Eishockey: Kanada schließt Russland von U20-WM 2026 aus
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTeilnehmerfeld und Austragungsorte
- Die U20-WM findet vom 26. Dezember bis 5. Januar in Edmonton und Red Deer statt.
- Zur deutschen U20-Auswahl gehören bislang zehn gemeldete Teilnehmer, Russland ist nicht darunter.
- Die Männer-WM 2027 ist vom 14. bis 30. Mai in Düsseldorf und Mannheim geplant.
Kanada verweigert russischer U20-Auswahl die Teilnahme
Kanadas Premierminister Mark Carney hat ausgeschlossen, dass eine russische Eishockey-Auswahl an der U20-Weltmeisterschaft am Jahresende in Kanada teilnimmt. Damit stellt er sich gegen das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas, der die Wiederzulassung russischer Teams zu Eishockey-Turnieren genehmigt hat.
Der Druck auf den Weltverband IIHF wächst zugleich aus der Wirtschaft: Der tschechische Autobauer Skoda droht mit dem Rückzug als Hauptsponsor der Männer-WM 2027 in Deutschland.
Visa als möglicher Hebel
Carney begründete seine Haltung mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und bezog auch Belarus ein. Eine Teilnahme könnte Kanada durch die Verweigerung von Visa verhindern.
Der kanadische Eishockey-Verband begrüßte die Position der Regierung. Er erklärte, Sportler und Offizielle aus Russland und Belarus sollten bei internationalen Veranstaltungen in Kanada nicht unter ihren nationalen Symbolen antreten.
IIHF prüft Folgen des CAS-Urteils
Die IIHF teilte mit, sie analysiere die Äußerungen wichtiger Beteiligter und beobachte die weiteren Entwicklungen sowie deren Auswirkungen auf die betroffenen Weltmeisterschaften. Der Weltverband hatte nach dem CAS-Urteil seit Beginn der Woche beraten.
Die U20-WM findet vom 26. Dezember bis 5. Januar in Edmonton und Red Deer in der Provinz Alberta statt. Die deutsche Auswahl gehört zu den bislang zehn Teilnehmern; Russland ist nicht dabei.
Boykottandrohungen aus mehreren Ländern
Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen und Lettland haben angekündigt, nicht gegen Russland antreten zu wollen. Auch der tschechische Verbandspräsident befürwortet einen Boykott.
Die finnische Stadt Turku will die für den Jahreswechsel 2027/2028 geplante U20-WM nicht mitausrichten, falls Russland teilnehmen sollte. Damit betrifft der Streit bereits mehrere kommende Turniere.
Haupt-WM in Deutschland unter Druck
Die Männer-WM soll vom 14. bis 30. Mai 2027 in Düsseldorf und Mannheim stattfinden. Nach dem CAS-Urteil wäre Russland dafür spielberechtigt.
Der Deutsche Eishockey-Bund prüft, ob Deutschland die Veranstaltung ausrichten kann, und befasst sich auch mit der Möglichkeit, sie zurückzugeben. Die Bundesregierung will sich mit dem DEB über mögliche Folgen des Urteils austauschen.
Russland seit 2022 ausgeschlossen
Russland ist seit Ende Februar 2022 wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine von internationalen Turnieren und Weltmeisterschaften ausgeschlossen. Wenige Tage vor Kriegsbeginn verlor die russische Auswahl das Olympia-Finale in Peking mit 1:2 gegen Finnland.
Die Entscheidung des kanadischen Premiers verschärft den Konflikt zwischen dem Internationalen Eishockeyverband und mehreren nationalen Verbänden. Der CAS hat Russland die Teilnahme grundsätzlich wieder ermöglicht, doch ein Sportgerichtsurteil schafft keine automatische Einreisemöglichkeit. Gastgeberstaaten behalten ihre hoheitlichen Befugnisse, darunter die Vergabe von Visa.
Für die U20-WM in Edmonton und Red Deer entsteht damit ein praktisches Problem: Selbst wenn Russland nach den Regeln des Weltverbands startberechtigt ist, kann die Mannschaft ohne Einreisegenehmigung nicht antreten. Die Haltung Kanadas erhält zusätzliches Gewicht, weil das Turnier unmittelbar bevorsteht und die Teilnehmerplanung betroffen ist.
Folgen für die WM 2027
Der Streit reicht über das Juniorenturnier hinaus. Bei der Männer-WM in Deutschland drohen Boykotte, eine mögliche Rückgabe der Veranstaltung und der Verlust von Sponsorengeldern. Für Ausrichter, Verbände und Kommunen geht es damit neben der sportpolitischen Frage auch um Sicherheitskosten, Planungssicherheit und wirtschaftliche Einnahmen.
Die Reaktionen aus Nordeuropa und die Haltung Tschechiens zeigen, dass die Rückkehr russischer Teams nicht als rein juristische Frage behandelt wird. Der IIHF muss nun zwischen dem CAS-Urteil, den Entscheidungen einzelner Regierungen und den Boykottdrohungen vermitteln. Für Zuschauer und Gastgeber bleibt entscheidend, ob ein belastbarer Modus ohne russische Teilnahme gefunden wird oder ob die Turniere organisatorisch neu geordnet werden müssen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Wegen Russland: Eishockey-WM 2027 vor dem Aus?“ (03.11.2026)
Der WDR habe die möglichen Folgen der Russland-Zulassung für die WM in Deutschland beleuchtet und über Boykottankündigungen sowie die Prüfung einer Rückgabe durch den DEB berichtet. Der Schwerpunkt liege auf den wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Folgen für den deutschen Austragungsort.
ZDFheute: „Eishockey: Auch Nordeuropäer kündigen WM-Boykott an“ (03.11.2026)
Das ZDF habe vor allem die gemeinsame Boykottdrohung Finnlands, Schwedens, Norwegens, Dänemarks und Lettlands herausgestellt. Anders als der WDR konzentriere sich der Beitrag stärker auf die Positionen der Verbände und die sportpolitische Frontbildung.
Beide Beiträge stimmten darin überein, dass das CAS-Urteil die Planung der Weltmeisterschaften unter Druck setze. Offen bleibe, wie der IIHF die rechtliche Teilnahmeberechtigung mit Einreiseentscheidungen und möglichen Boykotten praktisch zusammenführen wolle.
