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(105 / 2024) Polizeiliche Kriminalstatistik 2023 der Polizeiinspektion Göttingen: Straftatenaufkommen gestiegen, AufklÀrungsquote in Stadt und Landkreis leicht gesunken

15.03.2024 - 12:46:42

Göttingen - GÖTTINGEN (mj/jk) - Im Folgenden stellt Kriminaldirektor (KD) Oliver Tschirner in seiner Funktion als Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion (PI) Göttingen die Polizeiliche Kriminalstatistik 2023 vor.

Die Jahresbilanz enthĂ€lt neben den reinen Fallzahlen auch Statements und Bewertungen zu den ausgewĂ€hlten Deliktsfeldern, mit denen sich die Ermittler im zurĂŒckliegenden Jahr in Stadt und Landkreis Göttingen befasst haben. Drei Grafiken sind als Anlage beigefĂŒgt.

Die Polizeikommissariate (PK) Bad Lauterberg, Duderstadt, Hann. MĂŒnden und Osterode werden ggf. in den kommenden Tagen fĂŒr ihren lokalen Bereich die Medien informieren.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2023 fĂŒr Stadt und Landkreis Göttingen im Detail:

Gesamtstraftaten

Im Jahr 2023 verzeichnet die PI Göttingen eine KriminalitĂ€tsrate von 24.286 Straftaten, was einen Anstieg gegenĂŒber den 21.454 Delikten des Jahres 2022 darstellt. Die KriminalitĂ€tshĂ€ufigkeit, gemessen an Taten pro 100.000 Einwohner, ist auf 7.467 gestiegen (2021: 6.403, 2022: 6.674). Der Zuwachs um 2.832 Straftaten (ein Plus von 13,17 % im Vergleich zum Vorjahr) ist vor allem auf eine Zunahme bei Delikten des einfachen und schweren Diebstahls, insbesondere Fahrraddiebstahl, sowie Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (darunter fallen u. a. Delikte im Rahmen der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche), Vergehen gegen die persönliche Freiheit (Nötigung, Bedrohung und Stalking) sowie Widerstandshandlungen/Gewalt gegen KrĂ€fte des Rettungsdienstes, der Feuerwehr und Polizei zurĂŒckzufĂŒhren. Ebenso trĂ€gt der fortgesetzte Anstieg von FĂ€llen hĂ€uslicher Gewalt zu dieser Entwicklung bei.

AufklÀrungsquote

Die AufklÀrungsquote der PI Göttingen betrug im Berichtsjahr 2023 58,84 %. Sie liegt damit, wie aufgrund des nicht unerheblichen Fallzahlenanstiegs zu erwarten war, unter dem landesweiten Durchschnitt von 62,51 %. Der PI-Vorjahreswert von 61,75 % konnte nicht aufrechterhalten werden.

"Der Anstieg der Straftatenzahl und die daraus resultierende Verringerung der AufklÀrungsquote hÀngen teilweise mit den deutlichen ZuwÀchsen bei den Delikten im Bereich des Fahrraddiebstahls sowie auf die herausfordernden Ermittlungsbedingungen in diesem Sektor zusammen", sagt KD Tschirner.

HĂ€usliche Gewalt

Im Bereich der PI Göttingen ist eine kontinuierliche Zunahme der Straftaten im Zusammenhang mit hĂ€uslicher Gewalt zu verzeichnen. 2023 wurden insgesamt 1.282 VorfĂ€lle in diesem Deliktsfeld bearbeitet, verglichen mit 1.215 im Vorjahr. Diese Zunahme ist zum einen auf die im Jahr 2021 erweiterte Definition von hĂ€uslicher Gewalt zurĂŒckzufĂŒhren, jedoch auch auf die Tatsache, dass die Möglichkeit der Onlineanzeigen genutzt werden kann, wenn aufgrund der tatsĂ€chlichen VerhĂ€ltnisse die betroffenen Frauen nicht die Möglichkeiten haben persönliche Anzeigen zu erstatten.

Im Rahmen der erweiterten Definition "HĂ€usliche Gewalt", fallen unter diesen Begriff nicht nur Gewalttaten zwischen Partnern (780 Delikte, im Vorjahr 695), sondern auch innerfamiliĂ€re Gewalt (347 Delikte, im Vorjahr 349) sowie Delikte ohne direkte Opfer (176 Delikte, im Vorjahr 188), wie etwa DiebstĂ€hle innerhalb der Familie. "Frauen sind weiterhin als Opfer ĂŒberreprĂ€sentiert. Dies spiegelt wahrscheinlich auch die noch vorherrschende Scham bei der Anzeigenerstattung von mĂ€nnlichen Opfern wieder", so Oliver Tschirner.

