Brisanter, Antrag

Brisanter Antrag setzt Gaza-Konflikt auf FIFA-Agenda

14.05.2024 - 13:50:51

Der palÀstinensische Verband fordert beim FIFA-Kongress Sanktionen gegen Israel. Die deutsche Position im Dauerkonflikt ist klar.

Ein zwölfseitiger Antrag sorgt fĂŒr politische Brisanz beim FIFA-Kongress in Bangkok - und setzt den Weltverband unter Druck.

Der palĂ€stinensische Verband PFA fordert angesichts des Gaza-Kriegs Sanktionen gegen Israel. Hinter den Kulissen wird vor dem Treffen der 211 MitgliedsverbĂ€nde des Weltverbands FIFA am Freitag in Bangkok nach einer diplomatischen Lösung fĂŒr den Dauerkonflikt im Fußball gesucht. 

Das sind die Anschuldigungen 

Die PFA wirft dem Staat Israel den Bruch internationalen Rechts besonders in Gaza und dem israelischen Verband MittĂ€terschaft vor, dabei beruft sie sich auf FIFA-Statuten zu Menschenrechten. SĂ€mtliche Fußball-Infrastruktur im Gazastreifen sei zerstört oder schwer beschĂ€digt, Fußballspieler und Schiedsrichter seien getötet worden, schreibt der palĂ€stinensische Verband. Der Vorwurf lĂ€sst sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen, israelische Angriffe haben aber im Gazastreifen in den vergangenen sieben Monaten schwere Zerstörungen verursacht.

Nach eigenen Angaben wird der Verband in seinem Anliegen von Algerien, Irak, Jordanien, Syrien und Jemen unterstĂŒtzt. Der Antrag auf Sanktionen dĂŒrfte das Ziel haben, den Verband und die Mannschaften Israels auszuschließen.

Das entgegnet die israelische Seite

Der israelische Außenminister Israel Katz bezeichnete den Vorsitzenden des palĂ€stinensischen Fußballverbands, Dschibril Radschub, bei X als «Terroristen im Anzug, der öffentlich die Verbrechen der Hamas unterstĂŒtzt» habe. Der Verband könne auf jede Weise, die er fĂŒr richtig halte, gegen eine Suspendierung durch die FIFA vorgehen.

Einem Bericht der israelischen Internetseite «One» zufolge hat der israelische Verband GesprĂ€che in Bangkok geplant, um ein Votum ĂŒber den palĂ€stinensischen Antrag zu verhindern.

Das passiert beim FIFA-Kongress

Auf der Agenda steht allgemein eine «Diskussion» ĂŒber VorschlĂ€ge von MitgliedsverbĂ€nden, eine Abstimmung ist bislang nicht vorgesehen. Auf Anfrage teilt die FIFA mit, dass der palĂ€stinensische Verband das Recht habe, seine Position darzustellen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird die Möglichkeit geprĂŒft, das Thema an das Council der FIFA zu verlagern. Deutscher Vertreter in diesem Entscheidungsgremium ist DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf. 

Das ist die deutsche Position

Auf Anfrage verweist der DFB auf eine Stellungnahme kurz nach dem Massaker der Hamas im Oktober des vorigen Jahres. «In dieser schwierigen Situation steht der Fußball in Deutschland fest an der Seite unserer Freunde und Partner in Israel» - dieser Satz von Neuendorf hat auch heute noch GĂŒltigkeit.

Der jĂŒdische Sportverband Makkabi Deutschland sprach sich deutlich gegen den PFA-Antrag aus. Dieser reihe «sich in einen global zu beobachtenden Versuch der Isolation von Israel ein und ist aus unserer Sicht entschieden abzulehnen», sagte Makkabi-PrĂ€sident Alon Meyer der Deutschen Presse-Agentur. «Wir hoffen auf ein wiederholtes klares Signal des FIFA-Kongresses gegen solche Bestrebungen.»

Meyer setzt dabei auch auf die internationale UnterstĂŒtzung des DFB. Dieser werde «Versuche, den Staat Israel mithilfe des Sportes zu delegitimieren, entschieden verurteilen und abblocken», sagte der Makkabi-Chef. Auch die weiteren Mitglieder der EuropĂ€ischen Fußball-Union gelten als UnterstĂŒtzer Israels, das selbst der UEFA und nicht der asiatischen Konföderation angehört.

So lange dauert der Fußball-Konflikt schon

Schon von 2013 bis 2017 beschĂ€ftigte sich der FIFA-Kongress mit dem Konflikt - ohne eine nachhaltige Lösung zu erreichen. Der palĂ€stinensische Verbandschef Radschub forderte mehrfach Konsequenzen fĂŒr Israel wegen der im Westjordanland ansĂ€ssigen Vereine. 2018 sprach der Weltverband dann eine zwölfmonatige Sperre gegen Radschub aus, da dieser dazu aufgerufen hatte, Trikots und Poster von und mit Lionel Messi zu verbrennen, sollte der Superstar mit Argentinien in Jerusalem spielen. Das Spiel wurde abgesagt.

So geht es weiter

Auch wenn der palĂ€stinensische Antrag in Bangkok ohne Folgen bleiben sollte, dĂŒrfte der Konflikt den internationalen Fußball weiter beschĂ€ftigen. Es gebe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich einige VerbĂ€nde weigern wĂŒrden, gegen Israel zu spielen, schrieb die PFA. Das MĂ€nner-Nationalteam Israels hat sich international fĂŒr Olympia in Paris qualifiziert. 

Das ist der politische Hintergrund

Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbten. Sie töteten 1200 Menschen, nahmen 250 weitere als Geiseln und verschleppten sie in den Gazastreifen. Im folgenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 35.000 PalĂ€stinenser getötet, wobei die unabhĂ€ngig kaum zu verifizierende Zahl nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern unterscheidet. Die hohe Zahl ziviler Opfer und die humanitĂ€re Katastrophe fĂŒr die palĂ€stinensische Zivilbevölkerung haben international scharfe Kritik am Vorgehen Israels ausgelöst.

@ dpa.de