PatientenschĂŒtzer, Hausarzt-System

PatientenschĂŒtzer warnen vor schwarz-rotem Hausarzt-System

01.04.2025 - 08:43:57

PatientenschĂŒtzer warnen vor PlĂ€nen der möglichen schwarz-roten Koalition, den Zugang zu FachĂ€rzten ĂŒber verpflichtende Überweisungen vom Hausarzt zu steuern.

"Es besteht die große Gefahr, dass die neue BĂŒrokratie den Betroffenen mehr schadet als nĂŒtzt", sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Mit der EinfĂŒhrung eines PrimĂ€rarztsystems mĂŒsse jede Hausarztpraxis zusĂ€tzlich 2.000 Patienten betreuen. Brysch sagte, schon heute gebe es Regionen, in denen PrimĂ€rpraxen keine Neupatienten mehr aufnehmen. Er warnte davor, dass am Ende "die Kranken fĂŒr ihre bedarfsgerechte Versorgung die Zeche privat zahlen mĂŒssten". In den Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD hatte die Arbeitsgruppe Gesundheit das System vorgeschlagen, um die Auslastung von FachĂ€rzten zu senken.

Wer eine Fachpraxis besuchen will, muss kĂŒnftig wieder ĂŒber den Hausarzt gehen und sich eine Überweisung holen. Der direkte Weg dagegen soll Geld kosten. FĂŒr PatientenschĂŒtzer Brysch ist das irrefĂŒhrend. "Die PlĂ€ne der zukĂŒnftigen Bundesregierung wecken falsche Hoffnungen", sagte er dem RND. Wenn Union und SPD Ausnahmen fĂŒr chronisch Kranke vorsehen, betreffe allein das 50 Prozent der Patienten. Auch fĂŒr Augenheilkunde und GynĂ€kologie wĂŒrde keine Überweisung nötig sein. "Wer also die ausgewĂ€hlte Gruppe ist, ist bisher nicht bekannt", warnte Brysch. Der Vorstandsvorsitzende der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, unterstĂŒtze zwar das Anliegen der Fachpolitiker. "GrundsĂ€tzlich ist es zu begrĂŒĂŸen, dass die Notwendigkeit einer Patientensteuerung in der Regelversorgung angedacht wird", sagte Gassen dem RND, schrĂ€nkte jedoch ein: "Es bleibt abzuwarten, was davon wirklich im Koalitionsvertrag landet, und - noch viel entscheidender - in welche konkreten Gesetzesformulierungen das Ganze am Ende gegossen wird.", sagte Gassen dem RND. Er bot Union und SPD UnterstĂŒtzung der KassenĂ€rzte bei der konkreten Ausgestaltung an. GrĂŒne und Linke begrĂŒĂŸen zwar eine StĂ€rkung der HausĂ€rzte, lehnen eine Regulierung ĂŒber GebĂŒhren fĂŒr Fachpraxen jedoch einhellig ab. "Eine Lotsenfunktion wĂ€re im Gesundheitswesen eine große Hilfe fĂŒr viele Patienten", sagte der Linken-Sprecher fĂŒr Krankenhaus- und Pflegepolitik, Ates GĂŒrpinar, dem RND. "Das PrimĂ€rarztsystem, ĂŒber das die Koalition diskutiert, soll jedoch in erster Linie als Einsparmodell funktionieren. Dadurch werden gesetzlich Versicherten Steine in den Weg gelegt, die sich von dieser Pflicht nicht freikaufen können." Das sei Schaufensterpolitik auf Kosten der finanziell SchwĂ€chsten. Der gesundheitspolitische Sprecher der GrĂŒnen, Janosch Dahmen, sagte dem RND: Eine stĂ€rkere Patientensteuerung ĂŒber Haus- und KinderĂ€rzte sei richtig - "aber Bezahlschranken sind der falsche Weg", so Dahmen. "Wer sich aus solidarischen Regeln freikaufen kann, gefĂ€hrdet nicht nur die Effizienz, QualitĂ€t und Gerechtigkeit im System, sondern auch die eigene Gesundheit." Studien zeigten, dass eine Koordination durch HausĂ€rzte Komplikationen senke und Krankenhauseinweisungen reduziere. Statt "zusĂ€tzliche BĂŒrokratie und soziale Schieflagen zu produzieren, sollte die nĂ€chste Koalition das bestehende Modell der hausarztzentrierten Versorgung flĂ€chendeckend ausbauen - mit klaren Anreizen wie RĂŒckzahlungen oder bevorzugter Terminvergabe".

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