In der PI Göttingen wurde im Jahr 2023 ein Delikt als Hochrisikofall eingestuft. Ein solcher liegt immer dann vor, wenn z. B. Frauen und ihre Kinder sich subjektiv einer schweren oder sogar tödlichen Gefahr durch ihren (Ex-)Partner ausgesetzt sehen und wenn konkrete Hinweise auf diese Bedrohung bei den zustÀndigen Behörden und Institutionen vorliegen, die auf wiederholte schwere Bedrohungen hindeuten.

"HÀusliche Gewalt ist absolut inakzeptabel und darf auch unter Beachtung ethnischer Grundprinzipien unter keinen UmstÀnden geduldet werden. Die intensive, interdisziplinÀre BekÀmpfung dieser Delikte bleibt eine zentrale Aufgabe der Polizei und steht auch im Jahr 2024 im Mittelpunkt unserer kriminalistischen Arbeit. Die Sicherheit im Handeln der PolizeikrÀfte sowie die intensive Kooperation mit allen festgelegten Netzwerkpartnern spielen weiterhin, wie entsprechende GewaltprÀvention, eine entscheidende Rolle bei der BekÀmpfung dieser Taten", betont Kripochef Tschirner.

Dazu Tanja Wulff-Bruhn, PolizeiprÀsidentin der Polizeidirektion Göttingen:

"Die Entwicklung der Straftaten im Kontext HĂ€uslicher Gewalt steht nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie und ihren EinschrĂ€nkungen im besonderen Fokus der Polizei. Der Schutz der Opfer hat fĂŒr die polizeiliche Bearbeitung oberste PrioritĂ€t. Dieser Stellenwert kommt auch in der landesweiten Handreichung zu diesem Thema zum Ausdruck. Wir haben nun ein einheitliches Hochrisikomanagement und die Verfahrensweisen sind niedersachsenweit nun standardisiert. Unser Netzwerk aus vielen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren aus Polizei, Kommunen und Opferhilfe soll außerdem in Zukunft dazu beitragen, dass wir möglichst frĂŒh tĂ€tig werden und Hilfe anbieten und im besten Fall Straftaten verhindern können."

"Als hilfreiche Maßnahme in der BekĂ€mpfung der hĂ€uslichen Gewalt erweist sich die Online-Wache, durch die Opfer die Möglichkeit haben, Strafanzeige zu erstatten, auch wenn sie ihr Haus nicht verlassen können oder dĂŒrfen."

"Es ist nicht hinnehmbar, dass Frauen sich in den eigenen vier WĂ€nde unsicher und ausgeliefert fĂŒhlen mĂŒssen. Neben der konsequenten Strafverfolgung dieser Taten wird die Abwehr von Gefahren und der Schutz der Opfer auch in Zukunft fortlaufend ein besonderer Schwerpunkt in unserer Arbeit sein. HĂ€usliche Gewalt ist keine Privatsache, sondern eine schwere KriminalitĂ€tsform, die es mit allen zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln zu bekĂ€mpfen gilt."

Tötungsdelikte

Im Laufe des Jahres 2023 registrierte die Polizei in Stadt und Landkreis Göttingen insgesamt sieben Tötungsdelikte, inklusive drei versuchter Taten, was der Anzahl des Vorjahres entspricht.

KD Tschirner gibt an: "Die Einrichtung einer Mordkommission war in einem Fall unumgÀnglich, da sich der HauptverdÀchtige seiner Festnahme entzogen hat und vermutlich ins benachbarte Ausland geflohen ist. Ein entsprechender Haftbefehl ist ausgestellt."

Insgesamt konnten die Ermittlungsteams alle FĂ€lle lĂŒckenlos aufklĂ€ren. Es wurde ein Verfahren wegen vollendeten Totschlags (nach § 212 StGB) eingeleitet, wĂ€hrend in drei FĂ€llen wegen versuchten Totschlags ermittelt wurde. Bei den restlichen drei VorfĂ€llen ging es um fahrlĂ€ssige Tötung (gemĂ€ĂŸ § 222 StGB) im Zusammenhang mit Aufenthalten in einer Klinik. Die polizeilichen Ermittlungen zu allen diesen Taten sind vollstĂ€ndig abgeschlossen.

