VerdachtsfÀlle auf Behandlungsfehler weiter auf Rekordniveau
21.04.2025 - 00:00:00"Die Bandbreite der geschilderten VorfĂ€lle ist groĂ: Sie reicht von verwechselten Medikamenten, ĂŒber die Operation des falschen Körperteils bis hin zu TodesfĂ€llen aufgrund von Pflege- und Behandlungsfehlern", sagte Kassen-Chef Jens Baas dem RND. Die TK ist mit zwölf Millionen Versicherten Deutschlands gröĂte Krankenkasse. Mit 34 Prozent der FĂ€lle ist der Statistik zufolge die Chirurgie die Fachrichtung, bei der die Versicherten die meisten Fehler vermuteten. Mit Abstand folgt die Zahnmedizin/KieferorthopĂ€die mit einem Anteil von 18 Prozent. Auf diese beiden Fachrichtungen entfallen damit 52 Prozent der gemeldeten Behandlungsfehler. Es folgen Geburtshilfe/GynĂ€kologie (neun Prozent), Allgemeinmedizin (sieben Prozent) und die OrthopĂ€die (sechs Prozent). Der TK-Chef forderte eine Meldepflicht fĂŒr Behandlungsfehler von allen medizinischen Einrichtungen. Aktuell wĂŒrden Fehler nur erfasst, wenn Patienten sie selbst meldeten. "Dadurch bleiben viele Fehler unentdeckt und eine systematische Auswertung von Fehlerquellen und Verbesserungen ist unmöglich", kritisiert er. "Fehler werden bisher noch viel zu oft verschwiegen oder bagatellisiert, statt sie als Chance fĂŒr Verbesserungen zu nutzen", so der Kassen-Chef. "Wir brauchen eine offene Fehlerkultur, um die QualitĂ€t der medizinischen Versorgung zu verbessern", mahnte er. Baas kritisierte auĂerdem lange juristische Verfahren bei Behandlungsfehlern. "Leider nutzen Haftpflichtversicherungen immer wieder die wirtschaftlichen Nöte infolge der Behandlungsfehler aus, um fĂŒr sie gĂŒnstige Vergleiche mit den GeschĂ€digten zu schlieĂen", sagte er. So prozessiere die TK in ihrem Ă€ltesten Behandlungsfehlerfall bereits seit 2008 vor den Gerichten und ein Ende sei derzeit nicht absehbar. "Die betroffene Familie kĂ€mpft bereits seit 17 Jahren um ihr Recht", so der Kassenchef. Die Haftpflichtversicherungen setzten hier hĂ€ufig auf Zeit und hoffen darauf, dass die Behandlungsfehler-Opfer irgendwann aufgeben, beklagte er. "Es wird höchste Zeit, dass der Rechtsstaat die Interessen der Opfer stĂ€rker in den Blick nimmt und die Verfahren beschleunigt", forderte Baas.


