Gesundheit

Gesundheitsforscher fĂŒrchten neuen Alkopop-Boom

06.09.2025 - 00:01:00

Gesundheitsforscher schlagen Alarm wegen des wachsenden Erfolgs alkoholischer FertigmixgetrÀnke in Deutschland.

Wie die "SĂŒddeutsche Zeitung" (Samstagausgabe) berichtet, erinnert die Entwicklung Experten an den umstrittenen Alkopops-Boom der 2000er Jahre. Die Branche hat mit Spirituosen-MixgetrĂ€nken in den vergangenen zwölf Monaten bis Juli 2025 einen Umsatz von mehr als 715 Millionen Euro erzielt, zitiert das Blatt Daten des Marktforschungsinstituts Nielsen IQ. Der Umsatz sei demnach in nur zwei Jahren um 20 Prozent gestiegen (Umsatzzahlen: Juli 2022-Juni 2023: 595,2 Millionen Euro; Juli 2023-Juli 2024: 684,9 Millionen Euro; Juli 2024-Juni 2025: 715,5 Millionen Euro). "Das ist das gleiche Problem wie in den Nullerjahren", sagte Tobias Effertz, der an der UniversitĂ€t Hamburg zu den volkswirtschaftlichen Kosten des Alkoholkonsums forscht, der Zeitung. "Starke SĂŒĂŸe wird mit Alkohol kombiniert. Das macht es Jugendlichen leichter, das zu konsumieren. Die Situation ist sogar gefĂ€hrlicher geworden, der Alkoholgehalt ist jetzt höher." AuffĂ€llig sei, dass die neuen MixgetrĂ€nke stets einen Alkoholgehalt von zehn Prozent aufwiesen.

Effertz sieht darin eine LĂŒcke im Alkopopsteuergesetz von 2004. Die damalige rot-grĂŒne Bundesregierung hatte Alkopops mit einer Strafsteuer belegt, die bis zu einem Alkoholgehalt von zehn Prozent greift - exakt der Wert der neuen MischgetrĂ€nke, die damit nicht von der Strafsteuer betroffen sind. Der Forscher forderte eine Reform der Alkopopsteuer. "Man muss den Steuertarif gleitend gestalten: Die Steuer steigt, wenn mehr Alkohol enthalten ist", so Effertz. WĂŒrden die Deutschen weniger Alkohol trinken, könnten Milliarden im Gesundheitssystem eingespart werden. Das Bundesgesundheitsministerium wollte sich dem Bericht zufolge nicht konkret zu einer möglichen Reform Ă€ußern. Eine Sprecherin verwies lediglich auf AufklĂ€rungs- und Informationsarbeit als Instrument der AlkoholprĂ€vention. Marktforscher Andreas Heim von Nielsen IQ bezeichnete die Spirituosen-MischgetrĂ€nke als wachsende Kategorie der Alkoholindustrie. Die konsumfertigen Dosen sprĂ€chen "vor allem jĂŒngere Zielgruppen" an, sagte er der "SĂŒddeutschen Zeitung". Die Spirituosenbranche wies laut SZ Kritik zurĂŒck und verwies darauf, dass ihre Produkte gegenĂŒber Bier und Wein wegen der Alkoholsteuer (frĂŒher: Branntweinsteuer) bereits steuerlich im Nachteil seien.

@ dts-nachrichtenagentur.de