Sozialbetrug, Schrottimmobilien

Zehn-Punkte-Plan gegen Sozialbetrug: Bundesregierung will Schrottimmobilien und organisierte Ausbeutung eindÀmmen

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 19:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesregierung will mit einem gemeinsamen Zehn-Punkte-Plan von Sozial- und Innenressort bandenmĂ€ĂŸigen Sozialbetrug und ausbeuterische Schrottimmobilien stĂ€rker eindĂ€mmen. Kommunen sollen deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten erhalten, insbesondere bei problematischen Immobilien und organisiertem Missbrauch von Sozialleistungen.

  • Bundessozialministerin BĂ€rbel Bas (SPD) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) - hier im Bundeskabinett - haben sich auf einen Aktionsplan gegen Sozialmissbrauch verstĂ€ndigt. (Archivfoto) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Bundessozialministerin BÀrbel Bas (SPD) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) - hier im Bundeskabinett - haben sich auf einen Aktionsplan gegen Sozialmissbrauch verstÀndigt. (Archivfoto) - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Wie im Juli in Duisburg wurden Polizei und weitere Behörden schon mehrfach gegen Sozialmissbrauch in sogenannten Schrottimmobilien tĂ€tig. (Archivfoto) - Bild: ---/dpa
    Wie im Juli in Duisburg wurden Polizei und weitere Behörden schon mehrfach gegen Sozialmissbrauch in sogenannten Schrottimmobilien tÀtig. (Archivfoto) - Bild: ---/dpa
  • Immer wieder wird Grundsicherung in betrĂŒgerischer Absicht beantragt. (Symbolfoto) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Immer wieder wird Grundsicherung in betrĂŒgerischer Absicht beantragt. (Symbolfoto) - Bild: Jens Kalaene/dpa
Bundessozialministerin BĂ€rbel Bas (SPD) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) - hier im Bundeskabinett - haben sich auf einen Aktionsplan gegen Sozialmissbrauch verstĂ€ndigt. (Archivfoto) - Bild: Kay Nietfeld/dpa Wie im Juli in Duisburg wurden Polizei und weitere Behörden schon mehrfach gegen Sozialmissbrauch in sogenannten Schrottimmobilien tĂ€tig. (Archivfoto) - Bild: ---/dpa Immer wieder wird Grundsicherung in betrĂŒgerischer Absicht beantragt. (Symbolfoto) - Bild: Jens Kalaene/dpa

Die Bundesregierung stellt mit einem gemeinsamen Zehn-Punkte-Plan von Sozial- und Innenressort die BekÀmpfung von Sozialbetrug und ausbeuterischen Schrottimmobilien auf eine neue Grundlage.

Zehn-Punkte-Plan gegen Missbrauch von Sozialleistungen

Der Aktionsplan sieht vor, Missbrauch von Sozialleistungen kĂŒnftig wirkungsvoller zu bekĂ€mpfen und bis Ende des Jahres vollstĂ€ndig umzusetzen. Ziel ist es, Anreize fĂŒr eine Einwanderung allein in die Sozialsysteme zu reduzieren und groß angelegten Sozialleistungsmissbrauch zu beenden. Ausbeuterische GeschĂ€ftsmodelle mit sogenannten Schrottimmobilien sollen wirksamer unterbunden werden, die Grundsicherung soll enden können, wenn eine Person mit vollstreckbarem Haftbefehl gesucht wird.

Bas und Dobrindt als federfĂŒhrende Ressortchefs

Erarbeitet wurde der Plan vom Sozialministerium unter Ressortchefin BĂ€rbel Bas (SPD) und dem Innenressort von Alexander Dobrindt (CSU. Bas betont, Kommunen wĂŒrden befĂ€higt, konsequenter gegen Schrottimmobilien vorzugehen und HintermĂ€nner organisierter Ausbeutung stĂ€rker zur Verantwortung zu ziehen. FĂŒr Deutschland mit seinem Bedarf an auslĂ€ndischen FachkrĂ€ften sei die unkomplizierte grenzĂŒberschreitende Arbeitsaufnahme in der EU wichtig, zugleich werde die Ausnutzung der FreizĂŒgigkeit fĂŒr organisierten Missbrauch klar abgelehnt.

Mehr Kontrolle und Haftung bei Schwarzarbeit

Im Rahmen des Plans soll der Datenaustausch zwischen Behörden verbessert und bestehende Schlupflöcher geschlossen werden. Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit wird gestĂ€rkt, Arbeitgeber sollen bei Schwarzarbeit stĂ€rker in Haftung genommen werden. Bereits im Juni hatten Innenminister von Bund und LĂ€ndern ein konsequenteres Vorgehen gegen bandenmĂ€ĂŸigen Sozialmissbrauch beschlossen und dabei insbesondere FĂ€lle im Zusammenhang mit ScheinarbeitsverhĂ€ltnissen in den Blick genommen.

