Endspurt: Deutsche Exporte steigen erstmals seit zwei Jahren
06.02.2026 - 11:47:41Versöhnlicher Abschluss nach einem turbulenten Jahr: Dank eines starken Dezembers sind die deutschen Exporte 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen - trotz des Zollstreits mit US-PrĂ€sident Donald Trump. Im Dezember stiegen die Ausfuhren laut Statistischem Bundesamt um 4,0 Prozent zum Vormonat auf gut 133 Milliarden Euro und damit fast viermal so stark wie von Analysten erwartet. Die Erholung des fĂŒr die deutsche Wirtschaft so wichtigen AuĂenhandels ist ein Lichtblick nach Jahren der Flaute.
Die guten GeschĂ€fte zu Jahresende verhalfen den Exporteuren unerwartet zu einem Plus in der Jahresbilanz. Insgesamt gingen 2025 kalender- und saisonbereinigt deutsche Waren im Wert von 1.569,6 Milliarden Euro in alle Welt, ein Plus von 1,0 Prozent zum Vorjahr. Noch 2023 und 2024 waren die Ausfuhren geschrumpft.Â
Die Exporteure hĂ€tten sich trotz massiver Belastungen â darunter US-Zölle, geopolitische Spannungen und fragile Lieferketten - widerstandsfĂ€hig gezeigt, sagte der PrĂ€sident des Exportverbands BGA, Dirk Jandura. Ein Einbruch sei ausgeblieben, «doch von einer echten Erholung kann keine Rede sein». International habe Deutschland Marktanteile verloren.
Dezember bringt Plus sogar im US-GeschÀft
Noch im Januar hatten die Statistiker nach ersten Erkenntnissen einen leichten RĂŒckgang der Exporte fĂŒr 2025 geschĂ€tzt. Doch das Jahresende ĂŒbertraf alle Erwartungen: Sogar die Exporte in die USA wuchsen im Dezember - und zwar um knapp neun Prozent auf 11,8 Milliarden Euro.Â
Noch besser lief es im GeschĂ€ft mit China mit einem Plus von fast 11 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Zudem blieb Europa eine StĂŒtze: Die Exporte mit den EU-Staaten legten um 3,1 Prozent zu auf gut 75 Milliarden Euro.
Zugleich wuchsen die Importe, sowohl im Dezember als auch im Gesamtjahr. Insgesamt stiegen die Einfuhren 2025 krĂ€ftig um 4,4 Prozent auf 1.366,9 Milliarden Euro.Â
In der AuĂenhandelsbilanz stand damit ein ExportĂŒberschuss von rund 200 Milliarden Euro - deutlich weniger als im Vorjahr (241 Mrd. Euro). Der RĂŒckgang sei alarmierend, sagte BGA-PrĂ€sident Jandura: Er sprach von einem «klaren Warnsignal fĂŒr die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit».Â
Lichtblick nach vielen RĂŒckschlĂ€gen
Einer Studie der Bundesbank zufolge sind deutsche Unternehmen auf den WeltmĂ€rkten ĂŒber Jahre zurĂŒckgefallen - darunter in wichtigen Branchen wie Maschinenbau, Elektro, Chemie- und Metallindustrie. Der Export ist traditionell eine SĂ€ule der deutschen Wirtschaft. Fast jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hĂ€ngt laut Statistischem Bundesamt von ihm ab.
Der Anstieg der Ausfuhren zum Jahresende gibt etwas Hoffnung fĂŒr eine Erholung der deutschen Wirtschaft, die 2025 nur knapp am dritten Jahr ohne Wachstum vorbeigeschrammt war. Zuletzt hatten die IndustrieauftrĂ€ge den vierten Monat in Folge angezogen. Jedoch ging die Industrieproduktion zum Jahresende ĂŒberraschend zurĂŒck, auch wegen der SchwĂ€che der Autobranche.
Zollstreit mit Trump und Druck aus ChinaÂ
Die deutschen Exporteure haben angesichts des Zollstreits mit Trump ein turbulentes Jahr hinter sich. Im April hatte der US-PrĂ€sident ein globales Zollpaket vorgelegt. SpĂ€ter wurden die Zölle zeitweise ausgesetzt und die EU einigte sich mit Washington auf ein Abkommen, das allerdings stark erhöhte Zölle fĂŒr Einfuhren aus Deutschland vorsieht. Zudem sorgen immer neue Zolldrohungen von Trump wie zuletzt im Grönland-Konflikt fĂŒr Unsicherheit.
Dazu kommt harte Konkurrenz aus China fĂŒr deutsche Firmen, etwa bei Elektroautos. Auf Jahressicht schrumpften die Exporte sowohl in die USA als auch nach China um mehr als neun Prozent. Lichtblick blieben die Ausfuhren in die EU, die um 3,4 Prozent wuchsen.
Die Nachfrage aus den europĂ€ischen LĂ€ndern habe das Jahr fĂŒr den AuĂenhandel halbwegs gerettet, sagte DIHK-AuĂenwirtschaftschef Volker Treier. «Immerhin mehren sich die Anzeichen, dass der Trend bei den deutschen Exporten zu Jahresende wieder nach oben weist.»
Starker Euro trifft Exporteure
Allerdings bleiben die HĂŒrden groĂ. Eine Belastung fĂŒr Exporteure ist der starke Euro, der ihre Waren auf den WeltmĂ€rkten verteuert. JĂŒngst ĂŒbersprang der Euro zeitweise die Marke von 1,20 US-Dollar - erstmals seit 2021. Die unberechenbare Politik von Trump hat das Vertrauen in den Dollar geschwĂ€cht, was umgekehrt den Euro aufwerten lĂ€sst.Â
FĂŒr die exportorientierte Industrie werde die Luft dĂŒnner, meint Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Bank M.M.Warburg & CO. «Ein zu starker Euro in einem fragilen globalen Umfeld ist das Letzte, was die Konjunktur jetzt gebrauchen kann.»
Eine etwas bessere Stimmung unter Exporteuren zeigten zuletzt zwar die Ifo-Exporterwartungen. Demnach blickt etwa die Autobranche etwas zuversichtlicher auf das AuslandsgeschĂ€ft. Doch die Unsicherheit bleibe hoch, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. «FĂŒr das erste Quartal 2026 fehlen klare Signale fĂŒr einen AufwĂ€rtstrend.»









