POL-AK, Ordnung

Ordnung und Vernichtung. Die Polizei im NS-Staat Ausstellung öffnet ihre Tore in der GedenkstÀtte Esterwegen

21.08.2024 - 08:10:52

Nienburg - GedenkstĂ€tte Esterwegen, LandespolizeiprĂ€sidium Niedersachsen und Polizeiakademie Niedersachsen setzten mit Ausstellung gemeinsames Zeichen der Demokratiearbeit. Die NiedersĂ€chsische LandtagsprĂ€sidentin Hanna Naber drĂŒckte mit Impulsvortrag ihre UnterstĂŒtzung aus. Als Ehrengast erschien Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg.

Am Dienstag, den 20. August 2024 wurde die Ausstellung "Ordnung und Vernichtung. Die Polizei im NS-Staat" in der GedenkstÀtte Esterwegen feierlich eröffnet. Die Ausstellung stellt einen grundlegenden Bestandteil des 2021 geschlossenen Kooperationsvertrages zwischen der Polizei Niedersachsen und der GedenkstÀtte Esterwegen dar. Die Zusammenarbeit mit der GedenkstÀtte ist zugleich ein bedeutender Baustein der vielfÀltigen Demokratiearbeit innerhalb der Polizei in Niedersachsen.

Die kostenfrei zugĂ€ngliche Ausstellung, die mehrere Jahre in der GedenkstĂ€tte zu sehen sein wird, zeigt den Weg einer reformfreudigen demokratischen Polizei in der Weimarer Republik hin zum Machtinstrument der Nationalsozialisten. Sie thematisiert die Rolle der Polizei als ausfĂŒhrendes Organ des nationalsozialistischen Terrors, ihre Beteiligung bei Verfolgungen und Deportationen, die Verbrechen von Polizeieinheiten wĂ€hrend des Krieges und die Nachkriegskarrieren ehemaliger NS-Polizisten. FĂŒr die PrĂ€sentation in der GedenkstĂ€tte wurde die Ausstellung um neue Teile ergĂ€nzt, die die vielfĂ€ltigen Verbindungen zwischen der Polizei und den Emslandlagern beleuchten.

Landrat Marc-AndrĂ© Burgdorf, Vorstandsvorsitzender der Stiftung GedenkstĂ€tte Esterwegen, und LandespolizeiprĂ€sident Axel Brockmann verdeutlichten in ihren BegrĂŒĂŸungsreden den hohen Stellenwert, den der Zusammenarbeit zwischen der GedenkstĂ€tte und der Polizei Niedersachsen beigemessen wird.

Burgdorf betonte: "Die wissenschaftlich fundierte und offene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte schĂ€rft den Blick der Polizei fĂŒr Herausforderungen der Gegenwart. Aus der engen Kooperation mit der GedenkstĂ€tte Esterwegen erwĂ€chst aber nicht nur ein Erkenntnisgewinn fĂŒr die Polizei, sondern auch fĂŒr die Arbeit und Forschung der GedenkstĂ€tte".

LandespolizeiprĂ€sident Brockmann unterstrich: "An die NS-Verbrechen der Polizei zu erinnern, ist eine Frage des Respekts gegenĂŒber den Opfern des Nationalsozialismus und ihren Angehörigen. An die NS-Verbrechen der Polizei zu erinnern, ist zugleich wesentlicher Teil unseres demokratischen SelbstverstĂ€ndnisses." Er bezeichnete GedenkstĂ€tten als unverzichtbare Partnerinnen: "Sie bieten (...) Raum und fachliche Begleitung, die Geschichte aufzuarbeiten und Lehren fĂŒr das eigene Handeln in Gegenwart und Zukunft zu ziehen."

Besondere Worte richteten Burgdorf und Brockmann an den anwesenden Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg. Weinberg wurde 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, spĂ€ter in die Konzentrationslager Mittelbau-Dora und Bergen- Belsen. Der fast hundertjĂ€hrige Weinberg setzt sich gegen das Vergessen ein, indem er unter anderen an Schulen jungen Menschen aus seinem Leben erzĂ€hlt. FĂŒr sein Engagement erhielt er 2017 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ebenfalls anwesend war Michael Kroes, dessen Vater Heinrich Kroes von 1935 bis 1936 als HĂ€ftling im Konzentrationslager Esterwegen lebte. LandespolizeiprĂ€sident Brockmann bedankte sich fĂŒr ihre Anwesenheit und die damit zum Ausdruck kommende UnterstĂŒtzung fĂŒr die Kooperation zwischen GedenkstĂ€tte und Polizei.

