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Mittelhessen: PolizeiprĂ€sidium Mittelhessen startet Pilotprojekt Demokratiepaten - Polizeischutz fĂŒr die Demokratie

15.01.2026 - 17:31:03

Giessen - Das PolizeiprÀsidium Mittelhessen startet mit Beginn dieses Jahres ein neues Pilotprojekt zur StÀrkung demokratischer Werte innerhalb der hessischen Polizei: die Fortbildung und den Einsatz sogenannter Demokratiepatinnen und -paten. Ziel des Projekts ist es, demokratische Haltung, historische Verantwortung und gesellschaftliche DialogfÀhigkeit im polizeilichen Alltag gezielt zu fördern.

Das Konzept "Demokratiepaten - Polizeischutz fĂŒr die Demokratie" wurde ursprĂŒnglich in Niedersachsen entwickelt und dort in enger Zusammenarbeit zwischen der Polizeiakademie Niedersachsen und dem bundesweit tĂ€tigen Verein "Gegen Vergessen. FĂŒr Demokratie e.V." erfolgreich umgesetzt. Der Verein setzt sich seit Jahrzehnten fĂŒr die Aufarbeitung der nationalsozialistischen und der SED-Diktatur sowie fĂŒr die StĂ€rkung demokratischer Werte in der Gegenwart ein. Zu seinen prĂ€genden Persönlichkeiten zĂ€hlen unter anderem der frĂŒhere BundesprĂ€sident Joachim Gauck.

Nun wird anhand des Pilotprojektes dieser Ansatz erstmals in Hessen erprobt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei ist die enge behördenĂŒbergreifende und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit. Die Fortbildung der Beamtinnen und Beamten wird behördenĂŒbergreifend in Kooperation mit der Polizeiakademie Niedersachsen sowie dem Verein "Gegen Vergessen. FĂŒr Demokratie e.V." durchgefĂŒhrt, der seine fachliche Expertise aus der Demokratiebildung und der historisch-politischen Aufarbeitung einbringt.

Im PolizeiprĂ€sidium Mittelhessen wurden dazu zunĂ€chst fĂŒnf Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte ausgewĂ€hlt, die die erste Fortbildungsrunde komplett durchlaufen haben. In der modularen Fortbildung setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit ihrem demokratischen SelbstverstĂ€ndnis, historisch-politischer Bildung, dem Umgang mit populistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen sowie mit Projekt- und Netzwerkarbeit auseinander. Perspektivisch könnten hessenweit weitere Demokratiepatinnen und -paten qualifiziert werden.

Die ausgebildeten Demokratiepatinnen und -paten wirken kĂŒnftig als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren innerhalb der Behörde. Sie entwickeln eigenstĂ€ndig Projekte und Veranstaltungsformate, die demokratische Kompetenzen stĂ€rken, den offenen Austausch fördern und Themen wie Werteorientierung, DiversitĂ€t, kulturelle Vielfalt sowie den professionellen Umgang mit Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Fokus rĂŒcken. Dabei geht es nicht nur um den Blick in die Geschichte, sondern ausdrĂŒcklich auch um aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und die Rolle der Polizei in einer pluralistischen Demokratie.

PolizeiprĂ€sident Torsten KrĂŒckemeier unterstreicht die Bedeutung des Pilotprojekts: "Der Schutz und die Verteidigung des Grundgesetzes sind der Kernauftrag unserer Polizei. In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung ist es mir ein Herzensanliegen, diesen Auftrag sichtbar zu stĂ€rken. Demokratiepatinnen und -paten helfen uns als Polizei dabei, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu reflektieren und den Dialog zu fördern - mit den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern ebenso wie innerhalb unserer eigenen Reihen."

Innenminister Roman Poseck bekrĂ€ftigt das Vorhaben und fĂŒhrt hierzu aus: "Unsere Demokratie wird von den extremen KrĂ€ften unter Druck gesetzt. Sie ist keine SelbstverstĂ€ndlichkeit, sondern sie muss tĂ€glich geschĂŒtzt, gelebt und weitergegeben werden. Daher ist die Demokratiebildung ein zentraler Baustein unserer Gesellschaft und auch fĂŒr Polizei von besonderer Bedeutung. Ich unterstĂŒtze daher das Pilotprojekt der Demokratiepaten im PolizeiprĂ€sidium Mittelhessen. Demokratieprojekte und Veranstaltungsformate wie historisch-politische Bildungsreisen - etwa zu GedenkstĂ€tten, in den Bundes- und Landtag oder zu Synagogen - ebenso wie Workshops unter anderem zur Aufarbeitung der NS- und der SED-Diktatur sowie deren staatliche Institutionen oder aber GesprĂ€chsformate mit Zeitzeugen schaffen Wissen, Empathie und Verantwortung. Sie sind der richtige Weg, um sich fundiert mit unserer Geschichte und unseren Werten auseinanderzusetzen. Demokratiefeinde dĂŒrfen in Hessen keinen NĂ€hrboden finden; dem begegnen wir mit AufklĂ€rung, Engagement und einem verlĂ€sslichen Schutz der Demokratie."

Das Pilotprojekt sieht er dabei als einen weiteren Baustein der polizeilichen Demokratiearbeit neben der im September 2025 eingegangenen "Allianz fĂŒr Demokratie" mit der Justus-Liebig-UniversitĂ€t in Gießen. Gemeinsam werden die gleichen ĂŒbergeordneten Ziele verfolgt: die StĂ€rkung demokratischer Werte, historischer Verantwortung und gesellschaftlicher DialogfĂ€higkeit. Im Rahmen der Allianz werden unter anderem gemeinsame Exkursionen von Polizeibeamtinnen und -beamten sowie angehenden LehrkrĂ€ften zu historischen Erinnerungsorten wie Auschwitz und ŁĂłdź durchgefĂŒhrt, um die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und deren Bedeutung fĂŒr staatliches Handeln in der Gegenwart zu vertiefen.

Die dazugehörige Pressemeldung finden Sie hier: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/154582/6125063.

"Demokratiepaten - Polizeischutz fĂŒr die Demokratie" ergĂ€nzt diese Arbeit gezielt, indem es demokratische Bildung und Werteorientierung dauerhaft im polizeilichen Alltag verankert und so die bestehenden AktivitĂ€ten sinnvoll erweitert. Der Pilot bietet somit einen doppelten Mehrwert: Zum einen stĂ€rkt es die dialogorientierte und wertebasierte Polizeiarbeit gegenĂŒber den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern. Zum anderen fördert es die innere demokratische Resilienz der Organisation, indem ReflexionsfĂ€higkeit, Fehlerkultur und professionelle Haltung gezielt unterstĂŒtzt werden. Die Demokratiepatinnen und -paten leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer offenen, lernenden und zukunftsfĂ€higen Polizeikultur.

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