Straftaten, Zahl

Über 1.000 antisemitische Straftaten im ersten Quartal 2025

06.08.2025 - 13:44:07

Die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland ist anhaltend hoch.

Allein im ersten Quartal 2025 registrierte das Bundeskriminalamt (BKA) insgesamt 1.047 Straftaten, darunter 27 Gewalttaten und 422 FĂ€lle von Volksverhetzung, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, ĂŒber die die "Welt" berichtet. Die meisten FĂ€lle wurden dem PhĂ€nomenbereich "Politisch motivierter KriminalitĂ€t - rechts" zugeordnet: elf Gewalt- und 554 sonstige Straftaten. Insgesamt 267 Straftaten und sechs Gewaltdelikte wurden aus "auslĂ€ndischer Ideologie" der TatverdĂ€chtigen begangen, 145 Straftaten und fĂŒnf Gewalttaten aus "religiöser Ideologie".

Einer linken Motivation der mutmaßlichen TĂ€ter fallen demnach 15 Straftaten zu. 66 Taten und fĂŒnf Gewaltdelikte fallen unter "sonstige Zuordnung". Stichtag der Erhebung war laut Bundesinnenministerium der 30. Juni 2025. Die FĂ€lle zeigen ein breites Spektrum an Delikten, darunter SachbeschĂ€digung, Bedrohung, Beleidigung sowie mehrere FĂ€lle von Körperverletzung oder gar gefĂ€hrlicher Körperverletzung. In Berlin und Coburg soll es je einen Mordversuch gegeben haben. Hinzu kommen diverse FĂ€lle des Zeigens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wie das Hakenkreuz oder Kennzeichen der Hamas. Im Jahr 2024 registrierte das BKA insgesamt 6.560 judenfeindliche Straftaten, darunter 178 Gewalttaten, 1.438 Propagandadelikte und 3.128 Volksverhetzungen, wie aus der Antwort auf die Linke-Anfrage hervorgeht. Die BKA-Zahlen sind vorlĂ€ufig und wachsen in der Regel durch Nachmeldungen erheblich an. So listete das Bundesinnenministerium auf die Linke-Anfrage im Mai 2024 noch 793 Straftaten auf, Stand 30. Juni desselben Jahres war die Zahl auf 1.759 gestiegen. Die Linksfraktion fragt die Zahlen fĂŒr jedes Quartal seit 2008 an. Die anhaltend hohe Zahl judenfeindlicher Straftaten sei alarmierend, fĂŒr Juden, "aber kaum ĂŒberraschend", sagte Josef Schuster, PrĂ€sident des Zentralrats der Juden. Vielmehr machten sie das Ausmaß an Anfeindungen und Hass greifbar, das Juden tagtĂ€glich entgegenschlage. "Seit dem 7. Oktober 2023 beobachten wir eine dramatische Zuspitzung des Antisemitismus in Deutschland", so Schuster. "Neben den Straftaten aus dem rechtsextremen Spektrum - einem Milieu, das lĂ€ngst nicht mehr am Rand unserer Gesellschaft steht, sondern ĂŒber seinen parlamentarischen Arm salonfĂ€hig geworden ist -, nimmt der islamistisch motivierte Antisemitismus immer weiter zu", sagte Schuster mit Bezug auf die AfD und islamistische Gruppen. "Diese Radikalisierung darf nicht zur neuen NormalitĂ€t werden." Schuster forderte entschiedenes Handeln gegen den Judenhass. "Was wir jetzt brauchen, ist keine Betroffenheitsrhetorik, sondern einen Staat, der konsequent durchgreift und antisemitische Straftaten in allen Erscheinungsformen bekĂ€mpft", so der ZentralratsprĂ€sident. Die Linke erklĂ€rte Maßnahmen gegen Judenhass fĂŒr dringend notwendig. "Jede antisemitische Straftat ist eine zu viel, und es passiert viel zu wenig, um Antisemitismus wirksam zu bekĂ€mpfen", sagte BĂŒnger der "Welt". "Besonders wichtig wĂ€ren verlĂ€sslich finanzierte Bildungsinitiativen sowie Beratungsangebote fĂŒr Betroffene von antisemitischen Anfeindungen und Gewalttaten." Hierbei passiere zu wenig, die Zivilgesellschaft stehe als TrĂ€gerin jener Projekte und Angebote "stĂ€rker unter Druck als je zuvor". BĂŒnger forderte zudem einen anderen Umgang mit propalĂ€stinensischen Protesten. "Was der BekĂ€mpfung von Antisemitismus ĂŒberhaupt nicht hilft, ist, wenn legitime Proteste gegen israelische Kriegsverbrechen in Gaza als antisemitisch diffamiert oder gar kriminalisiert werden", so die Linke-Politikerin. "Ebenso schĂ€dlich ist es, wenn deutsche Politiker Antisemitismus als vermeintlich importiertes Problem bezeichnen, dem man mit einer noch hĂ€rteren Ausweisungspolitik und Abschiebungen begegnen könne. Das ist eine unertrĂ€gliche Verharmlosung des europĂ€ischen Antisemitismus, der eine lange Geschichte hat und besonders des Vernichtungsantisemitismus der Nazis."

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