Experten warnen vor Studienkrediten privater Anbieter
18.02.2025 - 06:54:08Einen GroĂteil der Vertragskonditionen hĂ€lt Tiffe fĂŒr "sittenwidrig". Zinsen seien ĂŒberhöht, Vertragslaufzeiten sehr lang. Auch Gerichte kamen bereits zu dem Urteil, es handele sich um ein "sittenwidriges, wucherĂ€hnliches GeschĂ€ft". Das Landgericht Aachen gab bereits 2016 einem Ex-Studenten recht: Dessen Kreditanbieter habe nicht ausreichend informiert, welche Zinsen insgesamt fĂ€llig wĂŒrden. Der Staat unterstĂŒtzt Studierende notfalls mit Bafög-Zahlungen oder einem Studienkredit der KfW. Doch die Zinsen bei der Förderbank waren zwischenzeitlich auf neun Prozent gestiegen, was das Angebot unattraktiv machte. Studierende suchen daher nach privaten Anbietern. Vor 2013 schlossen die beiden gröĂten Anbieter zusammen nur wenige Hundert VertrĂ€ge pro Jahr ab, im Jahr 2023 waren es rund 1.900 NeuvertrĂ€ge, schreibt das Magazin. "Weil staatliche Angebote zur Studienfinanzierung derzeit nicht angemessen und attraktiv gestaltet sind, greifen Studenten vermehrt auf private Bildungsfonds zurĂŒck", sagte Ulrich MĂŒller, Experte fĂŒr Studienkredite am Centrum fĂŒr Hochschulentwicklung (CHE). Eine Betroffene, ĂŒber die der "Spiegel" berichtet, griff vor einigen Jahren zu einem Studienkredit eines privaten Anbieters, um ihr Studium an der privaten Internationalen Hochschule in Bad Honnef zu finanzieren. Da die RĂŒckzahlungen auch an die Lohnhöhe gekoppelt seien, habe sie zuletzt 577 Euro monatlich an das Unternehmen zurĂŒckgezahlt, was 9,5 Prozent ihres Bruttolohns entspreche. Insgesamt habe der Kredit eine Laufzeit von zehn Jahren. In diesem Zeitraum mĂŒsse die Betroffene mehr als das Doppelte der Summe zurĂŒckzahlen, die sie aufgenommen habe. Das wĂŒrde einem jĂ€hrlichen Zins von knapp 13 Prozent jĂ€hrlich entsprechen. Bei der Internationalen Hochschule bedauert man es, dass die Konditionen fĂŒr die Studierenden "möglicherweise den zulĂ€ssigen Bereich ĂŒberschreiten und ihnen dadurch finanzielle Nachteile entstanden sind". Die Hochschule werde daher die Zusammenarbeit mit dem Anbieter einer umfassenden PrĂŒfung unterziehen, Finanzierungsmöglichkeiten des Anbieters wĂŒrden nicht mehr aktiv auf den Plattformen und KanĂ€len der Hochschule beworben. Das Unternehmen selbst verweist darauf, dass das OLG Stuttgart festgestellt habe, dass eine etwaige Sittenwidrigkeit nicht aus einem Vergleich mit marktĂŒblichen Zinsen abgeleitet werden könne. Studierende ohne laufendes Einkommen hĂ€tten einen herkömmlichen Konsumentenkredit womöglich gar nicht bekommen. Die Gesamtsumme der Abschlagszahlungen habe man in neueren VertrĂ€gen immer auf das Doppelte der Fördersumme gedeckelt, unter BerĂŒcksichtigung der Inflation, heiĂt es. In AltvertrĂ€gen habe man das "in der Praxis" auch so gehandhabt.


