HZA-KI, Zoll

HZA-KI: Zoll und Staatsanwaltschaft gehen gegen schwere Form der Arbeitsausbeutung vor - Eine Person befreit, Beschuldigter festgenommen

20.03.2025 - 08:13:48

Kiel, NeumĂŒnster - Mit 76 Zöllnerinnen und Zöllnern der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) hat das Hauptzollamt Kiel gestern im Auftrag der Staatsanwaltschaft Kiel mehrere Wohn- und GeschĂ€ftsrĂ€ume, FirmengelĂ€nde sowie eine Baustelle schwerpunktmĂ€ĂŸig in NeumĂŒnster durchsucht.

Dabei wurde eine Person aus menschenunwĂŒrdigen Arbeitsbedingungen befreit und der Hauptbeschuldigte festgenommen. ZusĂ€tzlich wurde ein Vermögensarrest in Höhe von 60.000 Euro vollstreckt.

"Dem 52-jĂ€hrigen rumĂ€nische Staatsangehörigen wird vorgeworfen, mehrere Landsleute unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und sie anschließend in einer Fabrikhalle eingesperrt zu haben", so Robert DĂŒtsch, Leiter des Hauptzollamts Kiel.

Dabei sollen sie bis zu drei Monate lang zur Arbeit gezwungen worden sein.

Die Betroffenen wurden tĂ€glich zur ArbeitsstĂ€tte verbracht, wo sie unter stĂ€ndiger Überwachung arbeiten mussten. Nach oft 13-stĂŒndigen Arbeitstagen, ohne geregelte Pausen und mit minimaler Verpflegung, sollen sie wieder in ihre Unterkunft transportiert und eingesperrt worden sein.

"Die vorgefundenen, fĂŒr bis zu 10 Personen bereit gehaltenen, SchlafplĂ€tze waren in einem unzumutbaren, teils stark verschimmelten Zustand", so DĂŒtsch.

"Es handelt sich hier um eine besonders schwere Form der Arbeitsausbeutung. Der Beschuldigte soll körperliche Gewalt angewendet haben, um die Kontrolle ĂŒber die Betroffenen zu behalten. Keiner von ihnen spricht Deutsch, was ihre Isolation zusĂ€tzlich verstĂ€rkte", so DĂŒtsch weiter.

Der Fall kam ans Licht, nachdem einem der Betroffenen die Flucht gelang und er um Hilfe bitten konnte.

Ein Entgelt wurde ihnen nicht gezahlt, ebenso wurden weder Steuern noch Sozialabgaben entrichtet.

Die Ermittlungen zu den HintergrĂŒnden und möglichen weiteren Tatbeteiligten dauern an.

Die Kieler Zöllner*innen wurden von EinsatzkrĂ€ften der Landespolizei und des Technischen Hilfswerks (THW) unterstĂŒtzt.

Die kontrollierte Baustelle wurde aufgrund mehrerer festgestellter MÀngel durch die Arbeitsschutzbehörde zunÀchst stillgelegt.

Die Zöllnerinnen und Zöllner der FKS tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass Sozialversicherungs- und SteuerbeitrĂ€ge ordnungsgemĂ€ĂŸ gezahlt werden. Dadurch verhindern sie Wettbewerbsnachteile fĂŒr Unternehmen, die sich an die gesetzlichen Regeln halten. Gleichzeitig stellen sie sicher, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Krankheitsfall, bei Arbeitslosigkeit oder im Alter gut abgesichert sind. Zudem schĂŒtzen sie BeschĂ€ftigte vor ausbeuterischen Arbeitsbedingungen.

Es wird darauf hingewiesen, dass bis zu einer rechtskrÀftigen gerichtlichen Verurteilung die Beschuldigten als unschuldig gelten (Artikel 6 Abs. 2 der EuropÀischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten).

Zusatzinformation:

Vermögensarrest Ein Vermögensarrest ist die materielle Sicherung eines in einem Strafverfahren vermuteten Schadens, der auf einen richterlichen Beschluss hin vollzogen wird. Sinn und Zweck eines Vermögensarrests ist es, den Beschuldigten aus der Tat keinen Vermögensvorteil erwachsen zu lassen und GeschĂ€digte im Falle einer Verurteilung direkt aus dem Vermögensbestand des TĂ€ters zu entschĂ€digen. Der Vermögensarrest beschrĂ€nkt sich dabei nicht nur auf Bargeld, Girokonten oder Sparkonten, die "eingefroren" werden, sondern auf alle Vermögenswerte ĂŒber die der Beschuldigte verfĂŒgt, also auch Immobilien, Fahrzeuge und hochpreisige WertgegenstĂ€nde.

RĂŒckfragen bitte an:

Hauptzollamt Kiel
Gabriele Oder
Telefon: 0431-20083-1106
Mobil: 016091162783
E-Mail: [email protected]
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