Beispiele Tötungsdelikte:

Stichwort "Messerangriffe"

Trotz des grundsĂ€tzlichen RĂŒckgangs von Messerangriffen in der PI Göttingen (von 106 im Jahre 2022 auf 97 im Jahr 2023), sind in drei der vier geschilderten FĂ€lle Messer zum Einsatz gekommen.

PolizeiprÀsidentin Tanja Wulff-Bruhn:

"Das PhĂ€nomen Messerangriff scheint weiter an Bedeutung zu gewinnen. Messer jedweder Art sind in jedem Haushalt verfĂŒgbar oder in aller Regel erlaubnisfrei zu erwerben. Das erklĂ€rt, warum diese GegenstĂ€nde mitgefĂŒhrt und im Zweifel auch gegen Menschen gerichtet werden. Ein derartiges Verhalten ist selbstverstĂ€ndlich hochgradig verwerflich und strafbar und wirkt sich zudem auf das SicherheitsgefĂŒhl der Menschen an öffentlichen Orten aus - das darf nicht sein. In diesem Kontext ist die PrĂŒfung und Einrichtung von Waffenverbotszonen an besonders in den Fokus gerĂŒckten Orten zu befĂŒrworten. In der Polizeidirektion Göttingen wird dies bereits geprĂŒft."

Stichwort "Ermittlungen im digitalen Raum"

Ermittlungen im "digitalen Raum" gewinnen auch im Zusammenhang mit Tötungsdelikten immer mehr an großer Bedeutung. Im erstgenannten Sachverhalt, in dem es zur vorsĂ€tzlichen Tötung einer mĂ€nnlichen Person im Zuge von Streitigkeiten unter LKW- Fahrern kam, konnte die Tat mit Hilfe des IT- Einsatzes zu einem schnellen Abschluss gebracht werden.

Dazu Behördenleiterin Wulff-Bruhn:

"Wie ein Fall aus der PI Göttingen aus dem vergangenen Jahr belegt, ist dieser Schritt richtig und erfolgreich: Durch die Analyse von GPS-Daten eines Fahrzeugs und die Sicherung einer VideoĂŒberwachung konnte ein Morddelikt aufgeklĂ€rt und die TĂ€ter identifiziert werden. Hieran wird deutlich, dass der Einsatz von IT-Spezialistinnen und -Spezialisten sowie KI-basierten Programmen als wertvolles Instrument zur UnterstĂŒtzung und weiteren Professionalisierung polizeilicher Ermittlungen auch zukĂŒnftig vorangetrieben werden muss, um dem polizeilichen GegenĂŒber den entscheidenden Schritt voraus zu bleiben," so die Behördenleiterin.

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

Im Jahr 2023 verzeichnete die PI Göttingen 226 FĂ€lle von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, ein Anstieg gegenĂŒber den 184 FĂ€llen des Vorjahres. In den letzten fĂŒnf Jahren wurde bereits ein kontinuierlicher Anstieg in diesem Deliktbereich festgestellt: WĂ€hrend im Jahr 2018 noch 38 Straftaten gemeldet wurden, stieg die Zahl im Jahr 2019 auf 59 und erreichte im Jahr 2020 bereits 118 FĂ€lle in Stadt und Landkreis Göttingen.

Als Ursache fĂŒr diese Entwicklung wird weiterhin eine Zunahme der Anzeigebereitschaft und der Hinweise, auch auf internationaler Ebene, gesehen. Insbesondere werden weiterhin VerdachtsfĂ€lle von Kinderpornografie von der US-amerikanischen Organisation NCMEC (National Centre for Missing and Exploited Children) an das deutsche Bundeskriminalamt und folgend an das Landeskriminalamt Niedersachsen weitergeleitet. Von dort erfolgt letztlich, nach Einbindung der sachleitenden Staatsanwaltschaft Hannover, die Verteilung in die Polizeidirektionen und letztlich der Inspektionen.

"Die BekĂ€mpfung gerade dieses PhĂ€nomenbereiches stellt die Polizei auch weiterhin vor sehr große Herausforderungen. Der priorisierte Personaleinsatz und der RĂŒckgriff auf alle verfĂŒgbaren Ressourcen ist jedoch aufgrund der Abscheulichkeit der TatbestĂ€nde alternativlos", fĂŒhrt KD Tschirner hierzu aus.