FĂ€lle aus SĂŒdosteuropa und Problemviertel im Ruhrgebiet

Im Fokus stehen FĂ€lle, in denen Banden EU-BĂŒrger aus SĂŒdosteuropa nach Deutschland holen und in ScheinbeschĂ€ftigungen bringen, damit sie als Aufstocker Sozialleistungen erhalten. Besonders betroffen sind Menschen aus Bulgarien und RumĂ€nien. Viele von ihnen werden in sogenannten Schrottimmobilien untergebracht, wie sie in zahlreichen Kommunen des Ruhrgebiets seit Langem ein bekanntes Problem darstellen. Trotz regelmĂ€ĂŸiger Razzien von Polizei und Behörden konnten Ämter bislang hĂ€ufig nur begrenzt gegen diese Strukturen vorgehen.

StÀrkere Kooperation und Eingriffsmöglichkeiten der Kommunen

In einzelnen BundeslĂ€ndern ist die Zusammenarbeit von Polizei, Familienkassen, Jobcentern, AuslĂ€nderbehörden, Kommunen und weiteren Stellen inzwischen enger geworden, um Sozialmissbrauch besser zu verhindern. Nach Änderungen im Baugesetzbuch, die der Bund angestoßen hat, sollen Kommunen Schrottimmobilien im Extremfall auch enteignen können. BĂ€rbel Bas hatte bereits Mitte vergangenen Jahres ein schĂ€rferes Vorgehen gegen Sozialmissbrauch angekĂŒndigt und dabei Negativbeispiele aus ihrer Duisburger Heimat angefĂŒhrt, wo ausbeuterische Strukturen Menschen aus anderen europĂ€ischen LĂ€ndern in Mini-ArbeitsverhĂ€ltnisse drĂ€ngen und gleichzeitig BĂŒrgergeld beantragen lassen.

Konsequenzen fĂŒr Zuwanderer mit geringer BeschĂ€ftigung

Der Aktionsplan sieht vor, dass Zuwanderer aus EU-Staaten mit extrem geringem BeschĂ€ftigungsumfang nicht mehr regelmĂ€ĂŸig aufstockende Leistungen beziehen sollen. Kommunale Instrumente gegen Schrottimmobilien sollen gezielt gestĂ€rkt werden. Genannt werden unter anderem Instandsetzungsgebote, Vorkaufsrechte, Enteignungen und Nutzungsuntersagungen, mit denen StĂ€dte und Gemeinden gegen besonders problematische GebĂ€ude vorgehen können.

Hintergrund: Sozialmissbrauch und Schrottimmobilien

Der Zehn-Punkte-Plan von BĂ€rbel Bas und Alexander Dobrindt setzt bei einem Problem an, das viele StĂ€dte mit angespanntem Wohnungsmarkt seit Jahren belastet. Besonders im Ruhrgebiet werden sogenannte Schrottimmobilien genutzt, um EU-BĂŒrger in prekĂ€ren VerhĂ€ltnissen unterzubringen und zugleich ĂŒber ScheinbeschĂ€ftigung Zugang zu Sozialleistungen zu organisieren. Kommunen berichten seit Langem von ĂŒberfĂŒllten HĂ€usern, mangelnder Sicherheit und hoher Belastung der lokalen Verwaltungen.

Strukturelle Dimension und rechtliche Instrumente

Die nun vorgesehenen Maßnahmen wie erweiterte Instandsetzungsgebote, Vorkaufsrechte, Enteignungsmöglichkeiten und Nutzungsuntersagungen zielen darauf ab, diese GeschĂ€ftsmodelle zu erschweren. Zugleich soll der Datenabgleich zwischen Behörden verbessert werden, um bandenmĂ€ĂŸige Strukturen schneller zu erkennen. Die geplante Möglichkeit, Grundsicherung zu beenden, wenn ein vollstreckbarer Haftbefehl vorliegt, markiert eine weitere VerschĂ€rfung gegenĂŒber Personen, die sich der Strafverfolgung entziehen. FĂŒr die betroffenen Kommunen könnte insbesondere die bessere Zusammenarbeit von Polizei, Jobcentern, Familienkassen und AuslĂ€nderbehörden den Handlungsspielraum deutlich erweitern.

Bedeutung fĂŒr Zuwanderung und Arbeitsmarkt

Der Plan bewegt sich im Spannungsfeld zwischen dem Bedarf an auslĂ€ndischen FachkrĂ€ften und dem Schutz vor Ausbeutung. WĂ€hrend die FreizĂŒgigkeit in der EU und unbĂŒrokratische Arbeitsaufnahme ausdrĂŒcklich erhalten bleiben sollen, richtet sich der Katalog gegen Strukturen, die Menschen aus SĂŒdosteuropa in AbhĂ€ngigkeit halten und Sozialleistungen abschöpfen. FĂŒr seriöse Arbeitgeber könnte eine gestĂ€rkte Bundesagentur fĂŒr Arbeit und hĂ€rtere Haftung bei Schwarzarbeit mehr Rechtssicherheit bringen. Zugleich dĂŒrfte die politische Debatte darĂŒber anhalten, wie sich striktere Regeln beim Sozialschutz mit einem offenen Arbeitsmarkt und europĂ€ischer FreizĂŒgigkeit vereinbaren lassen.

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