Zahl der Inobhutnahmen deutlich gesunken
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 08:19 Uhr | dts-nachrichtenagentur.deBereits 2024 hatte es einen RĂŒckgang der Inobhutnahmen um sieben Prozent oder 5.100 FĂ€lle gegeben. Damit ist die Fallzahl innerhalb von zwei Jahren um rund ein Viertel gesunken (-24 Prozent oder 17.700 FĂ€lle), nachdem sie zuvor drei Jahre in Folge auf knapp 74.600 SchutzmaĂnahmen im Jahr 2023 gestiegen war.
Hintergrund der seit den 2010er Jahren stark schwankenden Fallzahlen ist vor allem die Entwicklung unbegleitet eingereister MinderjĂ€hriger aus dem Ausland. Auch der aktuelle AbwĂ€rtstrend ist durch einen RĂŒckgang an vorlĂ€ufigen und regulĂ€ren Inobhutnahmen nach unbegleiteten Einreisen zu erklĂ€ren: Binnen eines Jahres hat sich ihre Zahl von rund 30.800 auf knapp 16.500 FĂ€lle nahezu halbiert (-47 Prozent). Gleichzeitig nahmen die Fallzahlen bei den Selbstmeldungen um rund 870 auf etwa 10.100 FĂ€lle (+9 Prozent) und bei den dringenden KindeswohlgefĂ€hrdungen um 850 auf gut 30.300 FĂ€lle (+3 Prozent) zu. Bei den Selbstmeldungen war dies der fĂŒnfte, bei den dringenden KindeswohlgefĂ€hrdungen der zweite Anstieg in Folge.
Gut jede zweite SchutzmaĂnahme (53 Prozent) wurde 2025 wegen einer dringenden KindeswohlgefĂ€hrdung durchgefĂŒhrt. In 29 Prozent der FĂ€lle war der Anlass eine unbegleitete Einreise und in 18 Prozent eine Selbstmeldung der MinderjĂ€hrigen beim Jugendamt. Die meisten Betroffenen waren bereits Jugendliche ab 14 Jahren, knapp zwei FĂŒnftel (38 Prozent) zĂ€hlten aber noch zu den Kindern unter 14 Jahren. Ein FĂŒnftel (20 Prozent) aller Betroffenen war von Zuhause ausgerissen, etwa ebenso viele (19 Prozent) wurden an einem jugendgefĂ€hrdenden Ort angetroffen. Zuvor lebten 59 Prozent der MinderjĂ€hrigen in einer Familie oder einem privaten Haushalt und 20 Prozent in einer Einrichtung. In den anderen FĂ€llen war der vorherige Aufenthalt unbekannt (14 Prozent) oder keine feste Unterkunft vorhanden (7 Prozent).
Die hĂ€ufigsten AnlĂ€sse fĂŒr eine SchutzmaĂnahme waren in 2025 (Mehrfachnennungen möglich): Ăberforderungen der Eltern (32 Prozent), unbegleitete Einreisen (29 Prozent), VernachlĂ€ssigungen (16 Prozent), körperliche Misshandlungen (15 Prozent) und psychische Misshandlungen (11 Prozent).
Trotz des allgemeinen RĂŒckgangs waren die Nennungen bei neun von insgesamt 13 möglichen AnlĂ€ssen gegenĂŒber dem Vorjahr gestiegen: Am höchsten war das Plus bei körperlichen und bei psychischen Misshandlungen (+1.114 und +941 Nennungen). Damit sind körperliche Misshandlungen das zweite, und psychische Misshandlungen das sechste Mal in Folge gestiegen. Besonders hoch war der Zuwachs in beiden FĂ€llen bei den MĂ€dchen (+745 und +750 Nennungen). Der MĂ€dchenanteil betrug in 2025 damit bei körperlichen Misshandlungen 65 Prozent und bei psychischen 62 Prozent. Zum Vergleich: Innerhalb der minderjĂ€hrigen Bevölkerung lag der MĂ€dchenanteil in 2025 bei knapp 49 Prozent.
In neun Prozent aller FĂ€lle wurde von den Sorge- oder Erziehungsberechtigten ein Widerspruch gegen die Inobhutnahme eingelegt, weil sie damit nicht einverstanden waren. Am höchsten war die Quote der WidersprĂŒche bei Verdacht auf VernachlĂ€ssigung (26 Prozent), psychischen Misshandlungen (25 Prozent), sexueller Gewalt (22 Prozent) und körperlichen Misshandlungen (19 Prozent). Eine hohe Widerspruchquote kann auf eine mangelnde Kooperationsbereitschaft der Sorge- oder Erziehungsberechtigten bei der Behebung der KindeswohlgefĂ€hrdung hindeuten. Geht das Jugendamt bei einem Widerspruch davon aus, dass die KindeswohlgefĂ€hrdung andauert, kann es das Familiengericht anrufen, damit es die erforderlichen MaĂnahmen zur Sicherung des Kindeswohls herbeifĂŒhrt. In 2025 haben die JugendĂ€mter diese Möglichkeit in 82 Prozent aller WiderspruchsfĂ€lle genutzt.
Im Anschluss an die SchutzmaĂnahme kehrte ein Viertel (25 Prozent) der Kinder und Jugendlichen an den vorherigen Aufenthaltsort zurĂŒck. Weitere 44 Prozent wurden nach der Inobhutnahme an einem neuen Ort untergebracht. In 14 Prozent der FĂ€lle beendeten die Betroffenen die Inobhutnahme selbst, etwa, indem sie aus der MaĂnahme ausrissen. In 8 Prozent der FĂ€lle wechselte die ZustĂ€ndigkeit und in weiteren 8 Prozent wurde die MaĂnahme auf andere Weise beendet. Diese Angaben zum MaĂnahmenende beziehen sich nur auf regulĂ€re Inobhutnahmen ohne vorlĂ€ufige Inobhutnahmen.