Behördenleiterin Tanja Wulff-Bruhn:

"Besondere Sorge bereitet mir der weiterhin anhaltende massive Anstieg der Delikte im Kontext der Kinder- und Jugendpornografie. Viele dieser FĂ€lle gehen auf das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) in den USA zurĂŒck, die Straftaten auf nordamerikanischen Servern aufdecken und an die deutschen Ermittlungsbehörden, und damit auch an die Polizeidirektion Göttingen, weitergeben. Das Internet bleibt damit das beherrschende Medium zur Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie. Mit dieser Entwicklung gehen fĂŒr die Polizei ein deutlich höherer Ermittlungsaufwand und so auch ein steigender Einsatz personeller und technischer Ressourcen einher. FĂŒr die ermittelnden Kolleginnen und Kollegen bedeutet dies eine starke psychische Belastung. Umso dankbarer bin ich den Mitarbeitenden fĂŒr ihr herausragendes persönliches Engagement, durch das wir auf eine hohe Zahl an aufgeklĂ€rten FĂ€llen blicken dĂŒrfen. Es ist von besonderer Bedeutung, dass wir unsere Technik immer auf dem aktuellen Stand halten. Das setzt voraus, dass die entsprechenden Mittel dafĂŒr nicht nur einmalig zur VerfĂŒgung stehen. DarĂŒber hinaus mĂŒssen wir einen Weg finden, wie wir kĂŒnftig mit der Verarbeitung, Speicherung und Auswertung der Massendaten umgehen und einen professionellen Datenaustausch mit der Justiz gewĂ€hrleisten."

"Über die FĂ€lle des US-amerikanischen National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) hinaus, spielt auch die Verbreitung pornografischer Inhalte im Privaten in die Statistik mit ein. Junge Menschen teilen im privaten Umfeld immer hĂ€ufiger pornografisches Material auf Social Media-Plattformen oder ĂŒber Messengerdienste, aber nicht aus einer sexuellen Neigung heraus und oftmals nicht in dem Wissen, dass sie sich dadurch strafbar machen. Hier muss unsere PrĂ€vention ansetzen - Kinder, Jugendliche und Heranwachsende mĂŒssen wissen, welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann."

WohnungseinbrĂŒche

Im Jahr 2023 blieb die Zahl der WohnungseinbrĂŒche in der PI Göttingen mit 214 FĂ€llen auf einem Niveau, das sich im Vergleich zu den Vorjahren nahezu kaum verĂ€ndert hat.

Seit dem Beginn der Pandemie im Jahr 2020 (314 FĂ€lle) ist folgend eine Stabilisierung der Fallzahlen zu beobachten (2021: 221 FĂ€lle, 2022: 209 FĂ€lle).

Kriminaldirektor Tschirner erlĂ€utert mögliche GrĂŒnde fĂŒr diese Entwicklung: "Die fortgesetzte Praxis des Homeoffice fĂŒhrt dazu, dass Wohnungen seltener unbeaufsichtigt sind. Zudem könnten verstĂ€rkte Sicherheitsmaßnahmen, polizei-prĂ€ventive Aktionen sowie die VerdrĂ€ngung krimineller Klientel aus bestimmten Gebieten zu dieser Konstanz beitragen."

PolizeiprÀsidentin Wulff-Bruhn:

"FĂŒr Betroffene sind EinbruchsdiebstĂ€hle besonders belastend, weil sie gleichbedeutend mit einem Eindringen in den höchstpersönlichen Lebensbereich sind. Deshalb unterliegt diese Deliktsgruppe auch einem besonderen Monitoring der Polizeidirektion Göttingen. Hier gilt es vor dem Hintergrund der steigenden Zahl der Delikte, die vor der Pandemie eingefĂŒhrten Kontrollmaßnahmen weiter zu intensivieren und an der lĂ€nder- und staatenĂŒbergreifenden Zusammenarbeit festzuhalten. Eine große Bedeutung haben in diesem Kontext auch unsere PrĂ€ventionsmaßnahmen: Sensibilisierte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, die ihre HĂ€user nach dem aktuellen Stand der Technik sichern, sowie aufmerksame Nachbarinnen und Nachbarn sind der beste Schutz gegen Einbrecher. Unsere bisherigen Maßnahmen zeigen Wirkung: Die Polizeidirektion Göttingen weist die zweitniedrigste Fallzahl landesweit auf. Die AufklĂ€rungsquote wurde gesteigert und liegt damit ĂŒber dem Landesdurchschnitt."

