ZĂ€hes Ringen in LĂ€nder-Tarifstreit
08.12.2023 - 14:19:20Der Chef des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, warf den Arbeitgebern in Potsdam Ignoranz vor.
Die Spitzen von Verdi und Beamtenbund dbb verhandeln seit Donnerstag in den wohl finalen GesprĂ€chen mit den VerhandlungsfĂŒhrern der Tarifgemeinschaft deutscher LĂ€nder (TdL). Zum Auftakt der aktuellen dritten Verhandlungsrunde am Vortag hatten beide Seiten ihre Bereitschaft fĂŒr einen Abschluss erklĂ€rt.
Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen erfuhr, hatten die LÀnder verschiedene Angebote zu den einzelnen Gewerkschaftsforderungen gemacht. Allerdings seien noch intensive GesprÀche nötig, hieà es. Ob es in Potsdam tatsÀchlich zu einem Durchbruch kommt, war deshalb noch unklar. Als wahrscheinlich galt, dass sich die Verhandlungen bis in den Samstag ziehen.
"Das Stimmungsbild ist, dass wir immer noch erschrocken sind, mit welcher Ignoranz die Arbeitgeber der LĂ€nder auf die Situation der BeschĂ€ftigten in den LĂ€ndern schauen", sagte Silberbach vor demonstrierenden Gewerkschaftsmitgliedern. Der dbb-Chef trat gemeinsam mit dem Chef der LokomotivfĂŒhrer-Gewerkschaft, Claus Weselsky, auf. Er wollte damit SolidaritĂ€t mit den bei der Bahn streikenden LokfĂŒhrern demonstrieren. Die GDL ist Mitglied im Dachverband dbb, beide Tarifrunden finden aber unabhĂ€ngig voneinander statt.
Silberbach sagte, die TdL mache in den Verhandlungen zwar Rechenbeispiele. "Aber noch ist nichts konkret." Dabei sei etwa fĂŒr die innere Sicherheit und eine gute Bildung in Deutschland eine "vernĂŒnftige Personalausstattung" nötig. Die RealitĂ€t des öffentlichen Dienstes sei aber: "Heute fehlen im klassischen Verwaltungsdienst 300 000 BeschĂ€ftigte." Ohne einen deutlich besseren Tarifvertrag drohe sich die Personallage in Zeiten von Inflation weiter zu verschlechtern.
Die Gewerkschaften fordern 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr, mehr Geld fĂŒr die BeschĂ€ftigten in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie Tariflohn fĂŒr studentische BeschĂ€ftigte. Der TdL ist das wegen der angespannten Haushaltslage vieler LĂ€nder zu teuer. Wird ein Abschluss wie ĂŒblich auf die Beamtinnen und Beamten ĂŒbertragen, sind mehr als drei Millionen BeschĂ€ftigte betroffen. Die TdL beziffert die Kosten einer vollstĂ€ndigen Ăbernahme der Gewerkschaftsforderungen auf 20,7 Milliarden Euro.
Verdi-Chef Frank Werneke hatte am Vortag gesagt, ohne Resultat bei der aktuellen dritten Verhandlungsrunde wĂŒrden die Tarifverhandlungen fortgesetzt, "bis wir ein Ergebnis haben, was fĂŒr die BeschĂ€ftigten annehmbar ist". Notfalls könne die Tarifrunde auch im kommenden Jahr weitergefĂŒhrt werden. Der VerhandlungsfĂŒhrer der LĂ€nder, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), hatte angekĂŒndigt: "Unser Ziel ist, dass wir an diesen Tagen auch bis ins Wochenende hinein zu einer VerstĂ€ndigung kommen können."
Andernfalls drohen neue Warnstreiks im öffentlichen Dienst. In den vergangenen Wochen waren bereits Tausende BeschĂ€ftigte von Hochschulen, Unikliniken, dem Justizvollzug und Verwaltungen bereits fĂŒr mehr Lohn in Warnstreiks getreten. Die Gewerkschaften wollen ein Ergebnis, das mindestens dem fĂŒr den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen vom April entspricht. Der damalige Abschluss hatte steuer- und abgabenfreie Sonderzahlungen von insgesamt 3000 Euro, einen Sockelbetrag von 200 Euro sowie anschlieĂend 5,5 Prozent mehr umfasst. Silberbach sagte: "Darunter wird es nicht gehen."

