Mittelhessen: MITTELHESSEN: WofĂŒr steht eigentlich dieses rote X?
19.03.2026 - 14:05:00 | presseportal.deEs ist eine Situation, die hĂ€ufig auf Autobahnen festzustellen ist. Ein Fahrstreifen wird, zum Beispiel wegen Bauarbeiten oder einem Unfall, gesperrt und die Sperrung frĂŒhzeitig ĂŒber die elektronischen Warntafeln oberhalb der jeweiligen Fahrstreifen angezeigt. Um Gefahren zu reduzieren und den Verkehr zu lenken und möglichst gut flieĂen zu lassen, wird zunĂ€chst mit einem gelben SchrĂ€gpfeil angezeigt, dass die Spur zu wechseln ist. SchlieĂlich erscheinen auf folgenden Tafeln die roten gekreuzten SchrĂ€gbalken, das rote "X", die anzeigen, dass dieser Fahrstreifen gesperrt ist. Gelegentlich ist die Baustelle oder die Unfallstelle an diesem Punkt jedoch noch nicht zu sehen. Weshalb also sich schon frĂŒhzeitig einordnen, wenn der Streifen ja noch befahren werden und man selbst an der sich bildenden Fahrzeugschlange vorbei noch "ein paar PlĂ€tze gut machen" kann? Die Antwort auf diese Frage ist manchen entweder nicht bewusst oder im schlimmsten Fall egal. Diese Art der Verkehrslenkung dient, wie der Name schon sagt, dazu, den Verkehr zu lenken und damit möglichst am FlieĂen zu halten. AuĂerdem sollen Gefahren, beispielsweise durch temporĂ€re GeschwindigkeitsbeschrĂ€nkungen oder Hinweise auf Ă€uĂere NatureinflĂŒsse wie Regen, Nebel oder GlĂ€tte, reduziert werden. Sie wird, je nach Ărtlichkeit und Anlass der Sperrung, nicht immer zur vollstĂ€ndigen Verhinderung von Staus beitragen können. Dennoch haben die jeweiligen Anzeigen auf den elektronischen Tafeln einen Sinn und einen Grund. Zudem schafft man durch eine wie oben beschriebene Fahrstreifensperrung bei UnfĂ€llen Raum fĂŒr RettungskrĂ€fte und Bergungsfahrzeuge. Staut es sich irgendwann auf dem eigentlich durch das rote "X" gesperrten Fahrstreifen von der Unfallstelle oder Baustelle zurĂŒck, bleibt kein Platz mehr fĂŒr den Rettungsdienst, die Feuerwehr oder das Abschleppfahrzeug. Das hat zur Folge, dass sich die Versorgung von Verletzten und nebenbei auch die Auflösung der Unfallstelle, deutlich verzögern. Aus dem vermeintlich eigenen Vorteil, den man sich verschaffen möchte, in dem man sich nicht weiter hinten frĂŒhzeitig in den anderen Fahrstreifen einreiht, wird so ein Nachteil fĂŒr alle, die entweder Hilfe benötigen oder davon beeintrĂ€chtigt werden, dass die Unfallstelle nicht gerĂ€umt werden kann. Des Weiteren stellt die Nutzung des gesperrten Fahrstreifens eine Ordnungswidrigkeit dar. FĂŒhrt die Nutzung des gesperrten Fahrstreifens auch noch zur Behinderung von EinsatzkrĂ€ften, droht sogar ein einmonatiges Fahrverbot.
Mögliche Folgen der Nichtbeachtung von gesperrten Fahrstreifen verdeutlicht ein Vorfall vom vergangenen Dienstag (17.03.2026) auf der A 5 bei Friedberg. Gegen 11:20 Uhr war ein 18-jĂ€hriger aus dem Landkreis Celle mit seinem Dacia Logan auf dem linken Fahrstreifen der A 5 aus Richtung Frankfurt kommend in Fahrtrichtung Kassel unterwegs. Aufgrund von Arbeiten der Autobahnmeisterei auf der Fahrbahn, zeigten die Wechselverkehrszeichen zunĂ€chst einen gelben SchrĂ€gpfeil an, der den Spurwechsel empfiehlt. Im Anschluss erfolgte die vollstĂ€ndige Sperrung des linken Fahrstreifens durch rote gekreuzte SchrĂ€gbalken, also ein rotes "X". Der Dacia-Fahrer fuhr jedoch so lange auf dem linken Fahrstreifen weiter, bis er zu einem SperranhĂ€nger der Autobahnmeisterei samt Zugfahrzeug kam. Beim Versuch, dem SperranhĂ€nger auszuweichen und noch auf die mittlere Spur zu wechseln, kollidierte er dort zunĂ€chst mit dem Mercedes Vito eines 42-jĂ€hrigen Mannes aus Biedenkopf. Durch diese Kollision prallte der Dacia gegen das Zugfahrzeug des SperranhĂ€ngers. Der 18-jĂ€hrige Fahrer sowie sein 15-jĂ€hriger Beifahrer mussten leicht verletzt in KrankenhĂ€user gebracht werden. Der Fahrer des Mercedes sowie Arbeiter der Autobahnmeisterei wurden nicht verletzt. Diese befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls nicht in der NĂ€he des SperranhĂ€ngers und des Zugfahrzeugs. Am Dacia entstand Totalschaden. Der Gesamtsachschaden wird auf 9.000 EUR geschĂ€tzt. FĂŒr anderthalb Stunden bildete sich ein fast acht Kilometer langer RĂŒckstau.
Bereits bei der Anfahrt zur Unfallstelle musste die Streife der Autobahnpolizei feststellen, dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer die Zeichen der Verkehrsbeeinflussungsanlage ignorierten und weiter auf dem gesperrten linken Fahrstreifen fuhren. Sowohl die Streife als auch ein Rettungswagen wurden dabei auf der Anfahrt zur Unfallstelle behindert. Die Autobahnpolizei registrierte insgesamt 72 Verkehrsteilnehmer, die das rote "X" ignorierten. Die jeweilige Ordnungswidrigkeit wurde durch die Beamten zur Anzeige gebracht. Gegen 28 Fahrer wird wegen des Verdachts der Behinderung von hilfeleistenden Personen ermittelt.
Tobias Schwarz, Pressesprecher
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