Als Ehrengast konnte die PrĂ€sidentin des NiedersĂ€chsischen Landtages, Frau Hanna Naber, gewonnen werden. Frau Naber bereicherte mit einfĂŒhlsamen Worten die Auftaktveranstaltung: "Es erfĂŒllt mich mit Stolz, auf unsere heutige niedersĂ€chsische Polizei zu blicken, die nicht nur hinter der Demokratie steht, sondern ihre Werte aktiv und wehrhaft vertritt. Die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte in der NS-Zeit ist hierbei ein wichtiger Schritt, um die Rolle der Polizei im demokratischen Rechtsstaat sensibel und selbstkritisch wahrzunehmen. Nur so kann die Polizei ihre anspruchsvolle Aufgabe, die Freiheits- und BĂŒrgerrechte zu schĂŒtzen und zum inneren sowie gesellschaftlichen Frieden beizutragen, in ihrem alltĂ€glichen Handeln bewĂ€ltigen."

Wie ambitioniert die Demokratiearbeit in der Polizei Niedersachsen ist, verdeutlichte der gemeinsame Beitrag von Dr. Dirk Götting, Leiter der Forschungsstelle fĂŒr Polizei- und Demokratiegeschichte an der Polizeiakademie Niedersachsen, und zwei Studierenden der Polizeiakademie, Alexandra Röhrig und Marcello Totzek. Dr. Götting skizzierte die Idee und die vielfĂ€ltigen AktivitĂ€ten der 2019 gegrĂŒndeten Initiative "Polizeischutz fĂŒr die Demokratie". Die Initiative ist innerhalb der Polizei Niedersachsen wesentliche Triebfeder der freiwilligen Demokratiearbeit und der damit verbundenen Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren. Die Studierenden Röhrig und Totzek wiederum zeigten auf, welch hohe Relevanz der Polizeigeschichte schon im Polizeistudium beigemessen wird. In einem emotionalen Erlebnisbericht schilderten sie die EindrĂŒcke, die sie auf Studienfahrten zur GedenkstĂ€tte Yad Vashem in Israel 2023 und an Orte polizeilicher NS-Verbrechen in Polen 2024 sammeln konnten.

Zahlreiche GĂ€ste aus Polizei, Zivilgesellschaft und Politik konnten zur Eröffnung begrĂŒĂŸt werden. Ein Ensemble des Polizeiorchesters Niedersachsen sorgte fĂŒr passende Begleitung der Ausstellungseröffnung. Zum Abschluss sang Polizeikommissar Marvin Schories das von Polizeihauptkommissar Thomas Eickhoff komponierte Lied "Mensch ist Mensch". Eickhoff und Schories engagieren sich ebenfalls in der Initiative "Polizeischutz fĂŒr die Demokratie". Das selbstkomponierte Lied verdeutlicht, welch vielfĂ€ltige Ausdrucksformen die freiwillige Demokratiearbeit in der niedersĂ€chsischen Polizei hat.

INFO ZUR AUSSTELLUNG IN ESTERWEGEN

Der Kern der Ausstellung wurde 2011 von der Deutschen Hochschule fĂŒr Polizei und dem Historischen Museum Berlin entwickelt. Das Polizeimuseum der Polizeiakademie Niedersachsen (heute Forschungsstelle fĂŒr Polizei- und Demokratiegeschichte) erweiterte sie 2012 um eine niedersĂ€chsische Perspektive. Im Ausstellungsort Esterwegen wird sie durch einen von der GedenkstĂ€tte erarbeiten Ausstellungsteil, der die Verbindungen zwischen der Polizei und den Konzentrations- und Strafgefangenenlagern im Emsland in der Zeit des Nationalsozialismus offenlegt, ergĂ€nzt. Polizisten waren bei der Verhaftung und Einweisung von Oppositionellen in den Emslandlagern zustĂ€ndig oder wurden zeitweise als Bewachung in den Lagern eingesetzt. Einige Polizisten waren auch selbst von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten betroffen und wurden beispielsweise im Strafgefangenenlager Esterwegen inhaftiert. Seit 2012 wanderte die Ausstellung "Ordnung und Vernichtung" durch Niedersachsen und hat jetzt eine dauerhafte Bleibe in der GedenkstĂ€tten Esterwegen gefunden. Es werden spezielle FĂŒhrungen und Vermittlungsformate fĂŒr Schulklassen und andere Gruppen angeboten. Die Ausstellung ist fĂŒr die Öffentlichkeit ab dem 21. August 2024 zugĂ€nglich. Der Eintritt ist frei.

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