Emotionales Finale der EisbÀren: «Tobi ist immer bei uns»
22.04.2025 - 11:09:28 | dpa.de Emotionen pur sind in einem Finalduell um die deutsche Eishockey-Meisterschaft normal, doch bei den EisbĂ€ren Berlin ist die GefĂŒhlswelt diesmal intensiver als je zuvor. Der tragische Verlust des beliebten Teamkollegen Tobias Eder, der Ende Januar an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben war, begleitet nicht nur die Spieler bei den Partien gegen die Kölner Haie. Eder ist allgegenwĂ€rtig.
«Das ist natĂŒrlich eine ganz schwierige Geschichte. Aber Tobi ist nicht weg, Tobi ist halt immer noch da», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Thomas Bothstede am Montag nach dem beeindruckenden 7:0-Sieg der Berliner im dritten Finalspiel. «Alles, was wir machen, machen wir mit Tobi.»
Ăberall Erinnerungen an EderÂ
TatsĂ€chlich ist die Erinnerung an den frĂŒheren Mitspieler stĂ€ndig prĂ€sent. Bereits auf den Berliner Bahnhöfen verkĂŒnden Bildschirme, dass die EisbĂ€ren «mit Tobi» um den Titel kĂ€mpfen. An der Arena werden weiter frische Kerzen an der nach seinem Tod eingerichteten GedenkstĂ€tte aufgestellt.
Auch fĂŒr die Mannschaft bleibt Eder gegenwĂ€rtig. In der Kabine hĂ€ngt sein Trikot, sein Spind blieb unberĂŒhrt. «Alles ist immer noch da, nichts wurde verĂ€ndert», sagte Cheftrainer Serge Aubin. «Tobi ist immer noch bei uns. Wir denken jeden Tag an ihn. Es ist eine Extra-Motivation. Wir wollen ihn stolz machen. Er soll wissen, dass wir unser absolut Bestes geben.»
Trainer hat bei «Viva la Vida» ein LÀcheln auf den Lippen
So gehen alle Spieler zum AufwĂ€rmen mit Jerseys aufs Eis, die Eders Trikotnummer 22 tragen. Die PrĂ€sentation der Mannschaft vor dem Spiel endet mit Eders Bild auf dem VideowĂŒrfel. Die Fans skandieren dann seinen Namen wie den jedes anderen Profis.Â
Nach dem Anpfiff gibt es weitere Erinnerungsmomente: Auch beim furiosen 7:0 am Montag erklang nach dem ersten Tor der Berliner Eders Lieblingslied «Viva la Vida» von der Band Coldplay, so wie es sich die Mannschaft nach seinem Tod gewĂŒnscht hatte. In der 22. Spielminute erhoben sich die Zuschauer zu «Tobi Eder»-Sprechchören. «Er war eine groĂartige Persönlichkeit. Wenn wir seinen Namen oder das Lied hören, bringen uns die Erinnerungen zum LĂ€cheln», sagte Trainer Aubin.
All das kann GeschĂ€ftsfĂŒhrer Bothstede aber nicht den Blick fĂŒr die dĂŒstere RealitĂ€t verschleiern. «Wenn man mit einem gesamten Club zur Beerdigung von einem 26 Jahre jungen Menschen fahren muss, den du tagtĂ€glich um dich hattest, der einem ans Herz gewachsen ist, der Teil der EisbĂ€ren-Familie war, dann gibt es da nichts Positives», betonte er.Â
EisbĂ€ren-Boss befĂŒrchtet emotionales «Loch» nach SaisonendeÂ
Im Finalduell mit Köln fĂŒhren die EisbĂ€ren 2:1, der Favorit benötigt in der Best-of-Seven-Serie nur noch zwei Siege zur erfolgreichen Titelverteidigung. «Ich glaube, wir wĂŒrden jeden Pokal, jedes Finale dafĂŒr eintauschen, wenn Tobi tatsĂ€chlich in Person noch da wĂ€re», sagte Bothstede.
Ihm ist bewusst, wie kritisch die Lage unmittelbar nach dem Tod des Profis war. «Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: In so einer Situation kann ein gesamter Club zusammenbrechen â zumindest sportlich. Das kann einem ja so den Boden unter den FĂŒĂen wegreiĂen, dass nichts mehr geht», sagte er. «Oder aber, du rĂŒckst noch enger zusammen. Und das ist da passiert.»
So ist der GeschĂ€ftsfĂŒhrer stolz darauf, wie die Spieler, die Mitarbeiter und die Fans bisher gemeinsam mit der schweren Situation umgegangen sind. Er weiĂ aber auch, dass sie beileibe noch nicht ausgestanden ist. «Egal, wie die Saison endet: Wenn man zur Ruhe kommt, dann wird es noch mal heftig», sagte Bothstede. «Ich glaube, dann fallen viele von uns und auch ich persönlich noch mal in ein Loch. Weil man dann wirklich erst realisiert, dass Tobi tatsĂ€chlich als Person nicht mehr da ist.»
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