Justiz-Thema, Zweifel

Justiz-Thema: Zweifel an Verfassungstreue bei Referendaren

28.05.2025 - 15:49:48

Wie halten sie's mit der Verfassungstreue? Diese Frage beschĂ€ftigt die Justiz - gerade mit Blick auf Bewerber fĂŒr den juristischen Vorbereitungsdienst.

Angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen wollen PrÀsidentinnen und PrÀsidenten von Oberlandesgerichten stÀrker beobachten, ob angehende Juristen verfassungstreu sind. Sie erwarten eine Zunahme von FÀllen, in denen daran Zweifel bestehen. «Wir erkennen eine Tendenz, dass das zunimmt und darauf wollen wir vorbereitet sein», sagte der PrÀsident des Oberlandesgerichts Koblenz, Thomas Henrichs. 

Er verwies dabei auf Veröffentlichungen des Bundesverfassungsschutzes, wonach es eine Zunahme von in rechtsextremistischen und anderen extremistischen Bereichen aktiven Personen gibt. Henrichs Ă€ußerte sich bei der Jahrestagung der PrĂ€sidentinnen und PrĂ€sidenten der deutschen Oberlandesgerichte, des Bayerischen Obersten Landgerichts und des Bundesgerichtshofs im thĂŒringischen Weimar. Das ThĂŒringer OLG hat in diesem Jahr den Vorsitz.

Unterschiedliches Vorgehen in den LĂ€ndern

Bei der Tagung ging es auch darum, wie einheitlich in den einzelnen LĂ€ndern bei dem Thema vorgegangen werden könne. Derzeit gebe es etwa Unterschiede dabei, ob eine ErklĂ€rung zur Verfassungstreue bei der Bewerbung fĂŒr das Rechtsreferendariat ausdrĂŒcklich verlangt werde oder nicht, so Henrichs. 

«Es ist aus unserer gemeinsamen Sicht jetzt Zeit, den Rechtsstaat resilient zu machen gegen Angriffe von außen, aber auch von innen», betonte die PrĂ€sidentin des OLG Celle, Stefanie Otte. Sie warb dafĂŒr, Demokratiebildung schon im Referendariat einen grĂ¶ĂŸeren Raum zu geben als bisher. So könnte etwa die Bedeutung von Richtern im Nationalsozialismus verstĂ€rkt thematisiert werden, schlug Otte vor.

Bekannter Fall ausschlaggebend

Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Oktober 2024. Das Gericht in Leipzig stellte dabei klar, dass Rechtsreferendare Mindestanforderungen an die Verfassungstreuepflicht erfĂŒllen mĂŒssen und sich insbesondere nicht aktiv gegen die Grundwerte der Verfassung betĂ€tigen dĂŒrfen. In dem konkreten Fall ging es um einen bei der rechtsextremen Kleinstpartei «Der III. Weg» aktiven Mann, der sich fĂŒr den juristischen Vorbereitungsdienst in Bayern beworben hatte und abgelehnt worden war.

@ dpa.de