ZPD: SmartHome-Forensics-Projekt: Wie könnten smarte HaushaltsgerÀte zur AufklÀrung von Verbrechen beitragen?
02.12.2024 - 15:17:40Im SmartHome-Forensics-Projekt arbeitet ein Team der Ostfalia Hochschule mit dem Innovation-Hub der Polizei Niedersachsen zusammen.
Staubsaugerroboter, intelligente Heizungsventile oder Lampen mit eingebautem Bewegungsmelder: Die Vielfalt und Anzahl von SmartHome-GerĂ€ten in deutschen Haushalten wĂ€chst kontinuierlich. Dabei nehmen all diese als praktische Helfer installierten GerĂ€te digitale Daten auf, speichern und verarbeiten sie. Diese dienen in der Regel der Funktion und Ăberwachung der GerĂ€te durch ihre Nutzenden. Im Rahmen des SmartHome-Forensics-Projekts stellen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ostfalia Hochschule fĂŒr angewandte Wissenschaften gemeinsam mit dem Innovation-Hub der Polizei Niedersachsen die Frage, ob diese Daten im Falle eines Verbrechens polizeiliche Ermittlungsarbeiten unterstĂŒtzen könnten. Das Land Niedersachsen und die EU fördern dieses zweijĂ€hrige Vorhaben mit knapp 400.000 Euro.
Die AnsĂ€tze der Forschenden sind vielfĂ€ltig: Daten aus einem WLAN-Router könnten Auskunft darĂŒber geben, wer zum Zeitpunkt eines Verbrechens eingeloggt und damit vor Ort gewesen ist. Aber auch die Auswertung von Bewegungsmeldern könnte Hinweise darauf geben, wie viele Personen gleichzeitig anwesend waren oder neuartige Strom- und WasserzĂ€hler verraten, welche AktivitĂ€ten in einem fraglichen Zeitraum stattgefunden haben.
Oskar Neda, Dezernatsleiter des Innovation Hubs Niedersachsen, verspricht sich davon wertvolle ErgĂ€nzungen fĂŒr die spĂ€tere Polizeiarbeit: "Denken Sie beispielsweise an ein Kapitalverbrechen: Wenn wir aus digitalen Daten der HaushaltsgerĂ€te Hinweise bekommen, wie viele Personen zur fraglichen Zeit am Ort des Verbrechens waren, kann das die Ermittlungen in die entscheidende Richtung lenken."
DarĂŒber hinaus können aber auch Informationen zum Tathergang erschlossen werden, berichtet Prof. Dr. Felix BĂŒsching, Projektleiter von Seiten der Ostfalia und Lehrender an der FakultĂ€t fĂŒr Elektrotechnik: "Wenn der Stromverbrauch plötzlich nachts ansteigt, ist das zumindest ein Hinweis auf irgendeine AktivitĂ€t zum betreffenden Zeitraum".
Prof. Dr. Thorsten Uelzen, ebenfalls Dozent an der Ostfalia Hochschule und Mitwirkender des SmartHome-Forensics-Projekts, ergĂ€nzt: "Allein durch die BetĂ€tigung von Lichtschaltern oder das Auslösen von Bewegungssensoren in SmartHome-Umgebungen könnte ein Tathergang in einem Haus zeitlich perfekt rekonstruiert werden." Er gibt aber auch zu bedenken: "Die Frage der Manipulation dieser Daten darf nicht auĂer Acht geraten."
Dabei spielen auch der Datenschutz und rechtliche Aspekte eine wesentliche Rolle. "Der Schutz der PrivatsphĂ€re ist ein hohes Gut, weshalb sich die Forschungsergebnisse fĂŒr den Ermittlungsalltag, ebenso wie die Auswertung der Daten, an den bereits vorhandenen Regelungen orientieren. So ist die Auswertung der SmartHome-GerĂ€te stets durch die Staatsanwaltschaft zu beauftragen beziehungsweise richterlich anzuordnen", erlĂ€utert Kathleen Arnhold, VizeprĂ€sidentin der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen.
Felix BĂŒsching betont auĂerdem: "Ziel des Projekts ist nicht, dass in den Haushalten zusĂ€tzliche ĂberwachungsgerĂ€te installiert werden, sondern dass im Fall der FĂ€lle auf ohnehin vorhandene Daten zurĂŒckgegriffen werden kann, wenn es der AufklĂ€rung eines Verbrechens dient." Diese Daten sind bei den Nutzenden oder in Online-Diensten vorhanden, da diese dem bei der Installation der smarten GerĂ€te bereits ex- oder implizit zugestimmt haben. Es ist auch Projektbestandteil, AnfĂ€lligkeiten fĂŒr Manipulationen oder Spionage eines smarten HaushaltsgerĂ€ts durch andere, möglicherweise böswillige Akteure, zu erkennen und Möglichkeiten zum Melden oder SchlieĂen der entdeckten LĂŒcken zu etablieren.
ZunÀchst beschÀftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Projekts aber damit, herauszufinden, welche smarten HaushaltsgerÀte Daten speichern, die spÀter interessante Zusatzinformationen liefern können - und wie diese GerÀte an einem Tatort ausfindig gemacht werden. Dazu wird jeweils eine Handlungsempfehlung an die Ermittlungsbeauftragten gestellt, ob es als effizienter erachtet wird, die jeweiligen GerÀte vom Tatort mitzunehmen oder vor Ort auszuwerten, damit möglichst wenig Daten, beispielsweise durch einen zwischenzeitlichen Stromverlust, verloren gehen.
Im Rahmen des Projekts werden aber auch konkrete Szenarien, die sich an der tatsĂ€chlichen Ermittlungsarbeit von Polizei, Kriminaltechnik und Forensik orientieren, entwickelt. Forschende und Studierende werden bei der Polizei hospitieren, um einen besseren Einblick in den Alltag, die BedĂŒrfnisse und Problemstellungen der realen Ermittlungstechnik zu erhalten sowie die Szenarien und Lösungen innerhalb des Projekts möglichst praxisnah und praxistauglich zu gestalten zu können.
Dabei ergibt sich eine Vielzahl von Auswertungsmöglichkeiten, die betrachtet und in Zusammenhang gestellt werden mĂŒssen. "Das ist natĂŒrlich eine Mammutaufgabe, die wir in zwei Jahren Projektlaufzeit sicher nicht vollumfĂ€nglich lösen können", so BĂŒsching weiter, "aber wir können anhand von Beispielen aufzeigen, wo die Reise hingehen kann."
Text: Nele Piltz, VolontÀrin
Ostfalia Hochschule fĂŒr angewandte Wissenschaften Hochschule Braunschweig/WolfenbĂŒttel
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