LKA-NI: LKA Symposium: Die (unsichtbare) Macht der Organisierten KriminalitÀt
04.06.2026 - 09:55:00 | presseportal.de
Organisierte KriminalitĂ€t ist scheinbar unsichtbar - ihre Folgen aber deutlich spĂŒrbar: Sie schafft AbhĂ€ngigkeiten, unterwandert wirtschaftliche Strukturen und schwĂ€cht staatliche Institutionen. Ihre BekĂ€mpfung ist komplex und erfordert das entschlossene, koordinierte Handeln von Gesellschaft, Politik, Polizei und Justiz. Vor diesem Hintergrund hat das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen heute (04.06.2026) zum interdisziplinĂ€ren Symposium "Organisierte KriminalitĂ€t. Auswirkungen auf Rechtsstaatlichkeit, demokratische Strukturen und gesellschaftliche Sicherheit" nach Hannover eingeladen. Bei dem von der Kriminologischen Forschungsstelle organisierte Symposium diskutierten rund 200 Expert:innen aus Sicherheitsbehörden, Wissenschaft, Justiz, Politik und weiteren Fachbereichen aktuelle Entwicklungen, niedersĂ€chsische bzw. regionale Besonderheiten und wirksame AnsĂ€tze zur BekĂ€mpfung Organisierter KriminalitĂ€t.
Daniela Behrens, NiedersĂ€chsische Ministerin fĂŒr Inneres, Sport und Digitalisierung, sagte in ihrem GruĂwort: "Der Rechtsstaat muss dort antworten, wo er herausgefordert wird. Organisierte KriminalitĂ€t greift nicht nur Einzelne an - sie untergrĂ€bt das Vertrauen in unsere Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die konsequente BekĂ€mpfung dieser Strukturen ist deshalb keine rein polizeiliche Aufgabe, sondern eine gesamtgesellschaftliche und politische Verantwortung, der wir uns in Niedersachsen stellen."
Niedersachsen steht in diesem KriminalitĂ€tsbereich vor besonderen Herausforderungen: Die geografische Lage mit bedeutenden, teils internationalen Logistikrouten zu Wasser, auf den StraĂen oder in der Luft, die vielen Grenzen zu anderen BundeslĂ€ndern sowie die NĂ€he zu den zu den Niederlanden macht Niedersachsen fĂŒr kriminelle Netzwerke attraktiv. Die niedersĂ€chsische Lage wird vor allem durch internationalen Rauschgifthandel, verbunden mit Gewaltstraftaten und Korruption geprĂ€gt.
Kriminelle Netzwerke nutzen vor allen legale Wirtschafts- und Transportstrukturen, um illegale GeschĂ€fte zu verschleiern und Gewinne in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Niedersachsen beteiligt sich deshalb auf unterschiedlichsten Ebenen an Projekten und Kooperationen, um der Organisierten KriminalitĂ€t entgegen zu wirken. Ziel ist es, Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und weitere Akteure noch enger zu vernetzen und Risiken in sensiblen Infrastrukturen frĂŒhzeitig zu erkennen.
Thorsten Massinger, PrĂ€sident des LKA Niedersachsen, betonte in seiner Eröffnungsrede: "Organisierte KriminalitĂ€t agiert heute wie ein professioneller Dienstleister - arbeitsteilig, international vernetzt und schleichend in unsere Wirtschaft eingebettet. Wir begegnen ihr mit spezialisierten Ermittlungseinheiten, enger internationaler Kooperation und der konsequenten Abschöpfung krimineller Gewinne. Niedersachsen ist kein sicherer RĂŒckzugsraum fĂŒr kriminelle Netzwerke."
Einen internationalen Blick auf Strukturen und Wirkmechanismen Organisierter KriminalitÀt eröffnete Sanne de Boer, Autorin und Journalistin, mit ihrer Keynote "The 'Ndrangheta in Europe - How Organised Crime Challenges the Rule of Law". Am Beispiel der 'Ndrangheta zeigte sie auf, wie transnational agierende kriminelle Organisationen langfristig Einfluss auf wirtschaftliche Systeme, demokratische Institutionen und rechtsstaatliche Strukturen nehmen können. Damit machte sie deutlich, dass Organisierte KriminalitÀt nicht an Landes- oder Staatsgrenzen endet, sondern europaweit vernetzt denkt und handelt.