Fahrraddiebstahl

In der PI Göttingen hÀlt der deutliche Anstieg bei FahrraddiebstÀhlen auf 2.599 Taten an.

Mit einem Zuwachs von 774 Delikten (42 %) im Jahr 2023 im Vergleich zu den 1.825 FĂ€llen im Vorjahr, ist hier eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen.

Besonders betroffen sind EigentĂŒmer von E-Bikes. Der finanzielle Schaden hat sich im Jahr 2023 auf ĂŒber 3,8 Millionen Euro erhöht, gegenĂŒber 2,1 Millionen Euro im Jahr 2022. Als Reaktion darauf hat die PI Göttingen zunĂ€chst eine eingerichtete Ermittlungsgruppe weitergefĂŒhrt und darauf aufbauend eine Sonderkommission zur BekĂ€mpfung dieses Deliktbereichs etabliert, die sich weiterhin intensiv dieser Herausforderung widmet.

"Die Thematik des Fahrraddiebstahls bleibt auch im Jahr 2024 ein zentraler Schwerpunkt unserer Ermittlungen", erklĂ€rt KD Tschirner. "Nach unseren Erkenntnissen werden auch die derzeit besten Schlösser fĂŒr hochpreisige FahrrĂ€der weiterhin in kĂŒrzester Zeit mittels technischer GerĂ€tschaften aufgebrochen und so in Sekunden das Fahrrad entwendet. Leider ist die Stadt Göttingen als Fahrradstadt bundesweit die Nummer eins in diesem Deliktsbereich. Die mediale Berichterstattung sensibilisiert die Menschen natĂŒrlich auch dahingehend, eigene PrĂ€ventionsmaßnahmen zu ergreifen. DarĂŒber hinaus stehen wir in stetigem Kontakt mit unseren Partnern in den Sicherheitsnetzwerken, um prĂ€ventive Strategien, wie zum Beispiel technische Sicherheitslösungen, zu stĂ€rken - ein Beispiel hierfĂŒr sind z.B. Fahrradgaragen an Bildungseinrichtungen."

RauschgiftkriminalitÀt

GrundsĂ€tzlich kann, zusammengefasst in allen Bereichen der DrogenkriminalitĂ€t, nach einem RĂŒckgang der Delikte von 1.760 FĂ€llen im Jahr 2021 auf 1.545 im darauffolgenden Jahr ein erneuter, leichten Anstieg auf 1594 VorfĂ€lle im Jahr 2023 beobachtet werden. Dieser Trend lĂ€sst sich durch intensivierte Überwachungs- und Kontrollaktionen im Zusammenhang mit der sogenannten "HolkriminalitĂ€t" nachvollziehen.

Die Quote der aufgeklĂ€rten FĂ€lle bleibt mit ĂŒber 91% fĂŒr diese Art von Vergehen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Nach einem Höchststand der VerstĂ¶ĂŸe im ausschließlichen Zusammenhang mit Cannabisprodukten im Jahre 2021 von 1.051 Delikten, verzeichnet die PI Göttingen entgegen dem Trend nunmehr sogar einen RĂŒckgang auf 970 Taten im Jahr 2023.

"Angesichts der aktuellen politischen Diskussionen ĂŒber eine Legalisierung im Bereich der BetĂ€ubungsmittel, insbesondere was den Besitz von Cannabisprodukten angeht, steht die BekĂ€mpfung dieser Delikte im Jahr 2024, mit Stand heute, vor bedeutenden VerĂ€nderungen. Die konkreten Auswirkungen auf die zukĂŒnftige Arbeit der Polizei sind momentan Gegenstand von lediglich Vermutungen. Eine zeitnahe politische ErklĂ€rung und damit einhergehende Rechtssicherheit ist zur weiteren Verfahrensweise, gerade mit Blick auf den Kinder- und Jugendschutz, unabdingbar", sagt Tschirner.

Dazu Behördenleiterin Tanja Wulff-Bruhn:

"WĂ€hrend die Drogendelikte insgesamt leicht rĂŒcklĂ€ufig waren, sind insbesondere die Fallzahlen im Bereich Besitz und Erwerb von Cannabis leicht angestiegen. Damit mĂŒssen wir auch in unserem ZustĂ€ndigkeitsbereich von einem großen Markt und einer hohen VerfĂŒgbarkeit der Droge fĂŒr alle Altersstufen ausgehen. Ungeachtet dieser Entwicklung teilen wir als Polizei die Ansicht, dass das derzeit in Rede stehende Gesetz zur Legalisierung von Cannabis nicht praxistauglich ist und unsere Beamtinnen und Beamte mit der Umsetzung erhebliche Probleme haben werden. Daneben betonen wir ausdrĂŒcklich, dass Cannabis eine fĂŒr Kinder und Jugendliche gefĂ€hrliche Droge ist, die nicht unterschĂ€tzt oder verharmlost werden darf. Dem Jugendschutz muss daher eine besondere Bedeutung beigemessen werden - und das sehen wir bei dem aktuellen Gesetzesvorhaben nicht."

