Tödliche Infektionskrankheit breitet sich in Japan schneller aus
16.03.2024 - 18:54:30Der britische "Guardian" schrieb am Freitag von einer "Rekordgeschwindigkeit" der Ausbreitung, und dass die Behörden Schwierigkeiten hĂ€tten, die genaue Ursache zu ermitteln. Es seien "virulente und infektiöse StĂ€mme" in Japan bestĂ€tigt worden, und es werde erwartet, dass die Zahl der FĂ€lle im Jahr 2024 die Rekordzahlen des letzten Jahres ĂŒbersteigt. Am Samstag stieg in Deutschland die "Bild-Zeitung" unter der Ăberschrift "Tödliche Krankheit erfasst Japan" auf das Thema ein. Der "Guardian" zitierte in seinem Bericht Ken Kikuchi, Professor fĂŒr Infektionskrankheiten an der Tokyo Women`s Medical University: Er sei "sehr besorgt" ĂŒber einen dramatischen Anstieg der Zahl der Patienten mit schweren VerlĂ€ufen in diesem Jahr. Die weitgehende Aufgabe der Covid-19-BeschrĂ€nkungen sei dabei der wichtigste Faktor. Viele Japaner wĂŒrden auf grundlegende MaĂnahmen zur InfektionsprĂ€vention, wie beispielsweise die regelmĂ€Ăige HĂ€ndedesinfektion, verzichten. Laut vorlĂ€ufiger Zahlen der japanischen Gesundheitsbehörde NIID wurden im vergangenen Jahr 941 FĂ€lle von STSS gemeldet, in den ersten beiden Monaten des Jahres 2024 waren es bereits 378, die fast in allen PrĂ€fekturen Japans festgestellt wurden. WĂ€hrend Ă€ltere Menschen eigentlich als stĂ€rker gefĂ€hrdet gelten, fĂŒhrte der besonders gefĂ€hrliche Stamm der Gruppe A laut NIID aber zu mehr TodesfĂ€llen bei Patienten unter 50 Jahren. Von den 65 Menschen unter 50 Jahren, bei denen zwischen Juli und Dezember 2023 STSS diagnostiziert wurde, starben 21, und damit etwa ein Drittel, heiĂt es in einem japanischen Zeitungsbericht. Europa ist in kleinerem AusmaĂ auch schon lĂ€ngst betroffen: Die WHO hatte schon Ende 2022 ĂŒber einen Anstieg von schweren, teils tödlich verlaufenden Erkrankungen durch invasive Gruppe-A-Streptokokken-Infektionen in Frankreich, Irland, den Niederlanden, Schweden und GroĂbritannien berichtet. Hier betraf der Anstieg vor allem Kinder im Alter von 1 bis 10 Jahren. Die WHO schĂ€tzte das Risiko fĂŒr die Allgemeinbevölkerung damals aber insgesamt als niedrig ein. In Deutschland sind Gruppe-A-Streptokokken-Infektionen gemÀà Infektionsschutzgesetz noch nicht einmal meldepflichtig. Das RKI hat nach eigenen Angaben "nur begrenzt Daten zu Erkrankungen", geht aber ebenfalls davon aus, dass wĂ€hrend der Corona-Pandemie unter verstĂ€rkten InfektionsschutzmaĂnahmen durchgehend weniger Gruppe-A-Streptokokken-Nachweise und Infektionen auftraten als prĂ€pandemisch. Im 4. Quartal 2022 war bereits ein fĂŒr die Jahreszeit ungewöhnlich steiler Anstieg von Gruppe-A-Streptokokken aus Arztpraxen und KrankenhĂ€usern in Deutschland zu verzeichnen - und zwar in allen Altersgruppen. Ăberproportional hĂ€ufiger schwere VerlĂ€ufe wurden Stand Februar diesen Jahres vom RKI aber noch nicht beobachtet.


