Bewegender Abschied von Wolfgang SchÀuble
05.01.2024 - 14:57:56Respekt, Bewunderung und viele Emotionen - bei einer bewegenden Trauerfeier haben Spitzenpolitiker und Angehörige vom gestorbenen CDU-Politiker Wolfgang SchĂ€uble Abschied genommen. «Was fĂŒr eine Lebensleistung. Was fĂŒr ein politisches Leben», sagte der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz vor mehreren Hundert GĂ€sten in der evangelischen Stadtkirche in SchĂ€ubles Heimatstadt Offenburg.
SchĂ€uble war am zweiten Weihnachtstag im Alter von 81 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. Der Badener hatte wichtige politische Ămter inne: Er war Minister, CDU-Chef, Fraktionsvorsitzender und PrĂ€sident des Deutschen Bundestages. Niemand gehörte dem Parlament lĂ€nger an als er.
Der baden-wĂŒrttembergische MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann (GrĂŒne) wĂŒrdigte den Verstorbenen als Gestalter Europas, leidenschaftlichen Demokraten und groĂen Sohn des Landes. «Mit Wolfgang SchĂ€uble verliert unser Land eine ganz groĂe politische Persönlichkeit», sagte Kretschmann. «Er dachte die Dinge durch und dachte sie vom Ende her.» SchĂ€uble habe auch hart sein können, gleichzeitig aber Kompromisse gemacht, die er als eine wichtige Tugend der Demokratie und nicht als SchwĂ€che angesehen habe, sagte Kretschmann.
«Papa, Du warst ein Gesamtkunstwerk»
SchĂ€ubles Tochter Christine Strobl gab persönliche Einblicke in das Leben des bekannten Politikers. Ihr Vater habe viele gesundheitliche Probleme gehabt, die nie in der Ăffentlichkeit bekannt geworden seien. Er habe alle mit unglaublicher Kraftanstrengung gemeistert. «Papa, Du warst ein Gesamtkunstwerk», sagte die ARD-Programmdirektorin. Sie erinnerte an den starken Durchhaltewillen ihres Vaters und an das Attentat 1990, infolgedessen SchĂ€uble auf einen Rollstuhl angewiesen war.
Merz sagte, SchĂ€uble habe «Generationen von Abgeordneten unserer Fraktion eine PrĂ€gung mitgegeben, auch mir ganz persönlich. Ohne ihn stĂ€nde ich heute nicht hier». Weiter sagte der CDU-Chef: «Wir sind ĂŒber die letzten drei Jahrzehnte immer engere Freunde geworden.» 16 der bisher 24 Regierungen des Landes habe sein ehemaliger Parteikollege erlebt, fast jeder dritten davon habe er selbst angehört. «Zwei hohe StaatsĂ€mter sind ihm versagt geblieben. Er hĂ€tte sie ohne Zweifel beide ausgefĂŒllt.»
Unter den TrauergĂ€sten waren Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), der PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, Kretschmanns VorgĂ€nger GĂŒnther Oettinger und Erwin Teufel (beide CDU), Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) und der frĂŒhere luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker.
GroĂes Ehrengeleit
Vor der Kirche in der Offenburger Innenstadt versammelten sich Hunderte Menschen. Soldaten des Bundeswehr-Wachbataillons nahmen nach dem Gottesdienst in einer Ehrenformation Aufstellung. Das Heeresmusikkorps Koblenz spielte mehrere MusikstĂŒcke, darunter die deutsche Nationalhymne und den Trauermarsch aus dem Oratorium «Saul» von Georg Friedrich HĂ€ndel. Danach bewegte sich der Trauerzug mit dem Sarg in Richtung des örtlichen Waldbachfriedhofs, wo SchĂ€uble beigesetzt wurde.
Das politische Berlin wird sich am 22. Januar von SchĂ€uble verabschieden. An diesem Tag wird der Bundestag den von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier angeordneten Trauerstaatsakt im Plenarsaal des ReichstagsgebĂ€udes ausrichten. Es werden die Spitzen des deutschen Staates - voran Steinmeier - und Hunderte GĂ€ste aus dem In- und Ausland erwartet. Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron will dem Trauerstaatsakt ebenfalls beiwohnen, wie der ĂlysĂ©epalast in Paris bestĂ€tigte. Der Tag ist symboltrĂ€chtig: Am 22. Januar wird stets die deutsch-französische Freundschaft gefeiert.















