DFB verÀrgert nach Kritik an Schiedsrichterinnen
07.02.2024 - 14:37:52 | dpa.de
Der 1. FC NĂŒrnberg hat mit seiner Kritik an den Schiedsrichterinnen der Frauen-Bundesliga und damit am DFB eine schwelende Debatte publik gemacht.
Der Deutsche FuĂball-Bund reagiert verĂ€rgert. Die Probleme sind vielschichtig - aber es gĂ€be einen vielversprechenden Lösungsansatz.
Was sind die grundsÀtzlichen Probleme?
Der rasanten Entwicklung im FrauenfuĂball kann das Schiedsrichter-Wesen teilweise nicht folgen. Selbst weibliche Spitzenreferees arbeiten teilweise noch in Vollzeit. Zudem hat der DFB Nachwuchsprobleme. Eine wie Bibiana Steinhaus, die 2017 als erste Frau ein Spiel der MĂ€nner-Bundesliga pfiff, ist nicht in Sicht. In der Frauen-Bundesliga gibt es auch noch keinen Videobeweis, der Fehler der Spielleiterinnen korrigieren könnte. DafĂŒr fehlen die Voraussetzungen in den Stadien, Geld und Personal.
Was sagt der 1. FC NĂŒrnberg?
Der Bundesliga-Aufsteiger hat sich bitterlich ĂŒber die Leistungen von Schiedsrichterinnen beklagt. «Wir sind an einem Punkt, in der die jetzige Situation im Schiedsrichterinnen-Bereich (...) nicht mehr hinzunehmen ist und an dem wir auch bewusst öffentlich auf qualitative MissstĂ€nde und strukturelle Defizite beim DFB hinweisen mĂŒssen und möchten», sagt Osman Cankaya, Sportlicher Leiter der Club-Frauen, und betonte in einer Pressemitteilung: «Wir sprechen hier von einer vereinsĂŒbergreifenden, ligaweiten Problematik.»
Wie reagiert der DFB?
«FĂŒr uns steht auĂer Frage, dass an den Bedingungen und Voraussetzungen fĂŒr die Schiedsrichterinnen strukturell gearbeitet werden muss. Das gilt fĂŒr alle Bereiche der Liga», rĂ€umt DFB-VizeprĂ€sidentin Sabine Mammitzsch ein. Sie und ihr Kollege Ronny Zimmermann haben aber auch verĂ€rgert auf die Kritik aus NĂŒrnberg reagiert. «Bei allem VerstĂ€ndnis ĂŒber den Unmut ĂŒber Fehlentscheidungen ist es nicht in Ordnung, wie unsere Schiris öffentlich unter Druck gesetzt werden. Das hat mit Fair Play nichts zu tun», sagt Zimmermann, beim Deutschen FuĂball-Bund als VizeprĂ€sident unter anderem fĂŒr das Schiedsrichter-Wesen verantwortlich.
«Es ist schon sehr befremdlich, wie unsere Schiedsrichterinnen auf diese Art und Weise öffentlich an den Pranger gestellt werden», meint Mammitzsch, beim Verband zustĂ€ndig fĂŒr Frauen- und MĂ€dchenfuĂball. Sie sprach damit indirekt auch ein Instagram-Video an, das die NĂŒrnberger auf ihrem offiziellen Kanal veröffentlicht haben: Dort wird Schiedsrichterin Nadine Westerhoff bei einer Fehlentscheidung beim 0:4 der Club-Frauen in Bremen mit Figuren einer kanadischen Kinderfernsehserie abgebildet. Auch in der Liga kam dieser Post nicht gut an.
Wie reagiert die Liga?
Der FC Bayern und Wolfsburg verweisen auf frĂŒhere Aussagen ihrer Verantwortlichen und wollen sich aktuell nicht Ă€uĂern. Ăhnliches gilt fĂŒr den Tabellendritten Eintracht Frankfurt. Mammitzsch mahnt, dass «es ein gemeinsamer Weg zwischen Verband und Vereinen unabdingbar» sei.
Was ist das spezielle DFB-Problem - und vielleicht ein Lösungsansatz?
Verantwortliche wie Bianca Rech vom deutschen Meister FC Bayern MĂŒnchen und Ralf Kellermann vom VfL Wolfsburg haben schon vor Wochen beklagt, dass beim DFB die Unparteiischen im Spitzenbereich getrennt sind. «Wir sind die einzige Top-Nation in Europa, die es sich leistet, die Schiedsrichterinnen-Teams nicht mit MĂ€nnern aufzufĂŒllen», sagte Kellermann. Referees aus den MĂ€nner-Profi-Ligen dĂŒrfen nicht im Frauen-Oberhaus pfeifen, weil es getrennte Kader fĂŒr die Schiedsrichter beim DFB gibt. In der Frauen-Bundesliga pfeifen nur Frauen.
Als ranghöchste Schiedsrichter im MĂ€nnerfuĂball gehören Riem Hussein, Fabienne Michel und Franziska Wildfeuer jedoch zu den insgesamt 25 Unparteiischen der 3. Liga. Zu der Möglichkeit, kĂŒnftig auch mĂ€nnliche Spielleiter in der Frauen-Bundesliga pfeifen zu lassen, Ă€uĂerte sich der DFB zumindest mit Blick auf die aktuelle Runde klar: Die Kader jeder Spielklasse wĂŒrden auch bei den Unparteiischen vor der Saison festgelegt, «eine VerĂ€nderung in der laufenden Saison ist hier nicht möglich».
«Fehlentscheidungen sind immer Ă€rgerlich, darĂŒber Ă€rgern sich unsere Schiedsrichterinnen am meisten. UnabhĂ€ngig davon sind wir ĂŒberzeugt, dass die Leistung einer Person nicht mit dem Geschlecht zusammenhĂ€ngt», sagt Zimmermann. «MĂ€nner sind nicht automatisch die besseren Unparteiischen.»
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