Gewalt, KriminalitÀt

Notaufnahmen verzeichnen mehr Schwerverletzte durch Messergewalt

Veröffentlicht am: 30.11.2025 um 15:04 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

In Deutschland mĂŒssen immer mehr Menschen mit gewaltsam zugefĂŒgten Stichverletzungen in den Notaufnahmen behandelt werden.

Notfallaufnahme (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Notfallaufnahme (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Das geht aus dem Traumaregister der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Unfallchirurgie hervor, berichtet der "Spiegel". Eine Gruppe von Notfallmedizinern hat demnach erstmals aus dem Register jene FĂ€lle herausgefiltert, bei denen jemand absichtlich auf einen Menschen eingestochen hatte. Die Ergebnisse dieser Auswertung sollen demnĂ€chst in einer Fachzeitschrift erscheinen, doch die wichtigsten Erkenntnisse wurden auf einem Fachkongress gezeigt: In zehn Jahren wurden demnach 3.325 Stichverletzungen im Zusammenhang mit Gewalttaten gezĂ€hlt.

Die Zahl der Schwerverletzten nach gewaltsamen Stichverletzungen ist kontinuierlich gestiegen: von ungefĂ€hr 250 im Jahr 2019 auf ungefĂ€hr 375 im Jahr 2023, den jĂŒngsten verfĂŒgbaren Daten. Das ist ein Plus von 50 Prozent. Der Auswertung zufolge waren 86 Prozent der Opfer MĂ€nner und im Durchschnitt 31,3 Jahre alt. Nach der Einlieferung mussten rund 70 Prozent von ihnen als Notfall behandelt werden. Acht Prozent der Betroffenen waren so schwer verletzt, dass sie an ihren Stichverletzungen im Krankenhaus starben. "Es ist erschreckend zu sehen, dass Messer in Deutschland immer hĂ€ufiger als Waffe eingesetzt werden", sagte Andreas Seekamp, der seit zwanzig Jahren als leitender Unfallchirurg des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel arbeitet, dem "Spiegel". Die registrierten Messerangriffe werden nicht nur zahlreicher, die Mediziner halten sie auch fĂŒr brutaler. "Wir haben den Eindruck, dass gezielter vorgegangen wird", sagte Dietmar Pennig, GeneralsekretĂ€r der Deutschen Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie. "Wir sehen durchaus eine HĂ€ufung von Stichverletzungen am Hals oder am Brustkorb, also da, wo es besonders gefĂ€hrlich ist." Eine Ă€hnliche Entwicklung beobachten Mediziner der Notaufnahme des Virchow-Klinikums der Berliner CharitĂ© im Ortsteil Wedding. Seit Juli 2015 haben sie deutlich mehr gewaltsam zugefĂŒgte Messerstichverletzungen behandelt als vorher, wie die aktuellen Zahlen zeigen, ĂŒber die der "Spiegel" berichtet. Im Kalenderjahr 2016 waren es demzufolge 37 FĂ€lle, 2024 dagegen 106 FĂ€lle; 2025 kamen bis Ende Oktober 65 weitere Verletzte hinzu. Insgesamt waren im untersuchten Zeitraum 530 Menschen betroffen, etliche konnten nicht mehr gerettet werden. "Die ZustĂ€nde in unseren Notaufnahmen dĂŒrfen nicht zur Routine werden", sagte Ulrich Stöckle, der das Centrum fĂŒr Muskuloskeletale Chirurgie der CharitĂ© leitet, dem Nachrichtenmagazin.

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