Sprengung von Geldausgabeautomaten

Im Bundesgebiet und auch in der PI Göttingen kommt es weiterhin zu nĂ€chtlichen Sprengungen von Geldautomaten. Die Kriminellen, die diese Taten begehen, haben es auf große Geldsummen abgesehen, die oft im sechsstelligen Bereich angesiedelt sind.

In Göttingen wurde im vergangenen Jahr eine Sprengung registriert, im Gegensatz zu zwei Taten im Jahr 2022. Weitere Versuche blieben in 2023 aus, wÀhrend im Vorjahr noch drei zu verzeichnen waren.

Trotz eines RĂŒckgangs der Fallzahlen bleibt die GefĂ€hrlichkeit dieser Verbrechen hoch, da die TĂ€ter mit großer ProfessionalitĂ€t und ohne RĂŒcksicht auf Verluste agieren. Dabei nehmen sie schwere Sach- und GebĂ€udeschĂ€den sowie potenzielle PersonenschĂ€den durch das Einleiten und EntzĂŒnden von Gas oder Gasgemischen in Kauf.

KD Tschirner zeigt sich besonders besorgt ĂŒber den Einsatz von festen Sprengstoffen: "Die Verwendung solcher Sprengmittel beobachten wir mit ernster Sorge, da sie zu noch schwerwiegenderen SchĂ€den an der Bausubstanz fĂŒhren können und im schlimmsten Fall auch das Leben Unbeteiligter gefĂ€hrden."

Straftaten zum Nachteil Ă€lterer Menschen (SÄM)

Senioren werden aufgrund verschiedener UmstĂ€nde immer hĂ€ufiger zur Zielscheibe gewiefter BetrĂŒger. Im Verlauf des Jahres 2023 wurden in diesem Sektor insgesamt 116 vollendete Taten und 1.019 Betrugsversuche (im Vergleich zu 112/1.315 im Jahr 2022) von der PI Göttingen erfasst. Somit scheiterten im vergangenen Jahr 90 % der FĂ€lle bereits im Anfangsstadium (2022 waren es 92 %).

Der Gesamtschaden, der durch diese Delikte in Stadt und Landkreis Göttingen verursacht wurde, belÀuft sich auf etwa 1.276.000 Euro, was eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den 702.360 Euro des Vorjahres darstellt.

"Trotz erheblicher BemĂŒhungen in PrĂ€ventionsmaßnahmen in diesem Bereich, auch unter Mitwirkung von Banken und Sparkassen, werden immer noch viele, gerade Ă€ltere Mitmenschen, Opfer dieser perfiden Betrugsmasche. Leider scheinen wir mit den uns zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln und Methoden nicht alle potentiellen Opfer erreichen zu können", gibt Oliver Tschirner hierzu an.

Gewalt gegen KrÀfte des Rettungsdienstes, der Feuerwehr und Polizeivollzugsbeamte

Im Jahr 2023 wurden im Bereich der Gewalt gegen PolizeikrĂ€fte 180 VorfĂ€lle registriert, ein leichter Anstieg gegenĂŒber den 173 FĂ€llen des Vorjahres. Bei diesen Übergriffen wurden insgesamt 456 Polizistinnen und Polizisten zu Opfern. Zu den erfassten Gewalttaten zĂ€hlen neben Bedrohungen und Körperverletzungen auch Widerstandshandlungen und tĂ€tliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte. Zudem gab es 15 Angriffe auf Rettungsdienstpersonal, wobei vier Feuerwehrangehörige und 23 Rettungsdienstmitarbeiter betroffen waren - eine erneute Zunahme im Vergleich zu den 14 Angriffen im Jahr 2022.

