Supreme Court kippt viele Trump-Zölle â Was bedeutet das?
20.02.2026 - 17:19:37 | dpa.deEs ist die bislang wichtigste Entscheidung des Obersten Gerichtshof in Donald Trumps zweiter Amtszeit und eine herbe Niederlage fĂŒr den US-PrĂ€sidenten: Viele seiner Zölle sind illegal. Der Supreme Court hat entschieden, dass die US-Regierung rechtswidrig handelte, als sie unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahr 1977 Zölle gegen Dutzende Handelspartner verhĂ€ngte - darunter auch die EuropĂ€ische Union.Â
Was folgt daraus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Ăberblick:Â
Wie reagiert Trump auf die Entscheidung?
FĂŒr Trump, der seine Zölle gerne als Allheilmittel etwa zur Sicherung heimischer ArbeitsplĂ€tze oder zur Beilegung von Konflikten preist, ist diese Entscheidung eine bittere Niederlage. Unmittelbar nach der Entscheidung Ă€uĂerte er sich zunĂ€chst nicht. Stunden spĂ€ter holte er bei einer Pressekonferenz dann zu einer Attacke auf die Judikative aus und sagte, er schĂ€me sich fĂŒr die Mitglieder des Gerichts, die sich gegen seine Politik aussprachen.Â
Der US-PrĂ€sident war sichtlich bemĂŒht, sich seine Niederlage nicht anmerken zu lassen. Gleichzeitig gab er aber auch zu, dass die Umsetzung seiner Zollpolitik durch die Entscheidung nun komplizierter geworden sei.
Er lieĂ dabei er keinen Zweifel daran, dass er an seiner aggressiven Zollpolitik festhalten will - und ging wie so oft in die Offensive. Er werde Alternativen nutzen, mit denen er mehr Geld einnehmen werde, sagte Trump.
Welche Zölle sind von der Gerichtsentscheidung betroffen?
Betroffen sind alle Zölle, die Trump unter Berufung auf das Notstandsgesetz IEEPA etabliert hat. Es besagt, dass ein PrĂ€sident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu mĂŒssen. Trump ist der erste US-PrĂ€sident, der das Gesetz fĂŒr seine Zollpolitik heranzog. Vor dem Supreme Court hatten bereits untere Instanzen entschieden, dass das nicht rechtens sei, nachdem mehrere US-Unternehmen und Bundesstaaten dagegen geklagt hatten.Â
Die Richter des Obersten Gerichts stellten nun klar, dass das Gesetz den PrĂ€sidenten zwar ermĂ€chtige, bei nationalen Notlagen den AuĂenhandel zu regulieren, aber nicht zur Erhebung von Zöllen. Zudem befĂ€nden sich die USA nicht mit «allen LĂ€ndern der Welt im Krieg», weswegen Trump sich nicht auf Kriegsbefugnisse stĂŒtzen könne.
Trump hatte sich unter anderem fĂŒr seine sogenannten reziproken Zölle, die er mit angeblichen Ungleichgewichten und Benachteiligungen fĂŒr die USA im internationalen Handel begrĂŒndete, auf das Gesetz gestĂŒtzt. Darunter fĂ€llt der Zollsatz von 15 Prozent, der aktuell fĂŒr den Import der meisten EU-Produkte in die USA gilt. Neben der EU sind auch Dutzende andere Handelspartner der USA von den je nach Land variierenden Zöllen betroffen.Â
In seiner zweiten Amtszeit hatte der US-PrĂ€sident zudem AufschlĂ€ge auf Wareneinfuhren aus Kanada, Mexiko und China auf Basis des Notstandsgesetzes erlassen. Seine BegrĂŒndung: Die LĂ€nder tĂ€ten nicht genug gegen die Verbreitung von Drogen wie Fentanyl beziehungsweise gegen illegale Migration.Â
Welche Zölle bleiben auf jeden Fall bestehen?
