YouGov-Sonntagsfrage: AfD bundesweit stÀrkste Kraft, Union auf historischem Tief
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine aktuelle YouGov-Umfrage sieht die AfD bundesweit als stÀrkste Partei, wÀhrend CDU und CSU in der Sonntagsfrage auf einen historischen Tiefstand fallen.
AfD legt zu, Union fĂ€llt zurĂŒck
Rund eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die AfD in der neuen Erhebung auf 29 Prozent der Stimmen, ein Prozentpunkt mehr als im August. CDU und CSU erreichen laut YouGov nur noch 18 Prozent und verlieren damit zwei Punkte gegenĂŒber dem Vormonat.
Die GrĂŒnen verbessern sich im Vergleich zu August um einen Punkt auf 16 Prozent. Auch die SPD legt einen Punkt zu und wird aktuell mit 13 Prozent ausgewiesen. Die Linke verliert hingegen zwei Punkte und liegt im September bei zehn Prozent. Die FDP bleibt stabil bei fĂŒnf Prozent, das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht (BSW) steigt in der Umfrage auf vier Prozent.
Mehrheit sieht AfD weiterhin als rechtsextrem
Trotz der hohen Werte fĂŒr die AfD bleibt die kritische EinschĂ€tzung vieler Befragter bestehen. Laut YouGov halten 59 Prozent die Partei weiterhin fĂŒr rechtsextrem, wĂ€hrend 30 Prozent diese Bewertung zurĂŒckweisen. Dieser Wert unterscheidet sich kaum von den Angaben aus Mai 2025 und deutet auf eine stabile Meinungsbildung in dieser Frage hin.
Haltung zur «Brandmauer» verschiebt sich
Deutlicher verĂ€ndert hat sich der Umfrage zufolge die Sicht auf die sogenannte Brandmauer gegenĂŒber der AfD. Inzwischen meinen 51 Prozent der Befragten, andere Parteien sollten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsĂ€tzlich ausschlieĂen. Im August lag dieser Anteil noch bei 44 Prozent.
DemgegenĂŒber sprechen sich 40 Prozent fĂŒr einen generellen Ausschluss einer Kooperation aus. Im Vormonat waren es noch 46 Prozent. Damit nimmt die UnterstĂŒtzung fĂŒr eine strikte Abgrenzung ab, wĂ€hrend die Bereitschaft zu möglichen Ăffnungen gegenĂŒber der AfD zunimmt.
Neue Dynamik im Parteiensystem
Die aktuelle YouGov-Erhebung markiert eine weitere Verschiebung im bundesdeutschen Parteiensystem. Wenn eine Partei wie die AfD mit knapp 30 Prozent an der Spitze liegt und die Union nur noch im Bereich von unter 20 Prozent gesehen wird, deutet dies auf eine deutliche Abkehr vieler Befragter von den traditionellen Volksparteien hin. AuffĂ€llig ist zugleich, dass kleinere und neue KrĂ€fte wie das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht erkennbar im zweistelligen Prozentbereich des Parteienspektrums eine Rolle spielen, auch wenn sie in der Umfrage noch im unteren Segment liegen. FĂŒr die etablierten Parteien entsteht damit zusĂ€tzlicher Konkurrenzdruck.
Widerspruch zwischen StÀrke und Wahrnehmung
Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen der hohen Zustimmung fĂŒr die AfD in der Sonntagsfrage und der gleichzeitigen Einstufung durch eine Mehrheit der Befragten als rechtsextrem. Dass fast sechs von zehn Menschen diese EinschĂ€tzung teilen, wĂ€hrend die Partei zugleich stĂ€rkste Kraft ist, verweist auf eine tief gespaltene politische Stimmung. Ein Teil der WĂ€hlerschaft nimmt mögliche radikale Positionen offenbar in Kauf oder setzt andere Themen wie Unzufriedenheit mit Regierungspolitik und wirtschaftliche Sorgen höher. FĂŒr alle anderen Parteien stellt diese Konstellation die Frage, wie sie mit einer starken Kraft umgehen, die von einer Mehrheit kritisch gesehen wird, aber auf erhebliche Zustimmung stöĂt.
Brandmauer-Debatte und mögliche Folgen
Die verĂ€nderte Haltung zur sogenannten Brandmauer könnte den politischen Umgang miteinander nachhaltig verĂ€ndern. Wenn mehr als die HĂ€lfte der Befragten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsĂ€tzlich ausschlieĂen möchte, geraten bisherige AbgrenzungsbeschlĂŒsse unter Druck. Auf Landesebene könnten Koalitionsdebatten komplexer werden, wenn rechnerische Mehrheiten ohne die AfD schwer zu bilden sind. Kommunen und LĂ€nder stehen damit vor der Frage, ob sie bisherige Ausschlusslinien beibehalten oder Ăffnungen prĂŒfen. FĂŒr Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass kĂŒnftige Regierungsbildungen â etwa nach Landtagswahlen â weniger vorhersehbar werden und neue Koalitionsmodelle diskutiert werden könnten, selbst wenn viele Parteien formell an ihren AbgrenzungsbeschlĂŒssen festhalten.