Kripochef Tschirner Ă€ußert sich entschieden zu dieser Entwicklung: "Dieser Anstieg der Gewalt ist absolut inakzeptabel. Wir reagieren darauf unter anderem mit verstĂ€rkten Schulungsmaßnahmen und der Ausstattung unserer EinsatzkrĂ€fte mit technischen Hilfsmitteln wie Bodycams, um sowohl die Beweissicherung als auch den Schutz der Beamten zu verbessern. Der Jahreswechsel 2023/2024 hat uns abermals verdeutlicht, dass die Herausforderungen innerhalb der Gesellschaft zunehmen. Dennoch darf ein, vom Grundes seiner Bedeutung her, friedlicher Jahresbeginn nicht mit 38 verletzten Polizeibeamten beginnen."

PolizeiprÀsidentin Wulff-Bruhn:

"Der Schutz von Leib und Leben bleibt die wichtigste Aufgabe der Polizei, unabhĂ€ngig davon, ob die Zahl der Straftaten in diesem Bereich steigt. Hierzu zĂ€hlt vor dem Hintergrund einer steigenden Gewaltgeneigtheit auch der Schutz der Kolleginnen und Kollegen, die sich tĂ€glich fĂŒr ihre Mitmenschen einsetzen. Nicht nur die Ereignisse der Silvesternacht 2022/2023 haben gezeigt, dass unsere Beamtinnen und Beamten immer wieder Opfer von Gewaltdelikten in all ihren Erscheinungsformen werden, zuletzt auch beim letzten Jahreswechsel 2023/2024, bei dem es auch in unserem ZustĂ€ndigkeitsbereich zu Angriffen auf EinsatzkrĂ€fte gekommen ist. Gewalt gegen EinsatzkrĂ€fte ist aber keinesfalls ein reines SilvesterphĂ€nomen."

"Die Entwicklung von Gewalt gegen Polizei und RettungskrĂ€fte gibt weiterhin Anlass zur Besorgnis, weil mit diesen Angriffen Menschen verletzt werden, deren Aufgabe darin besteht, die BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern in teilweise extremsten Notlagen zu helfen und das hĂ€ufig unter Einsatz der eigenen Gesundheit. Allein im vergangenen Jahr wurden in der Polizeidirektion Göttingen 72 Kolleginnen und Kollegen verletzt, 19 davon so schwer, dass sie an 209 Tagen ihren Dienst fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern nicht versehen konnten. DarĂŒber hinaus wurden in 41 FĂ€llen SanitĂ€ter und Feuerwehrleute Opfer von Angriffen. Wir werden weiterhin alles daransetzen, unsere Kolleginnen und Kollegen vor derartigen Übergriffen zu schĂŒtzen. Dieses sozialschĂ€dliche Verhalten ist völlig inakzeptabel und muss auch zukĂŒnftig gesamtgesellschaftlich verurteilt und strafrechtlich konsequent verfolgt werden."

Gewaltdelikte

Im Berichtsjahr 2023 wurden in der PI Göttingen 794 (2022:778, 2021:633, 2020:706) Gewaltdelikte verzeichnet. "GewaltkriminalitĂ€t" umfasst u. a. die Deliktsbereiche: Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff im besonders schweren Fall einschl. mit Todesfolge, Raub, rĂ€uberische Erpressung und rĂ€uberischer Angriff auf Kraftfahrer, Körperverletzung mit Todesfolge, GefĂ€hrliche und schwere Körperverletzung.

Darunter fallen somit neben den bereits dargestellten vorsÀtzlichen Tötungsdelikten, u. a. 725 gefÀhrliche und schwere Körperverletzungen (2022: 717), 44 Vergewaltigungen (2022: 54) und 169 Raubdelikte (2022:148)

Bei den Gewaltdelikten handelt es sich mit 66 % der TatverdĂ€chtigen um ein mĂ€nnlich dominiertes PhĂ€nomen. Rund 60 % der Beschuldigten sind ĂŒber 21 Jahre alt.

Behördenleiterin Tanja Wulff-Bruhn:

"Die Zahlen zeigen leider, dass der besorgniserregende Trend, Gewalt als legitimes Mittel der Auseinandersetzung anzusehen, ungebrochen ist. Dem stellen sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei entschieden entgegen. Gewalt in jedweder Form wird nicht toleriert, sondern konsequent verfolgt und bestraft. Zudem werden wir die PrĂ€senz der Polizei in der Öffentlichkeit nicht zurĂŒckfahren, um den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern weiterhin ein hohes Maß an Sicherheit zu gewĂ€hrleisten."

