YouGov-Umfrage Union AfD Brandmauer: Union bei 18 Prozent, AfD vorne – Druck auf Merz wächst
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 13:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Wenige Tage vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist die Union in einer neuen Umfrage bundesweit auf ein historisches Tief gefallen und liegt nur noch bei 18 Prozent.
YouGov sieht AfD deutlich vorn
Die Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov kommt in der sogenannten Sonntagsfrage zu dem Ergebnis, dass CDU und CSU zusammen derzeit auf 18 Prozent kämen. Wenn bereits am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, würde die AfD die Wahl demnach mit 29 Prozent gewinnen. Die Grünen stehen in der Umfrage bei 16 Prozent, die SPD bei 13 Prozent, die Linke bei 10 Prozent, die FDP bei 5 Prozent und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei 4 Prozent.
Druck auf Merz vor den Landtagswahlen
Bei den beiden Landtagswahlen an diesem Sonntag geht es auch um die politische Zukunft von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. In der Union wird von einem zunehmenden Autoritätsverlust des Parteivorsitzenden gesprochen. Merz hat das CDU-Präsidium für den Wahlabend zu einer formellen Sitzung nach Berlin eingeladen, um über die Wahlergebnisse und mögliche Konsequenzen zu beraten. Aus Parteikreisen heißt es, dass Landeschefs der CDU über einen Sturz von Merz nachdenken.
CDU-Politiker warnen vor Absturz der Union
Der Bremer CDU-Landesvorsitzende Heiko Strohmann warnte vor einem bundesweiten Absturz seiner Partei. Die Entwicklungen in Ostdeutschland könnten sich seiner Ansicht nach auch in westdeutschen Städten wie Duisburg und Bremen wiederholen. Er forderte seine Partei und Kanzler Merz auf, sich stärker in die Menschen in Ostdeutschland hineinzuversetzen und deren Anliegen ernst zu nehmen. Die CDU schaue nach seinen Worten weiterhin zu sehr mit der traditionellen westdeutschen Brille auf den Osten.
Sorge vor Untergang konservativer Parteien
Strohmann, der in Rostock aufgewachsen ist, sieht Merz eher als Symptom einer tieferliegenden Problematik in der CDU. Wenn die Partei ihren Kurs nicht ändere, drohten aus seiner Sicht große Schwierigkeiten im globalen gesellschaftlichen Wandel. Er verwies darauf, dass konservative Parteien in anderen europäischen Ländern bereits verschwunden seien und warnte davor, dass dies der Union langfristig ebenfalls passieren könne.
Basisdruck und Forderungen nach Lösungen
Auch aus Brandenburg kommen kritische Stimmen. Der dortige stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Bommert beklagte wachsenden Druck der Basis auf Merz und forderte schnelle Lösungen. Mit Sonntagsreden sei es seiner Ansicht nach nicht getan. Einen Rücktritt des CDU-Chefs hält Bommert dennoch nicht für sinnvoll, weil dies zwar kurzfristig Spannungen nehme, aber die inhaltlichen Probleme nicht löse. Stattdessen müsse die Bundesregierung jetzt aktiv werden, diese Chance solle Merz zunächst erhalten.
Offene Zukunft nach weiteren Wahlen
Das schwache Abschneiden der CDU in Sachsen-Anhalt hat den Druck auf Merz bereits erhöht. Ob er sich nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin im Amt halten kann, gilt als offen. Der stellvertretende CDU-Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, Tino Schomann, hatte zuvor einen Rücktritt des Kanzlers verlangt. Seit Wochen wird über einen möglichen Kanzlerwechsel spekuliert, als mögliche Nachfolger gelten der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst und der bayerische Regierungschef Markus Söder. Merz hat jedoch deutlich gemacht, dass ein Aufgeben für ihn nicht in Frage kommt.
Umfrage: Haltung zur „Brandmauer“ verschiebt sich
Nach der YouGov-Umfrage verändert sich zugleich die Stimmung zur sogenannten Brandmauer gegenüber der AfD. 51 Prozent der Befragten sind inzwischen der Ansicht, andere Parteien sollten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausschließen. Im August lag dieser Anteil bei 44 Prozent. 40 Prozent sprechen sich weiterhin für eine grundsätzliche Ablehnung einer Zusammenarbeit aus, im Vormonat waren es noch 46 Prozent.
Historischer Einschnitt fĂĽr das traditionelle bĂĽrgerliche Lager
Das von YouGov ermittelte Bundestagswahl-Szenario mit einer deutlich stärkeren AfD und einer unter 20 Prozent liegenden Union markiert für das konservative Lager in Deutschland einen Einschnitt. In den zurückliegenden Jahrzehnten galt die CDU/CSU als stabiler Anker mit meist deutlich über 30 Prozent der Stimmen. Ein Wert von 18 Prozent verschiebt das Kräfteverhältnis im Parteiensystem und stellt Führungsanspruch und strategische Ausrichtung der Union zugleich infrage.
Ost-West-Spaltung und strategische Orientierung
Die Hinweise aus der Union auf die besondere Dynamik in Ostdeutschland machen deutlich, dass sich dort ein eigenes politisches Gefüge herausbildet. In mehreren ostdeutschen Ländern ist die AfD bereits stärkste Kraft, während klassische Volksparteien wie CDU und SPD an Bindekraft verlieren. Die Kritik aus Landesverbänden zielt darauf, dass die Bundespartei diese Entwicklung nicht ausreichend ernst nehme und zu sehr aus einer westdeutschen Perspektive argumentiere. Für die Union stellt sich damit die strategische Frage, wie sie zugleich ostdeutsche Sorgen aufnimmt und ihre Abgrenzung zur AfD glaubwürdig hält.
Druck auf Kanzler Merz und Debatte um „Brandmauer“
Der zunehmende Druck auf Friedrich Merz vor den kommenden Landtagswahlen ist nicht nur eine Personalfrage, sondern Ausdruck der Unsicherheit im gesamten bürgerlichen Lager. Die diskutierte „Brandmauer“ zur AfD verliert laut Umfrage in der Bevölkerung an Unterstützung, während die Union programmatisch zwischen klarer Abgrenzung und dem Anspruch auf Regierungsmacht steht. Sollte sich das schlechte Abschneiden aus Sachsen-Anhalt in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wiederholen, könnten innerparteiliche Debatten über Kurs und Spitze weiter an Fahrt gewinnen und die Struktur des Parteiensystems dauerhaft verändern.
