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Finanzpolitiker sehen den möglichen staatlichen Zugriff auf Bankdaten skeptisch

22.01.2020 - 07:39:46

Die Initiative der Bundesregierung fĂŒr eine stĂ€rkere Kontrolle des Internets, trifft auf die gemeinsame Kritik von Finanzpolitikern der Regierungskoalition und Opposition.

Das Thema HasskriminalitĂ€t und die zunehmenden Übergriffe gegen politische FunktionstrĂ€ger im Netz beschĂ€ftigen Regierung und Bundestag. Um der sich in den sozialen Netzwerken verbreitenden Gewaltrhetorik entgegenzuwirken, plant die Bundesregierung eine weitgehende Auskunftspflicht fĂŒr Internetdienstleister. Dies umfasst u.a. auch den potentiellen Zugriff staatlicher Stellen auf Passwörter und Zugangsdaten fĂŒr Online-Dienste. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber, Ă€ußerte scharfe Kritik an einem entsprechenden Referentenentwurf aus dem Justizministerium. Kelber sieht in der Gesetzesinitiative die Grundrechte erheblich gefĂ€hrdet. Durch die mögliche Weitergabe, seien alle AktivitĂ€ten in Onlinediensten fĂŒr den Staat in Zukunft nachvollziehbar. Auch die im Gesetzentwurf vorgesehene Pflicht zur Auskunftserteilung fĂŒr unternehmensinterne Datenquellen, habe weitreichende Konsequenzen. In seiner Stellungnahme verweist Kelber in erster Linie auf die Folgen fĂŒr den Bankensektor. Die Kritik des Bundesdatenbeauftragten haben auch Finanzpolitiker aus allen politischen Lagern aufgegriffen. Die Finanzexpertin der Unions- Fraktion im Bundestag, Antje Tillmann, verwies gegenĂŒber dem Handelsblatt auf die KollateralschĂ€den des Gesetzentwurfs fĂŒr die Finanzinstitute und den elektronischen Zahlungsverkehr von Privatkunden. Wir werden den Entwurf genau auf unbeabsichtigte Folgewirkungen prĂŒfen und, wenn nötig, entsprechende ÄnderungsantrĂ€ge einbringen, so die Unions-Politikerin im „Handelsblatt“. Der finanzpolitische Sprecher der GrĂŒnen, Danyal Bayaz, sieht den Entwurf des SPD-gefĂŒhrten Finanzministerium ebenso skeptisch. Wir begrĂŒĂŸen die Absicht der Bundesregierung die HasskriminalitĂ€t im Internet einzudĂ€mmen, aber der Referentenentwurf verliere sein eigentliches Ziel aus den Augen. Mit der vorgeschlagenen Änderung des Telemediengesetzes (TNG), sei ein erheblicher Eingriff des Staates in die Datenschutzrichtlinien und in die Sicherheit des IT-Bereiches im Bankensektor verbunden. Das trifft das Zentrum der Digitalisierung des Bankenbereichs, so Bayaz gegenĂŒber dem Handelsblatt. Die notwendige Modernisierung des Bankenwesens und seine Ausrichtung auf das digitale Zeitalter, werden durch den Entwurf unbeabsichtigt gefĂ€hrdete. Die Bankkunden mĂŒssten sich auf die Sicherheit ihrer Bankdaten und auf die Vertraulichkeit des Online-Zahlungsverkehrs verlassen können. Auch der Finanzexperte der FDP, Florian Toncar, zeigt sich im „Handelsblatt“ von den Auswirkungen des Referentenentwurfs betroffen. Toncar sieht den potentiellen Zugriff auf Passwörter als Eingriff in die Grundrechte und moniert eine erhebliche Störung der Digitalisierung des Bankwesens. Es ist doch nicht akzeptabel, dass eine Bundesregierung sich durch ihren eigenen Bundesdatenschutzbeauftragten auf die negativen Auswirkungen einer GesetzesĂ€nderung hinweisen lassen mĂŒsse. Dieses Gesetz ist in dieser Form nicht haltbar und die Konstruktionsfehler des Gesetzentwurfs sind derart gravierend, dass da auch nichts mehr zu retten ist, so Toncar im „Handelsblatt“. Der Referentenentwurf des Finanzministeriums wird den Bundestag sicherlich weiterhin beschĂ€ftigen und zu heftigen Kontroversen im Bundestag fĂŒhren.
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