Cristiano Ronaldo wirft Jorge Jesus Wortbruch vor und will für Portugal weiterspielen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 22:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCristiano Ronaldo hat Trainer Jorge Jesus nach seiner Abreise aus dem Quartier der portugiesischen Nationalmannschaft Wortbruch vorgeworfen, sich für sein Verhalten entschuldigt und zugleich seine weitere Bereitschaft für Portugal erklärt.
Ronaldo spricht von Vertrauensbruch
„Ich beschloss, das Trainingslager zu verlassen, ohne auf einen weiteren Wortbruch zu warten“, schrieb Ronaldo in einem langen Statement. Für ihn sei die Wahrheit weiterhin das Wichtigste in menschlichen Beziehungen.
Gleichzeitig übernahm der 41-Jährige die Verantwortung für seine Abreise. Trotz des von ihm beklagten „absoluten Vertrauensbruchs seitens des Trainers“ hätte er das Team nicht verlassen dürfen, erklärte Ronaldo. Er habe den Eindruck gehabt, sein Verbleib hätte der Mannschaft nur geschadet.
Nationalspieler trotz möglicher Sperre
Ronaldo rechnet mit einer Sanktion durch den portugiesischen Fußballverband. Nach Ablauf einer möglichen Sperre wolle er aber wieder zur Verfügung stehen, sofern er körperlich fit sei und für seinen Verein spiele.
Der Superstar hatte die Nationalmannschaft in der vergangenen Woche verlassen, nachdem er beim 2:1 im Hinspiel in Norwegen nicht eingesetzt worden war. Jesus hatte Ronaldo zuvor bei Al-Nassr in Saudi-Arabien trainiert und für Portugal eine Rückkehr grundsätzlich offengehalten.
Jesus spricht von Missverständnis
„Für mich ist Cris bei der nächsten Nominierung – sofern er bei Al-Nassr spielt – ein Kandidat für den Kader. Wenn er zurückkehren will, wird er zurückkehren“, sagte Jesus. Der 72 Jahre alte Trainer bezeichnete den Konflikt als Missverständnis, das leicht zu klären sei.
Ronaldo bestritt bislang 234 Länderspiele für Portugal und erzielte 146 Tore. Beide Werte sind Rekorde im internationalen Fußball. Der Titelverteidiger gewann alle vier Nations-League-Spiele in den vergangenen zwei Wochen und steht vorzeitig im Viertelfinale.
Konflikt trifft auf sportliche Abhängigkeit
Der Streit fällt in eine Phase, in der Portugal sportlich erfolgreich ist. Die Mannschaft hat alle vier Nations-League-Spiele gewonnen und das Viertelfinale vorzeitig erreicht. Dadurch besitzt Trainer Jorge Jesus kurzfristig Rückhalt, während Ronaldo trotz seiner Rekordwerte nicht zwingend für die Ergebnisse der jüngsten Partien benötigt wurde.
Gleichzeitig bleibt der 41-Jährige für Portugal von außergewöhnlicher Bedeutung. Mit 234 Länderspielen und 146 Toren ist Ronaldo Rekordnationalspieler und Rekordtorschütze. Seine Rückkehr wäre deshalb nicht nur eine Personalentscheidung, sondern berührte auch die Rollenverteilung im Team, die Autorität des Trainers und den Umgang mit einem langjährigen Führungsspieler.
Entscheidung vor der nächsten Nominierung
Jesus hat eine Rückkehr grundsätzlich offengelassen und den Vorgang als Missverständnis bezeichnet. Ronaldo stellt dagegen einen Vertrauensbruch in den Mittelpunkt und rechnet mit einer möglichen Verbandsstrafe. Damit liegen die nächsten Schritte auf mehreren Ebenen: Zunächst muss der portugiesische Verband über eine Sanktion entscheiden, anschließend dürfte die sportliche Einsatzfähigkeit Ronaldos bei seinem Verein für eine neue Nominierung maßgeblich sein.
Für die portugiesische Mannschaft bedeutet der Konflikt kurzfristig zusätzliche Aufmerksamkeit, obwohl die Ergebnisse Stabilität signalisieren. Mittelfristig geht es um die Frage, ob Ronaldo seine Karriere als Ergänzung zu einer funktionierenden Mannschaft fortsetzt oder ob der Verband den sportlichen Neuaufbau ohne seinen prominentesten Spieler priorisiert.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Cristiano Ronaldo: »Wenn er will, wird er zurückkehren«“ (05.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, Jesus habe Ronaldo trotz dessen vorzeitiger Abreise eine Rückkehr in Aussicht gestellt. Zugleich betone er, Portugal habe auch ohne den Rekordspieler das Viertelfinale erreicht; offen bleibe, wie eine mögliche Rückkehr sportlich und innerhalb der Mannschaft umgesetzt werde.
ntv: „Der Sport-Tag bei ntv.de am Montag, dem 5. Oktober 2026“ (05.10.2026)
Der Beitrag ordne den Vorgang als mögliches Missverständnis ein und stelle die Vermittlungsrolle von Verbandspräsident Pedro Proença heraus. Anders als der SPIEGEL-Bericht richte der ntv-Beitrag den Schwerpunkt auf die öffentliche Beschwichtigung durch Trainer und Verband; die konkrete Klärung des Streits bleibe offen.
Beide Berichte bestätigten die Abreise nach der Nichtberücksichtigung und die grundsätzlich offene Tür für Ronaldo. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Im Vordergrund stünden einmal die sportlichen Folgen, einmal die Vermittlung innerhalb des portugiesischen Verbands.