Nicht entschieden hat das Oberste Gericht der USA ĂŒber Zölle auf spezifische Produkte, fĂŒr die die US-Regierung einen anderen gesetzlichen Rahmen heranzog. Unter Berufung auf einen Abschnitt des «Trade Expansion Acts» aus dem Jahr 1962 erlieĂ Trump etwa Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos. Diese Zölle gelten weiter.Â
Muss die US-Regierung die betroffenen Zölle jetzt direkt aufheben?
Das Gericht setzte keine Frist fĂŒr die Aufhebung der Zölle. Mit der Entscheidung entfĂ€llt jedoch die gesetzliche Grundlage fĂŒr die MaĂnahmen. Wie und wie schnell die Regierung die Zölle administrativ zurĂŒcknehmen muss, ist im Urteil nicht geregelt. Die praktische Umsetzung â etwa die Anpassung des Zolltarifs oder mögliche RĂŒckerstattungen â liegt bei den zustĂ€ndigen Behörden. Ăber Streitfragen entscheidet etwa das US-Gericht fĂŒr internationalen Handel.Â
Was bedeutet das Urteil fĂŒr die EU und Deutschland?
Nach der Gerichtsentscheidung war das zunĂ€chst unklar. Von der EU-Kommission hieĂ es in einer ersten Reaktion, dass man das Urteil sorgfĂ€ltig analysieren wolle. Wichtig sei, dass es fĂŒr Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks «StabilitĂ€t und Planbarkeit» gebe. «Daher setzen wir uns weiterhin fĂŒr niedrige Zölle ein und arbeiten an deren Senkung», hieĂ es von einem Kommissionssprecher in BrĂŒssel.Â
Zuvor war BrĂŒssel davon ausgegangen, dass sich Trumps Regierung - wie von ihr angekĂŒndigt - nun eine neue Rechtsgrundlage fĂŒr ihre Zölle sucht und diese dann weiter gĂŒltig bleiben. FĂŒr Handelspartner wie die EU, fĂŒr Verbraucher und MĂ€rkte bedeutet die Entscheidung daher zunĂ€chst vor allem Eines: erneute Unsicherheit.
Wie sehen Trumps nÀchste Schritte aus?
Der Republikaner kĂŒndigte an, noch am Freitag (Ortszeit) eine Anordnung zu unterschreiben, um unter Berufung auf eine andere gesetzliche Grundlage einen weltweiten zusĂ€tzlichen Zoll von zehn Prozent auf Importe in die USA zu verhĂ€ngen.Â
Nach eigenen Angaben will er sich dafĂŒr auf ein Handelsgesetz aus dem Jahr 1974 stĂŒtzen. Dieses erlaubt es, Zölle auf Importe fĂŒr bis zu 150 Tage lang zu erheben. FĂŒr einen lĂ€ngeren Zeitraum brĂ€uchte Trump auf diesem Weg allerdings die Zustimmung des US-Parlaments. Diese rechtliche Grundlage ist laut der «New York Times» noch nie zuvor genutzt worden.Â
Trump kĂŒndigte darĂŒber hinaus an, unter Berufung auf weitere rechtliche Grundlagen Handelsuntersuchungen einzuleiten. Sollten dabei etwaige unfaire Handelspraktiken festgestellt werden, könnte das als Rechtfertigung fĂŒr weitere Zölle herangezogen werden.Â
Was bedeutet das Urteil fĂŒr Importeure?
Nach Angaben des Penn Wharton Budget Models von der University of Pennsylvania könnte die US-Regierung Importeuren nun bis zu 175 Milliarden US-Dollar (knapp 150 Mrd Euro) an Erstattungen schulden. «Sofern keine alternative Einnahmequelle gefunden wird, werden die zukĂŒnftigen Zolleinnahmen um die HĂ€lfte sinken», hieĂ es.Â
US-Finanzminister Scott Bessent hatte bereits Anfang September bei NBC News gesagt, dass sich die Regierung einer Anordnung des Obersten Gerichts fĂŒgen und Importeuren die Zolleinnahmen erstatten wĂŒrde. Wie genau der Erstattungsprozess ablaufen soll, ist allerdings unklar.
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