Polizeimeldungen, Gewalt

Linnemann will Schnellverfahren gegen GewalttÀter - scharfe Kritik

16.07.2023 - 17:06:29

Der neue CDU-GeneralsekretÀr Carsten Linnemann fordert die konsequente Bestrafung von GewalttÀtern noch am Tattag.

"Es braucht Schnellverfahren gegen GewalttĂ€ter, das Justizsystem muss entsprechend organisiert werden", sagte Linnemann der "Bild am Sonntag". Wer mittags im Freibad Menschen angreife, mĂŒsse abends vor dem Richter sitzen und abgeurteilt werden.

"Auch am Wochenende. Die Strafprozessordnung gibt das her." Auch das Strafmaß mĂŒsse voll ausgeschöpft werden, bis hin zu Haftstrafen. GrundsĂ€tzlich mĂŒsse es das Ziel sein, StraftĂ€ter sofort zur Verantwortung zu ziehen, so Linnemann. "Der starke Rechtsstaat funktioniert nur mit Abschreckung, wenn die TĂ€ter damit rechnen mĂŒssen, dass sie noch am gleichen Tag verurteilt werden und die Konsequenzen tragen." Was derzeit in den FreibĂ€dern passiere, sei zudem "schlicht unsozial". Familien, die sich keinen Urlaub oder keinen Pool im eigenen Garten leisten könnten, mĂŒssten im Freibad mitansehen, "wie junge MĂ€nner, oft mit Migrationshintergrund, gewalttĂ€tig werden". Sie hĂ€tten den Eindruck, dass der Staat nur zuschaue. Die Forderung Linnemanns nach Schnellverfahren fĂŒr Freibad-StraftĂ€ter stieß umgehend auf scharfe Kritik in den ĂŒbrigen Parteien. Sonja Eichwede, rechtspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, nannte den Vorschlag "Populismus pur", weil er rechtsstaatliche GrundsĂ€tze und die RealitĂ€t in der Justiz verkenne. "Ob beschleunigte Verfahren anwendbar sind, kann nicht nach politischem Willen eines CDU-GeneralsekretĂ€rs beurteilt werden, sondern muss im Einzelfall durch ein Gericht entschieden werden", sagte Eichwede der "Welt". Es werde kaum jede Straftat im Freibad geeignet sein, einen Antrag auf ein beschleunigtes Verfahren zu stellen. Der GrĂŒnen-Abgeordnete Marcel Emmerich, Obmann im Bundestags-Ausschuss fĂŒr Inneres und Heimat, stimmt nur insoweit zu, als die Strafe der Tat auf dem Fuß folgen sollte. "Voraussetzung dafĂŒr ist eine angemessene personelle und finanzielle Ausstattung von Polizei und Justiz. Das liegt in Berlin in der Verantwortung von CDU-Mann Kai Wegner und seiner Justizsenatorin", sagte Emmerich mit Blick auf Berlins Regierenden BĂŒrgermeister. Einfach nur eine Forderung in den Raum zu werfen, sei "populistisch, zumal es in einem Rechtsstaat nicht Aufgabe von Politikern ist, den Richtern Vorgaben zum Strafmaß zu machen". In der FDP-Fraktion hĂ€lt man Linnemanns Vorstoß auch wegen geltender juristischer Vorgaben fĂŒr abwegig. "SelbstverstĂ€ndlich mĂŒssen Verfahren schnell durchgefĂŒhrt werden. Herr Linnemann verrennt sich aber offenbar in Populismus", sagte Rechtspolitikerin Katrin Helling-Plahr der "Welt". Das sogenannte beschleunigte Verfahren etwa sehe eine Ladungsfrist von 24 Stunden vor, "das absolute Minimum, um einen rechtsstaatlichen Standard sicherzustellen". Zudem mĂŒsse Beschuldigten je nach zu erwartender Strafe ein Verteidiger gestellt werden. "Von diesen rechtsstaatlichen Mindeststandards sollte eine verantwortungsvolle Oppositionspartei keine Abkehr fordern. Stattdessen tĂ€te die CDU gut daran, in den LĂ€ndern mehr Richterstellen zu schaffen." Die Linksfraktion wirft der CDU unterdessen "reinen Law-and-Order-Populismus" vor, der die Gesellschaft spalte. Die rechtspolitische Sprecherin Clara BĂŒnger nannte Linnemanns VorschlĂ€ge eindimensional und realitĂ€tsfern. "Die Justiz kann keine gute Sozialarbeit ersetzen. Daher ist es auch ein großer Fehler, dass der Berliner Senat gerade in Neukölln massive Einsparungen im sozialen Bereich plant." Man brauche mehr Personal in FreibĂ€dern, mehr und besser bezahlte Sozialarbeit und mehr kostenlose Freizeitangebote fĂŒr Jugendliche. Zustimmung fĂŒr Linnemann kommt hingegen aus der AfD-Fraktion. Deren innenpolitischer Sprecher Gottfried Curio sagte, es stehe außer Frage, dass eine Strafsanktion eine "merklich abschreckende Wirkung" entfalten sollte: "Da wird eine schnellstmögliche Behandlung der FĂ€lle nur hilfreich sein." Ebenso wichtig sei auch, dies mit einer "wesentlich restriktiveren Zuwanderungs- und Abschiebungspolitik" zu flankieren, damit die Gruppe, aus der die TĂ€terklientel maßgeblich komme, nicht stĂ€ndig grĂ¶ĂŸer werde. "Mehr Kontrollen an den Grenzen ermöglichen weniger Kontrollen an den FreibadeingĂ€ngen."

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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