Diakonie rÀt von Drohkulisse bei Sozialreform ab
27.08.2025 - 00:01:00"Merz sollte den Leuten keine Angst machen", so Schuch. "Mit dem Ziel des Bundeskanzlers sind wir absolut einverstanden. Ob die Herangehensweise die richtige ist, daran habe ich allerdings meine Zweifel", sagte Schuch. Er kritisierte zudem, dass die Regierung die WohlfahrtsverbĂ€nde nicht in ihre verschiedenen Kommissionen zur Reform der sozialen Sicherungssysteme berufen habe. "Wir sind diejenigen, die tĂ€glich vor Ort Sozialarbeit leisten und deshalb aus der Praxis berichten können, was funktioniert und was nicht", so der Diakonie-PrĂ€sident. "Stattdessen haben wir das GefĂŒhl, dass der Kanzler und seine Koalition einen eher paternalistischen, bevormundenden Ansatz bevorzugen, bei dem der Staat Reformen von oben verordnet." Zu den Spitzenvereinigungen der freien Wohlfahrtspflege zĂ€hlen neben der Diakonie mit ihren fast 630.000 Festangestellten unter anderem auch die Caritas und das Rote Kreuz. Zusammen genommen betreibt die Branche rund 105.000 soziale Einrichtungen in Deutschland, darunter etwa KrankenhĂ€user, KindergĂ€rten sowie Alten- und Pflegeheime. Mit einem jĂ€hrlichen Umsatz von mehr als 200 Milliarden Euro tragen die VerbĂ€nde gut fĂŒnf Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Leistung des Landes bei. Schuch plĂ€dierte dafĂŒr, insbesondere das bestehende Dickicht aus zahllosen, sich teilweise ĂŒberschneidenden Angeboten zu lichten und Sozialleistungen zu bĂŒndeln. "Dieses bĂŒrokratische Wirrwarr ist nĂ€mlich wahnsinnig teuer und fĂŒhrt zudem dazu, dass alle den Ăberblick verlieren. Ergebnis ist, dass Menschen Leistungen nicht nutzen, auf die sie eigentlich einen Anspruch haben. Das kann nicht im Ernst gewollt sein", sagte er. GrundsĂ€tzlich gelte: "Der Staat darf neben der Ă€uĂeren und der inneren Sicherheit die soziale Sicherheit nicht vergessen." Wenn die Menschen kein Vertrauen hĂ€tten, dass ihnen in der Not geholfen wird, "machen alle Reformen keinen Sinn", so der Verbandschef. Der Kanzler hatte am vergangenen Wochenende behauptet, der Sozialstaat sei in der bisherigen Form nicht mehr finanzierbar. Deshalb seien Reformen unumgĂ€nglich.


