Rund 26.000 Verfahren wegen gefÀlschter ImpfpÀsse
29.07.2023 - 07:04:28Das ergaben Anfragen der "Welt am Sonntag" an die BundeslÀnder. Das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen hat von April 2021 bis November 2022 in einer Sonderauswertung Fallzahlen zu gefÀlschten ImpfpÀssen erhoben.
In diesem Zeitraum wurden demnach 6.425 Straftaten erfasst. Zudem stellte die Polizei 2.113 gefĂ€lschte Dokumente sicher. In Bayern wurden bis Mitte dieses Jahres mehr als 6.300 VorgĂ€nge erfasst. Laut LKA Berlin wurden seit dem 1. Januar 2021 insgesamt 2.340 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit gefĂ€lschten Impfausweisen gefĂŒhrt. Zudem fanden 110 Hausdurchsuchungen statt. FĂŒr das Jahr 2022 meldet Baden-WĂŒrttemberg 1.893 erfasste FĂ€lle von ImpfpassfĂ€lschungen, Schleswig-Holstein zĂ€hlt seit 2021 "in etwa" 1.800, Rheinland-Pfalz landesweit 1.919, Niedersachsen "rund" 1.500, Hessen 754, Brandenburg 805, ThĂŒringen 688, Sachsen 599, Bremen 270, Hamburg 131, Mecklenburg-Vorpommern 100 und Sachsen-Anhalt 75. Das Innenministerium des Saarlands nannte keine Zahlen zu erfassten Straftaten, teilte auf Anfrage aber mit, dass es 250 Beschuldigte im Zusammenhang mit ImpfpassfĂ€lschungen gebe. Laut dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, arbeiten die Ermittler im Bereich der Betrugsstraftaten am absoluten Limit. WĂ€hrend der Pandemie habe der Onlinebetrug stark zugenommen. "ZusĂ€tzlich mussten und mĂŒssen FĂ€lle gefĂ€lschter Impfausweise abgearbeitet werden", sagte Kopelke der "Welt am Sonntag". DafĂŒr sei Personal aus der sogenannten Regelorganisation herausgenommen worden. Dass dieses dann bei der Ermittlung anderer Straftaten fehle, liege klar auf der Hand. "Der RĂŒckstau an zu bearbeitenden Sachverhalten ist daher immens", erklĂ€rte der Gewerkschafter. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Tino Sorge (CDU), ist gegen eine Amnestie fĂŒr ImpffĂ€lscher, auch wenn dies die Polizei entlasten wĂŒrde. "Wer ein wichtiges medizinisches Dokument fĂ€lscht, handelt kriminell. Zumindest in FĂ€llen, in denen in hoher Zahl und im Weiterverkauf ImpfpĂ€sse gefĂ€lscht wurden, wĂ€re eine pauschale Amnestie ein sehr fragwĂŒrdiges Signal", sagte er der "Welt am Sonntag". Die aus Sorges Sicht teilweise ĂŒbertriebenen Corona-MaĂnahmen wĂŒrden jedoch zurecht hinterfragt werden. Dem mĂŒsse rĂŒckblickend auch in den laufenden Strafverfahren Rechnung getragen werden. "Verfahren jetzt zu beenden wĂ€re eine Ungleichbehandlung gegenĂŒber jenen Personen, die bislang sanktioniert wurden", so Sorge weiter. Angemessen wĂ€re seiner Ansicht nach jedoch ein deutlich erweiterter Ermessensspielraum fĂŒr die Behörden bei den aktuell noch laufenden Verfahren. Wichtig sei auch eine Differenzierung zwischen weniger schweren EinzelfĂ€llen und Konstellationen, in denen PĂ€sse zum Verkauf oder in hoher Zahl gefĂ€lscht wurden. Ăhnlich argumentiert die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Kathrin Vogler. "Wir sprechen hier unter anderem von Leuten, die aus Profitgier gefĂ€lschte ImpfpĂ€sse verkauft haben, und Ărzten, die bewusst ImpfpĂ€sse fĂŒr Impfungen, die es nie gegeben hat, ausgestellt und möglicherweise gegenĂŒber den Krankenkassen abgerechnet haben", sagte sie der "Welt am Sonntag". Eine pauschale Amnestie wĂ€re ihrer Ansicht nach der falsche Weg.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


