Polizeimeldungen, Sexualstraftaten

Tausende Kinderporno-FÀlle können nicht verfolgt werden

30.05.2023 - 00:34:17

Aus den USA gingen im vergangenen Jahr 136.437 Hinweise auf Kinderpornografie beim Bundeskriminalamt ein - viele davon können aber nicht verfolgt werden.

Das berichtet "Bild" unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage aus der Unionsfraktion. Im Internet aufgespĂŒrt hatte sie das renommierte Zentrum fĂŒr vermisste und ausgebeutete Kinder (NCMEC).

89.844 FĂ€lle waren schließlich strafrechtlich relevant, 5.614 FĂ€lle mussten unerledigt zu den Akten gelegt werden, Strafverfolgung und Bestrafung waren nicht möglich. Grund ist der Datenschutz: Die IP-Adresse der mutmaßlichen TĂ€ter wĂ€re das einzige BeweisstĂŒck gewesen. Doch sie war beim Telekommunikationsanbieter nicht mehr gespeichert - weil in Deutschland keine Vorratsdatenspeicherpflicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Der EuropĂ€ische Gerichtshof hatte die sogenannte Vorratsdatenspeicherung in schweren FĂ€llen wie Kindesmissbrauch oder Terrorismus in einem wegweisenden Urteil bereits vor acht Monaten fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rt hat. Im Parlament verhindert die Ampel-Koalition jedoch seit Monaten eine Anhörung zu diesem Thema. Die Vize-Vorsitzende der Unions-Fraktion, Andrea Lindholz (CSU), spricht von einem "Skandal". Die Scholz-Regierung lasse "die SchwĂ€chsten in unserer Gesellschaft - die Kinder - im Stich". Der Kanzler mĂŒsse "endlich ein Machtwort" sprechen. Doch in der Koalition wird noch diskutiert, ob und wie das Urteil umgesetzt werden kann. Benjamin Strasser (FDP), Parlamentarischer StaatssekretĂ€r im gemeinsam mit dem Innenministerium zustĂ€ndigen Justizministerium, hatte im Mai erklĂ€rt: "Zu Einzelfragen der Umsetzung der Entscheidung des EuropĂ€ischen Gerichtshofs vom 20. September 2022 ist die Meinungsbildung innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen. Wann der Meinungsbildungsprozess abgeschlossen sein wird, steht derzeit noch nicht fest." Beim BKA sind nach "Bild" vorliegenden Zahlen allein in den Jahren 2017 bis 2021 insgesamt 302.250 Hinweise der US-KinderschĂŒtzer eingegangen. Davon liefen 19.150 Hinweise ins Leere, weil die IP-Adressen mutmaßlicher TĂ€ter aufgrund der deutschen Regeln nicht bei den Providern gespeichert waren.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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