Polizei, NRW

Polizei in NRW registriert mehr jugendliche TatverdÀchtige

09.01.2025 - 06:14:53

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen registriert eine wachsende Zahl von TatverdÀchtigen unter 21 Jahren.

Insgesamt 107.962 Kinder, Jugendliche und junge Heranwachsende stellte die Polizei 2023 als mutmaßliche TĂ€ter fest, ein Anstieg um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus dem Lagebild JugendkriminalitĂ€t der Polizei in NRW fĂŒr das Jahr 2023 hervorgeht, ĂŒber das die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben) berichten. Die Zahl der aufgeklĂ€rten Straftaten, die von TatverdĂ€chtigen unter 21 Jahren begangen wurden, ist demnach 2023 auf knapp 155.000 angestiegen. Im Jahr zuvor waren es noch gut 140.000 aufgeklĂ€rte FĂ€lle.

Im Zehnjahresvergleich zeigt sich allerdings, dass 2014 und 2015 mit ĂŒber 159.000 FĂ€llen die registrierten Fallzahlen der Polizei in Nordrhein-Westfalen schon einmal höher lagen. Die große Mehrheit der mutmaßlichen TĂ€ter sind junge MĂ€nner. Rund 32 Prozent der TatverdĂ€chtigen hatten keinen deutschen Pass. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte den Funke-Zeitungen: "Die Zahlen sorgen mich. Dass immer mehr junge Menschen auf die schiefe Bahn geraten, mĂŒssen wir sehr ernst nehmen." Es sei wichtig, kriminelle Karrieren zu beenden, bevor sie Fahrt aufnehmen. Reul hob hervor: "Mich besorgt, dass die TĂ€ter gewaltsamer werden. Wir haben es öfter mit Raub oder Diebstahl zu tun. Auch die Zahl der TĂ€ter, die mehrfach straffĂ€llig werden, ist gestiegen." Diebstahl ist noch immer das Delikt, das Polizisten am hĂ€ufigsten feststellen, wenn junge Menschen beteiligt sind. Zugleich geht aus dem Lagebild hervor, dass die Polizei 2023 insgesamt 3.461 Raubdelikte durch Menschen unter 21 Jahren aufklĂ€rte - ein Anstieg um 24,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Körperverletzungen fĂ€llt demnach auf, dass vor allem die Zahl der sehr jungen TĂ€ter in den vergangenen Jahren angestiegen ist. Laut dem Lagebild klĂ€rte die Polizei im Jahr 2021 noch 3026 FĂ€lle von Körperverletzung auf, bei denen die tatverdĂ€chtige Person ein Kind war. Im Jahr 2023 waren es bei aufgeklĂ€rten Körperverletzungsdelikten schon 5780 tatverdĂ€chtige Kinder. Insgesamt ĂŒber alle Deliktfelder gilt: Das TĂ€terklientel unter 14 Jahren hat bei den registrierten FĂ€llen am stĂ€rksten zugelegt (plus 7,4 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr). Polizeistatistiken erfassen nur die FĂ€lle, von denen Beamte auch erfahren. Eine Rolle bei wachsenden Fallzahlen können auch zunehmende Kontrollen durch die Polizei und steigende Anzeigebereitschaft bei der Bevölkerung spielen. Fachleute sehen die mögliche wachsende Gewalt unter jungen Menschen als eine Folge des Lockdowns und der Schulschließungen wĂ€hrend der Corona-Pandemie. Zudem weisen Experten darauf hin, dass FĂ€lle von Gewalt in der Gesellschaft sichtbarer wĂŒrden, etwa dadurch, dass Taten mit Handys gefilmt und ins Internet gestellt wĂŒrden. Auch wachsende Armut in Familien durch Inflation und Arbeitslosigkeit kann ein Faktor fĂŒr steigende KriminalitĂ€tszahlen bei Jugendlichen sein. Hinzu kommt: Das Bundeskriminalamt registrierte 2023 auch bei Erwachsenen einen Höchststand bei Gewaltdelikten. Die Sicherheitsbehörden stellen eine wachsende Zahl von Übergriffen etwa gegen RettungskrĂ€fte oder Kommunalpolitiker fest. Reul sagte: "Wenn wir ehrlich sind, ist die gestiegene JugendkriminalitĂ€t auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Das ist nicht nur ein Problem der Jugend, sondern ein Weckruf an uns alle. Wir mĂŒssen mehr aufeinander achten und zusammenhalten."

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