Behördenfehler nach Anschlag von Magdeburg im Fokus
27.12.2024 - 15:23:29 | dpa.deNach der Todesfahrt in Magdeburg gewinnt die Debatte um mögliche Fehler von Behörden und Polizei an Fahrt. WĂ€hrend in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt vor allem das Sicherheitskonzept des Veranstalters zum Schutz des Weihnachtsmarkts und das Agieren der Polizei auf dem PrĂŒfstand stehen, richtet sich der Blick in Berlin auch auf Konsequenzen in der Migrationspolitik.
Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz forderte ein hÀrteres Vorgehen gegen TÀter mit Migrationshintergrund. «Wir sind im Umgang mit den Feinden unserer Demokratie einfach nicht konsequent genug. Wir dulden zu viele Menschen in Deutschland, die sich nicht integrieren wollen», schreibt der CDU-Chef in seinem E-Mail-Newsletter «MerzMail».
Ausweisungen mĂŒssten auch möglich sein, wenn keine StraftatbestĂ€nde festgestellt seien, verlangte Merz. Der TĂ€ter von Magdeburg scheine ein besonders aggressiver Islam-Gegner zu sein, schrieb Merz. Es wĂŒrden auch mit diesem TĂ€ter offensichtlich Konflikte auf deutschem Boden ausgetragen, die man nicht dulden könne. Leitsatz mĂŒsse sein: «Wir wollen solche (potenziellen) StraftĂ€ter nicht in unserem Land haben!»
Scholz erwartet Aufarbeitung der Behörden
Merz erinnerte an die Vorgeschichte des Mannes, der wegen Drohungen vorbestraft war. «Warum werden wir solche Leute nicht los, bevor sie groĂes Unheil anrichten? Es mag sein, dass die bisherige Rechtslage das nicht hergibt. Aber dann mĂŒssen diese gesetzlichen Regelungen eben geĂ€ndert werden!»
Kanzler Olaf Scholz (SPD) machte im Interview mit dem Nachrichtenportal «t-online» deutlich, dass er eine Aufarbeitung des Handelns der Behörden vor dem Anschlag erwartet. «Offensichtlich gab es ĂŒber die Jahre immer wieder Hinweise auf den Mann. Meine Erwartung ist klar: Jetzt muss sehr genau geprĂŒft werden, ob es VersĂ€umnisse bei den Behörden in Sachsen-Anhalt oder auf Bundesebene gegeben hat. Da darf es keine falsche ZurĂŒckhaltung geben.»
In Magdeburg wird dazu das Sicherheitskonzept und damit auch die Absicherung von Flucht- und Rettungswegen untersucht. «Es wird aufgearbeitet, ob diese MaĂnahmen vom Veranstalter umgesetzt worden sind und wenn nicht, warum nicht. Gleiches gilt fĂŒr die polizeiliche Einsatzkonzeption», sagte eine Sprecherin des Innenministeriums.
Warum gab es keine Stahlketten?
Der TĂ€ter Taleb A., der sich in Untersuchungshaft befindet, war am Freitag vergangener Woche mit einem Auto ĂŒber den Weihnachtsmarkt gerast. Dabei wurden fĂŒnf Menschen getötet und bis zu 235 verletzt. Der Mann aus Saudi-Arabien war zwischen einer FuĂgĂ€ngerampel und einer Betonblocksperre hindurchgefahren.
Bei den Ermittlungen geht es nun um viele Details. «Der Abstand zwischen FuĂgĂ€ngerampel und Betonblocksperre betrug zu beiden Seiten der FuĂgĂ€ngerampel jeweils rund sechs Meter», teilte das Innenministerium mit. «Es muss nun aufgearbeitet werden, ob das Sicherheitskonzept des Veranstalters des Weihnachtsmarkts so groĂe LĂŒcken in den Betonblocksperren an FuĂgĂ€ngerĂŒbergĂ€ngen vorgesehen hat.»
Zudem gehe es darum, wieso Flucht- und Rettungswege â entgegen dem Sicherheitskonzept des Veranstalters â nicht mit Stahlketten gesichert gewesen seien. «Solche Stahlketten sollten Betonblocksperren auf gröĂere Entfernung verbinden. Sie sollten das flexible Ăffnen fĂŒr Durchfahrten von RettungskrĂ€ften und Feuerwehr ermöglichen», so das Innenministerium.
Polizeifahrzeug nicht an geplantem Standort
Neben den Ermittlungen zum Anschlag wird auch nach möglichen Fehlern in der Polizeiarbeit gesucht. Laut dem Innenministerium sah die Einsatzkonzeption neben PrÀsenzstreifen auch Fahrzeuge mit EingreifkrÀften an vier Standorten um den Weihnachtsmarkt vor.
«Die Standorte waren nicht dafĂŒr vorgesehen, Gehwege oder ZugĂ€nge zum Weihnachtsmarkt permanent zu versperren und nur fĂŒr RettungskrĂ€fte und Feuerwehr zu öffnen», hieĂ es. Durch die Positionierung in der NĂ€he von einigen ZugĂ€ngen zum Weihnachtsmarkt sollte demzufolge die Möglichkeit bestehen, gegebenenfalls mobile Sperren errichten zu können.
Doch nach dem jetzigen Stand der Aufarbeitung befand sich ein Fahrzeug in einer Parkbucht fĂŒr Taxen und damit nicht an dem vorgesehenen Standort. «Warum dies so war, ist Gegenstand der weiteren Aufarbeitung», so eine Sprecherin des Innenministeriums.
Weihnachtsmarkt wird abgebaut
Unterdessen hat der Abbau des Magdeburger Weihnachtsmarkts begonnen. HĂ€ndler und FahrgeschĂ€ftsbesitzer luden ihre HĂŒtten und groĂe Einzelteile auf AnhĂ€nger. Nur wenige Meter entfernt legten viele Menschen auch eine Woche nach dem Anschlag weiterhin Blumen, Kerzen und Kuscheltiere im Gedenken an die Opfer ab.
Der Bundesopferbeauftragte Pascal Kober erklĂ€rte, zahlreiche Betroffene des Anschlags seien inzwischen kontaktiert worden und hĂ€tten UnterstĂŒtzungsangebote erhalten. Man arbeite zudem mit Hochdruck daran, auch diejenigen Betroffenen ausfindig zu machen, die man bisher nicht kenne, so Kober. «Wir wollen ihnen sagen: Der Staat steht an ihrer Seite.»
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