Daran anschlieĂend ordnete Prof. Dr. Arndt Sinn von der UniversitĂ€t OsnabrĂŒck Organisierter KriminalitĂ€t in seiner Keynote "Organisierte KriminalitĂ€t aus straf- und internationalrechtlicher Perspektive - Herausforderungen fĂŒr Rechtsstaat und Demokratie" juristisch ein. Im Mittelpunkt standen rechtliche Rahmenbedingungen, Grenzen staatlichen Handelns sowie Herausforderungen fĂŒr Strafverfolgung und internationale Zusammenarbeit. Die rechtswissenschaftliche Perspektive ergĂ€nzte die internationale Analyse um die Frage, wie Staat, Polizei und Justiz wirksam auf komplexe und grenzĂŒberschreitende KriminalitĂ€tsstrukturen reagieren können.
In einem vom Kriminaloberkommissarin Saskia Reupke (LKA) moderierten Fachdialog wurden dann operative Erfahrungen aus konkreten Ermittlungsverfahren mit ĂŒbergeordneten ProjektansĂ€tzen zur Logistiksicherheit verknĂŒpft. Der Fokus lag dabei nicht auf einem weiteren Lagebericht, sondern auf einer strukturierten Reflexion: Welche operativen und organisatorischen Faktoren tragen zum Erfolg von Ermittlungen bei? Welche Formen behördenĂŒbergreifender und internationaler Zusammenarbeit haben sich bewĂ€hrt? Wo zeigen sich Reibungsverluste oder strukturelle Grenzen? Ziel war es, aus Verfahren und Projekten ĂŒbertragbare Erkenntnisse abzuleiten, Wissen nachhaltig zu sichern und Synergien fĂŒr kĂŒnftige Ermittlungs- und PrĂ€ventionsansĂ€tze nutzbar zu machen. Dabei wurden auch deliktsĂŒbergreifende Muster und Unterschiede betrachtet, etwa mit Blick auf Drogen-, Menschen- oder Waffenhandel.
Das Symposium machte deutlich: Die BekĂ€mpfung Organisierter KriminalitĂ€t erfordert neben konsequenter Strafverfolgung auch verlĂ€ssliche Kooperation, belastbare Strukturen und einen kontinuierlichen Wissenstransfer zwischen Behörden, Wissenschaft, Justiz, Wirtschaft und Politik. FĂŒr Niedersachsen steht dabei im Mittelpunkt, regionale Besonderheiten frĂŒhzeitig zu erkennen, internationale Verflechtungen mitzudenken und erfolgreiche Ermittlungs- und ProjektansĂ€tze dauerhaft nutzbar zu machen.
Thorsten Massinger: "Der heutige Tag hat gezeigt: Organisierte KriminalitĂ€t lĂ€sst sich nur wirksam bekĂ€mpfen, wenn wir Perspektiven zusammenfĂŒhren und ĂŒber ZustĂ€ndigkeitsgrenzen hinweg denken. Dieses Symposium ist ein wichtiger Schritt, um Organisierte KriminalitĂ€t nicht nur aus polizeilicher Sicht, sondern in ihrer gesamten gesellschaftlichen Dimension zu betrachten. Der interdisziplinĂ€re Austausch zwischen Sicherheitsbehörden, Wissenschaft, Justiz, Wirtschaft und Politik ist entscheidend, um Strukturen besser zu verstehen, Wissen zu bĂŒndeln und gemeinsam wirksame Antworten auf diese Form der KriminalitĂ€t zu entwickeln."
Hintergrund Organisierte KriminalitÀt
Organisierte KriminalitĂ€t (OK) bezeichnet im polizeilichen und justiziellen VerstĂ€ndnis die arbeitsteilige Begehung von Straftaten von erheblicher Bedeutung, die auf Dauer angelegt ist und hĂ€ufig geschĂ€ftsĂ€hnliche Strukturen nutzt. Sie zeichnet sich durch professionelle Planung, klare Rollenverteilung, Abschottung und das Ziel aus, dauerhaft Gewinne oder Einfluss zu erzielen. Aktuelle Erkenntnisse des LKA Niedersachsen zeigen zudem, dass OK-Netzwerke zunehmend service- und plattformbasiert agieren, legale Wirtschaftsstrukturen ausnutzen und internationale Handels- und Logistikwege gezielt fĂŒr ihre kriminellen AktivitĂ€ten ausbauen. Dadurch bleibt Organisierte KriminalitĂ€t hĂ€ufig schwer erkennbar, kann aber erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftliche Sicherheit entfalten.
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