Wirbel um TV-Debatte mit Schwesig vor Landtagswahl
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 17:48 Uhr | dpa.de
Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September erheben CDU und Linke Vorwürfe gegen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Schwesig habe darauf bestanden, nur gegen den Spitzenkandidaten von der AfD, Leif-Erik Holm, in einem TV-Duell anzutreten, sagte CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters. Daher seien die Spitzenkandidaten anderer Parteien ausgeladen worden. Die SPD bezeichnete die Anschuldigungen als falsch. Auch die Sendergruppe RTL/ntv, die die TV-Debatte übertragen wollte, wies den Vorwurf politischer Einflussnahme zurück. Zuerst hatte die «taz» berichtet.
Schwesigs Sprecherin Lilly Blaudszun erklärte, die Sender entschieden selbst über das Format ihrer Berichterstattung. «Frau Schwesig hat sowohl beim NDR als auch bei ntv/Ostseewelle für ein Kandidatenduell zugesagt», betonte Blaudszun. Bei dieser Formulierung blieb offen, für welche Art Kandidatenduell Schwesig eine Zusage gegeben hat.
RTL teilte mit, bei der Planung für das Wahlformat seien unterschiedliche Konstellationen geprüft worden, zunächst auch eine größere Runde mit den Spitzenvertretern von SPD, AfD, CDU und Linken. Der Sender habe sich nach weiterer redaktioneller Abwägung wegen der aktuellen Umfragewerte für das Duell zwischen Holm und Schwesig entschieden. Politischen Druck habe es weder von der Landesregierung noch von der SPD gegeben.
CDU: Polarisierung stärkt AfD
CDU-Spitzenkandidat Peters sagte, offiziell hätten die Sender die Ausladung mit redaktionellen Gründen gerechtfertigt. «Wir wissen aber, dass Manuela Schwesig unmissverständlich mitteilen ließ, dass sie ausschließlich für ein Duell zur Verfügung steht.»
Mit der Polarisierung des Wahlkampfs wolle Schwesig wohl eine inhaltliche Auseinandersetzung über ihre Arbeit als Regierungschefin vermeiden, vermutete Peters. Er kritisierte die Zuspitzung der Wahl auf einen Zweikampf als «Strategie, mit der sie auch der AfD die Wähler in die Arme treibt».
Linke: AfD bekommt mehr Sendezeit
Unmut herrscht auch bei der Linken, dem Regierungspartner der SPD in Schwerin. Nach Angaben der Linken erfolgte die Ausladung von der Sendung Ende Juli. Landeschef Hennis Herbst bezeichnete den Vorgang als höchst problematisch. Linke Argumente gingen in der Debatte verloren. «Stattdessen erhält nun auch die AfD mehr Sendezeit», sagte er. Dies sei auf Wunsch der SPD passiert.
Das nütze vielleicht den Sozialdemokraten im Wahlkampf, sei aber nicht im Interesse der Demokratie. «Die Ausladung verwundert umso mehr, da sich RTL/ntv bei einem vergleichbaren Format in Sachsen-Anhalt anders entschieden haben und alle demoskopisch relevanten Parteien teilnehmen», sagte Herbst. In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ebenfalls ein neuer Landtag gewählt.
Bei einer Anfang Juli veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) war die AfD mit 36 Prozent deutlich stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern. Die SPD folgt dort mit 29 Prozent. Die Linke kam auf zwölf, die CDU nur auf neun Prozent. Daneben würden noch die Grünen mit fünf Prozent den Einzug ins Parlament schaffen.
