BundesÀrztekammer, Resilienzstrategie

BundesÀrztekammer fordert umfassende Resilienzstrategie

24.03.2025 - 19:38:04

Der PrÀsident der BundesÀrztekammer, Klaus Reinhardt, hat gefordert, das Gesundheitssystem auf einen möglichen Kriegsfall vorzubereiten.

"Das Gesundheitswesen in Deutschland braucht eine umfassende Resilienzstrategie, auch fĂŒr den BĂŒndnis- beziehungsweise Verteidigungsfall. Dieser wird unwahrscheinlicher, wenn potenzielle Angreifer wissen, dass wir auch in Hinblick auf die gesundheitliche Versorgung gut vorbereitet sind", sagte Reinhardt der "Welt". Dazu mĂŒssten Lieferketten "abgesichert und diversifiziert", die digitale Infrastruktur gestĂ€rkt und FachkrĂ€fte "nachhaltig" ausgebildet werden. "Wir mĂŒssen die Zusammenarbeit ziviler und militĂ€rischer Gesundheitseinrichtungen intensivieren, um im Verteidigungs- beziehungsweise BĂŒndnisfall eingespielt agieren zu können", fordert Reinhardt.

"Und nicht zuletzt mĂŒssen Bund, LĂ€nder und Kommunen ihre KrisenmanagementplĂ€ne aktuell halten und KrankenhĂ€user dabei unterstĂŒtzen, regelmĂ€ĂŸig NotfallĂŒbungen zu organisieren." Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sagte: "Das deutsche Gesundheitswesen ist, ebenso wie der Rest der Bundesrepublik, nicht auf einen Kriegsfall ausgerichtet. Es existieren zahlreiche Notfall- und KatastrophenplĂ€ne fĂŒr Zivilschutzmaßnahmen bei schweren UnfĂ€llen oder Naturkatastrophen. Ein tatsĂ€chlicher Krieg wĂ€re jedoch eine völlig andere Herausforderung." Es benötige eine "flexible Strategie zum Aufbau von einer Art von Personalpool als zivile Reserve, die wir im Krisenfall aktivieren können". Dringend erforderlich sei zudem eine "nationale Notfallreserve, die ĂŒber SchutzausrĂŒstung hinaus auch essenzielle Medikamente umfasst". Auch mĂŒsse ein Schutzkonzept fĂŒr KrankenhĂ€user vor militĂ€rischen Angriffen entwickelt werden. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) forderte: "Lange Diskussionen in Stuhlkreisen mĂŒssen der Vergangenheit angehören, wir mĂŒssen jetzt handeln." Die Menschen mĂŒssten darauf vertrauen können, dass der Staat in Krisenzeiten und auch unter "höchsten Beanspruchungen" sicher aufgestellt sei und handlungsfĂ€hig bleibe. "Wir mĂŒssen vor allem mutige Entscheidungen treffen - auch, worauf in Mangellagen verzichtet werden kann: von Berichtspflichten ĂŒber Standards und PrĂŒfungen bis hin zu Personalvorgaben. FĂŒr das Personal muss es einzig und allein um eines gehen: Leben retten." ThĂŒringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) sagte, sie sehe die grĂ¶ĂŸte Herausforderung darin, im Ernstfall "genĂŒgend medizinische FachkrĂ€fte vorzuhalten": "FĂŒr ThĂŒringen ist nicht in erster Linie die Zahl der verfĂŒgbaren Krankenhausbetten entscheidend, sondern dass diese Betten auch mit dem entsprechenden medizinischen und Pflege-Personal betrieben werden können. Und natĂŒrlich muss auch die Arzneimittelversorgung sichergestellt sein." Janosch Dahmen, Sprecher fĂŒr Gesundheitspolitik der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, warnte: "Man muss es so hart sagen: Unser Gesundheitssystem ist chronisch krank, anfĂ€llig - und ĂŒberwiegend nach ökonomischen, nicht sicherheitsstrategischen Kriterien organisiert." Und "Putins Großmachtfantasien" ließen keine Zweifel: "Dieser Krieg kann eher frĂŒher als spĂ€ter auch uns unmittelbar treffen." Daher brauche es ein "umfassendes Umdenken" in Form von verpflichtenden KrisenĂŒbungen und kriegschirurgischen Schulungen. Ebenfalls mĂŒsse ein "zentrales Institut fĂŒr Gesundheitssicherheit" gebildet werden, "das zivile und militĂ€rische Akteure vernetzt, ein Lagezentrum betreibt und AusbildungskapazitĂ€ten bĂŒndelt". Die kĂŒnftige Bundesregierung habe mit dem 500-Milliarden-Euro-"Sondervermögen" nun die Mittel dazu.

@ dts-nachrichtenagentur.de