Eishockey-WM 2027: DEB hält trotz Russland an Heimturnier fest
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 17:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRusslands möglicher WM-Start verändert die Planung
- Der DEB will die Weltmeisterschaft im Mai in Deutschland austragen.
- Frank Lutz fordert noch in diesem Jahr Klarheit über Russlands Teilnahme.
- Bei der U20-WM soll Russland laut neuem Spielplan in der Schweizer Gruppe spielen.
DEB hält an Heim-WM im Mai fest
Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat den Deutschland Cup in Düsseldorf hinter Lettland auf Platz zwei beendet. Überschattet wurde das Turnier jedoch von der Debatte über eine mögliche Rückkehr russischer Teams und die Folgen für die Weltmeisterschaft im kommenden Mai.
Rankel erlebt durchwachsenes Debüt
Bundestrainer André Rankel verpasste mit seiner Auswahl die Titelverteidigung. Zum Abschluss gewann Deutschland gegen die Slowakei nach einem 0:3-Rückstand mit 4:3 (0:1, 0:2, 4:0) und sorgte damit noch einmal für Aufbruchstimmung vor der Heim-WM.
DEB verlangt Klarheit bis Jahresende
DEB-Vorstandschef Frank Lutz erklärte, eine Rückgabe der Weltmeisterschaft sei nicht geplant. Der Verband wolle das Turnier im Mai in Deutschland ausrichten und sei optimistisch, dies zu schaffen.
Hintergrund ist ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas, der die Suspendierung russischer Teams wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine aufgehoben hat. Die IIHF kündigte Schritte zur Umsetzung des Urteils an und will zugleich mit verschiedenen Verbänden nach einer Lösung suchen.
Russland-Frage belastet die Organisation
Der DEB wünscht sich noch in diesem Jahr Klarheit, weil bereits Karten verkauft werden und die WM-Planung läuft. Nach Lutz’ Darstellung könnte der Weltverband die Suspendierung mit neuen Sachverhalten und dem Schutz der Integrität des Sports erneut begründen.
Auch die U20-WM in Kanada ist von der Auseinandersetzung betroffen. Nach Angaben des Schweizer Verbands erhielten die Verbände einen neuen Spielplan mit Russland und ohne Norwegen; Deutschland soll in der anderen Vorrundengruppe antreten.
Ukraine soll nicht weichen
Die Schweiz kündigte an, ihre U20-Auswahl werde trotz ihrer politischen Neutralität nicht gegen ein russisches Team antreten. Kanadas Premierminister Mark Carney stellte zudem keine Visa für eine russische Auswahl in Aussicht.
Für die A-WM hatten mehrere Nationen bereits einen Boykott für den Fall einer russischen Teilnahme angekündigt. Sponsoren drohten mit Rückzug, während die Ukraine als Aufsteiger qualifiziert ist und DEB sowie Bundesregierung einen Verzicht auf ihre Teilnahme aus moralischen Gründen ablehnen.
Die Russland-Frage berührt die deutsche Heim-WM auf mehreren Ebenen zugleich: sportlich, organisatorisch und politisch. Der DEB plant das Turnier für Mai 2027 in Deutschland, während das CAS-Urteil die bisherige Grundlage für den Ausschluss russischer Nationalmannschaften infrage stellt.
Für den Verband geht es deshalb nicht nur um die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes. Spielorte, Kartenverkauf, Sicherheitskonzepte, Visa-Fragen, Sponsoren und die Einbindung der ukrainischen Auswahl hängen davon ab, ob Russland antreten soll und kann. Eine schnelle Entscheidung des Weltverbandes würde die Planung erleichtern; jede Verzögerung erhöht den organisatorischen Druck.
Konflikt zwischen Sportrecht und politischer Verantwortung
Die IIHF muss das CAS-Urteil berücksichtigen und zugleich die Folgen einer russischen Rückkehr für andere Verbände bewerten. Der Fall zeigt den grundsätzlichen Konflikt zwischen sportrechtlicher Gleichbehandlung und der politischen Verantwortung von Verbänden im Zusammenhang mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Die Erfahrungen bei der U20-WM verdeutlichen, dass eine formale Entscheidung allein nicht alle Probleme lösen würde. Selbst wenn Russland wieder zugelassen würde, könnten einzelne Teams Spiele verweigern, Visa ausbleiben oder wirtschaftliche Partner aussteigen. Für Zuschauer in Deutschland wäre damit vor allem entscheidend, ob der DEB rechtzeitig ein verlässliches Turnierkonzept vorlegen kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Nach CAS-Urteil - Eishockey-WM in Deutschland mit Russland? Weltverband IIHF spielt auf Zeit“ (07.11.2026)
Der Beitrag habe die Bedrängnis des DEB nach dem CAS-Urteil beschrieben und die mögliche Rückgabe der WM thematisiert. Im Mittelpunkt stehe damit stärker die Ausrichterfrage, während die dpa-Meldung die inzwischen erklärte Absicht des DEB betone, die Weltmeisterschaft in Deutschland auszurichten.
Stern: „Nach umstrittenem Cas-Urteil: Eishockey-WM mit Russen? IIHF prüft Optionen, DEB will Tempo“ (07.11.2026)
Der Stern habe den Zeitdruck des DEB für die WM-Planung im Mai 2027 hervorgehoben und die Prüfung verschiedener Optionen durch die IIHF eingeordnet. Anders als der Deutschlandfunk rücke der Beitrag damit die Suche nach einer schnellen Verbandslösung in den Vordergrund.
Beide Beiträge stimmten darin überein, dass das CAS-Urteil die WM-Planung belastet und eine Entscheidung der IIHF benötigt wird. Offen bleibe, ob Russland tatsächlich teilnimmt und wie Deutschland, die Ukraine sowie weitere Verbände auf diese Entscheidung reagieren würden.
