativiert eine solche Gleichsetzung den Holocaust. 

Rauch hatte sich entschuldigt und erklĂ€rt, sie habe den Beitrag wegen seines Textes gelikt und das darunter gepostete Bild nicht genauer betrachtet. Vergangene Woche erklĂ€rte sie, im Amt bleiben zu wollen, obwohl sich eine knappe Mehrheit des Akademischen Senats fĂŒr ihren RĂŒcktritt ausgesprochen hatte. Bei der Berliner Wissenschaftsverwaltung beantragte Rauch ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst, um eine objektive AufklĂ€rung der VorwĂŒrfe zu ermöglichen. 

Kuratorium erwartet Aufarbeitung inklusive Bericht in einem Jahr

Der Aufsichtsrat stellte sich gegen die «zum Teil aggressiven Anschuldigungen gegenĂŒber Frau Rauch». Gleichzeitig missbilligte das Gremium Rauchs «eklatantes Fehlverhalten», das «zu einer verstĂ€rkten Polarisierung innerhalb der UniversitĂ€t gefĂŒhrt» habe. Es liege jetzt bei Rauch, den inneren Frieden der TU wiederherzustellen und ein Programm gegen Rassismus und Antisemitismus aufzulegen. SpĂ€testens nach einem Jahr soll ein Fortschrittsbericht vorliegen. 

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