Starker, Anstieg

Starker Anstieg in NRW bei Verfahren wegen Hass im Netz

17.08.2024 - 09:40:25

Die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) in NRW verzeichnet immer mehr Anzeigen und neue Verfahren wegen politisch motivierter HasskriminalitÀt im Netz wie Beleidigungen, Bedrohungen, Aufrufen zu Straftaten oder Hetzreden.

Das berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf eine bislang unveröffentlichte Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion. Demnach gingen bei der Zentral- und Ansprechstelle im Jahr 2020 noch insgesamt 652 neue Verfahren ein. 2021 waren es 1.084 und 2022 insgesamt 562. Im Jahr 2023 schnellte die Zahl dann auf 2.005 hoch.

Im laufenden Jahr 2024 gab es bis zum 9. Juli 1.094 neue FĂ€lle. Dem gegenĂŒber stehen deutlich weniger erledigte VorgĂ€nge. So gab es 2023 der Statistik zufolge 107 Anklagen oder Strafbefehle und 55 rechtskrĂ€ftige gerichtliche Entscheidungen. In diesem Jahr gab es 77 Anklagen oder Strafbefehle und 52 rechtskrĂ€ftige Gerichtsentscheidungen. Ferner sind aktuell fĂŒr die Bearbeitung der VorgĂ€nge im gesamten Bereich der HasskriminalitĂ€t laut der Antwort der Landesregierung 2,8 "Arbeitskraftanteile" von StaatsanwĂ€lten vorgesehen. Der Sprecher der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime, Staatsanwalt Christoph Hebbecker, sagte der Zeitung zur sprunghaften Entwicklung seit 2023: "Der Anstieg - und der ist in der Tat ganz gewaltig - ist im Wesentlichen dem Umstand geschuldet, dass wir unheimlich viele Anzeigen von einzelnen politischen MandatstrĂ€gern bekommen." Immer mehr Politiker nĂ€hmen SchmĂ€hungen oder Bedrohungen nicht mehr hin. Die relativ geringe Zahl der abgeschlossenen FĂ€lle erklĂ€rt Hebbecker mit besonderen UmstĂ€nden: "Hier liegen nicht in großer Anzahl unerledigte Verfahren, in denen nichts passiert", sagte er. "In vielen FĂ€llen schaffen wir es einfach nicht, einen Beschuldigten zu identifizieren. Dann mĂŒssen wir das Verfahren einstellen. Wenn wir Beschuldigte identifizieren, bleiben die FĂ€lle nur bei uns, wenn die Person ihren Wohnsitz in NRW hat. Bei der Mehrzahl der Verfahren ist das aber nicht der Fall. Dann geben wir die FĂ€lle an die zustĂ€ndige Staatsanwaltschaft ab." Der rechtspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Werner Pfeil, warf Justizminister Benjamin Limbach (GrĂŒne) Versagen vor. "WĂ€hrend der NRW-Innenminister die Polizei fĂŒr den Kampf gegen Cybercrime massiv ausbaut, herrscht in der Justiz absoluter Stillstand", kritisierte er. "2,8 sogenannte `Arbeitskraftanteile` fĂŒr mehr als 2.000 FĂ€lle der Verfolgung von HasskriminalitĂ€t im Jahr 2023 ist viel zu wenig, auch hier fehlt Personal. Ohne konkrete PlĂ€ne und ausreichende Ressourcen wird die ZAC NRW im Chaos versinken und die Justiz zum Flaschenhals fĂŒr Ermittlungen. NRW braucht eine Regierung, die Cybercrime ernst nimmt - Limbach ist der falsche Mann fĂŒr diesen Job."

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