Kinder- und JugendkriminalitÀt

Im Jahr 2023 ist die Gesamtzahl der bekannt gewordenen Straftaten auf 1.393 FĂ€lle angestiegen, was einem Zuwachs von 9,9 % gegenĂŒber den 1.267 FĂ€llen im Jahr 2022 entspricht. Bei den tatverdĂ€chtigen Kindern konnte eine leichte positive Entwicklung von -1,3 % verzeichnet werden, mit einem RĂŒckgang von 291 FĂ€llen im Jahr 2022 auf 287 FĂ€lle im Jahr 2023. Bei den Jugendlichen hingegen setzt sich der Anstieg der TatverdĂ€chtigenzahlen, wenn auch in abgeschwĂ€chter Form, mit einem Zuwachs von 13 % (2023: 1.106, 2022: 976, 2021: 777) weiter fort.

Die wĂ€hrend der Jahre 2020 und 2021 geltenden KontaktbeschrĂ€nkungen, die Schließung des Einzelhandels und das Fehlen von Freizeitangeboten hatten zunĂ€chst zu einem RĂŒckgang bei Körperverletzungs- und Diebstahlsdelikten gefĂŒhrt. Mit dem spĂ€teren vollstĂ€ndigen Wegfall dieser Maßnahmen stiegen die Straftaten in diesen Bereichen jedoch wieder deutlich an und erreichten teilweise das Niveau vor der Pandemie. Dies spiegelt sich insbesondere in den gestiegenen Zahlen der Diebstahlsdelikte bei Jugendlichen wider (2023: 318 Taten, 2022: 273, 2021: 163). Erfreulicherweise zeigt sich ein RĂŒckgang der einfachen DiebstĂ€hle bei den tatverdĂ€chtigen Kindern (2023: 97, 2022: 158, 2021: 77).

Die registrierten Zahlen der Roheitsdelikte (Kinder: 2023: 83; 2022: 81) (Jugendliche: 2023: 223; 2022: 247) (umfasst alle Raub, Körperverletzungsdelikte sowie Bedrohung, Nötigung etc.) stagnieren auf dem Vorjahresniveau bzw. lassen im Bereich der Jugendlichen sogar einen erfreulichen AbwÀrtstrend erkennen.

"Dennoch können uns diese Zahlen nicht in GĂ€nze erfreulich stimmen", so KD Tschirner. "Das es immer wieder zu Ă€ußerst gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen unter Kindern und Jugendlichen kommt, muss weiterhin ein alarmierendes Warnsignal sein. Hier kann die Polizei jedoch nicht den Erziehungsauftrag des Elternhauses kompensieren, um Konfliktlösungsmöglichkeiten außerhalb einer Gewaltspirale anzubieten. Hier ist bereits im frĂŒhkindlichen Alter, auch unter Zuhilfenahme aller PrĂ€ventionsangeboten, auf eine entsprechende Sozialisierung hinzuarbeiten."

PolizeiprÀsidentin Tanja Wulff-Bruhn:

"Der Trend einer sinkenden Hemmschwelle und einer höheren Gewaltbereitschaft ist erschreckenderweise schon bei den Kleinsten in unserer Gesellschaft zu erkennen. Ein Unterschied zwischen urbanen und lĂ€ndlichen Regionen in unserem ZustĂ€ndigkeitsbereich lĂ€sst sich nicht feststellen - beide sind gleichermaßen von diesem PhĂ€nomen betroffen, wenn auch in unterschiedlicher AusprĂ€gung. Generell stellen wir fest, dass jungen Menschen zunehmend die FĂ€higkeit abhandenkommt, Problemlösungsstrategien anzuwenden und sie stattdessen vermehrt auf die Anwendung von Gewalt setzen - und das ĂŒber die typischen GrenzĂŒberschreitungen von Heranwachsenden hinaus. Ob es sich dabei um einen Corona-Nachholeffekt oder um einen Trend handelt, muss nun genau beobachtet werde. Klar ist jedoch, dass PrĂ€ventions- und AufklĂ€rungsarbeit hier ansetzen muss - eine Aufgabe, die die Polizei jedoch allein nicht bewĂ€ltigen kann und die ein gesamtgesellschaftliches Engagement im Schulterschluss aller Beteiligten erfordert. Dennoch gilt: PrĂ€vention hat bei uns einen hohen Stellenwert, wir möchten Straftaten verhĂŒten und es gar nicht erst so weit kommen lassen. Wenn doch, werden wir die Taten aber auch konsequent verfolgen."

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