WM-PrĂ€mien fĂŒr Frauen: DFB belĂ€sst es bei FIFA-Geldern
26.06.2023 - 11:11:33Auch wenn Bundeskanzler Olaf Scholz sich persönlich fĂŒr gleiche PrĂ€mienzahlungen bei Nationalspielerinnen und Nationalspielern eingesetzt hat: Die deutschen FuĂballerinnen werden bei dieser Weltmeisterschaft wieder nicht an die zuletzt vom DFB ausgelobten Summen der MĂ€nner-Nationalmannschaft herankommen.
Der Deutsche FuĂball-Bund hat die Verhandlungen mit dem Frauen-Team fĂŒr beendet erklĂ€rt - weil die FIFA erstmals die Gelder direkt an die Spielerinnen ausbezahlt.
Ăber die PrĂ€mien des Weltverbands hinaus wird die Auswahl von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg keine Preisgelder vom DFB erhalten. Dies bestĂ€tigte der Verband der Deutschen Presse-Agentur. KapitĂ€nin Alexandra Popp und Co. wĂŒrden damit bei einem WM-Triumph in Australien und Neuseeland damit zwar jeweils das Rekordpreisgeld von umgerechnet rund einer Viertelmillion Euro erhalten - bei den deutschen MĂ€nnern waren im vergangenen Jahr vom DFB fĂŒr einen Triumph in Katar aber 400.000 Euro ausgelobt worden.
Anderswo «Equal Pay» schon ĂŒblich
In der Debatte um die gleiche Bezahlung («Equal Pay») hatte Scholz wĂ€hrend der EM 2022 in England mit einer deutlichen Aufforderung an den deutschen Verband getwittert: «Wir haben 2022. Frauen und MĂ€nner sollten gleich bezahlt werden.» Auch bei einem Besuch auf dem neuen DFB-Campus in Frankfurt/Main und bei einem LĂ€nderspiel machte sich der SPD-Politiker dafĂŒr weiter stark.Â
In die konkrete Gestaltung der WM-PrĂ€mien fĂŒr die deutschen FuĂballerinnen will sich Scholz aber nicht einmischen, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Montag in der Bundespressekonferenz in Berlin erklĂ€rte. Scholz setze sich aber weiter fĂŒr eine Angleichung der Gelder fĂŒr Frauen und MĂ€nner ein und befinde sich dafĂŒr weiterhin in GesprĂ€chen mit dem DFB. GrundsĂ€tzlich sei es erst einmal gut, dass es jetzt eine so «groĂartige» PrĂ€mie fĂŒr die Frauen gebe. In einigen anderen LĂ€ndern ist «Equal Pay» schon lĂ€nger ĂŒblich - die US-Weltmeisterinnen zogen dafĂŒr sogar vor Gericht.
Die FIFA hatte kĂŒrzlich bekannt gegeben, dass bei den Frauen erstmals mindestens 30.000 Dollar (rund 28.000 Euro) an jede Spielerin ausgeschĂŒttet werden - und zwar quasi direkt auf deren Konten. FĂŒr die 23 Weltmeisterinnen gibt es demnach am Ende des vom 20. Juli bis zum 20. August dauernden Turniers jeweils 270.000 Dollar (252.000 Euro) und damit zusammen mehr als 6,2 Millionen Dollar (rund 5,8 Millionen Euro).
In der Vergangenheit waren die FIFA-Gelder an die jeweiligen nationalen VerbĂ€nde verteilt worden, die wiederum selbst ihre Preisgelder fĂŒr die Teams bestimmten und auszahlten.  Die VerbĂ€nde erhalten nach dem WM-Turnier noch zusĂ€tzliche Zahlungen - der Verband der kĂŒnftigen Weltmeisterinnen zum Beispiel noch einmal ĂŒber 4 Millionen Dollar (gut 3,7 Millionen Euro). Den LĂ€ndern, deren Teams nach der Vorrunde ausscheiden, wĂŒrden aber nur 1,56 Millionen US-Dollar (rund 1,4 Millionen Euro) bleiben - was beim DFB wahrscheinlich nicht einmal die Kosten fĂŒr die Frauen-WM decken wĂŒrde.
Quantensprung fĂŒr Popp & Co.
Der DFB spart sich durch das Vorgehen der FIFA weitere Verhandlungen mit dem Mannschaftsrat um Popp. FĂŒr die Spielerinnen sind die ausgesetzten BetrĂ€ge ein Quantensprung - auch wenn sie nicht an die der MĂ€nner heranreichen: FĂŒr den EM-Finaleinzug 2022 kassierten sie jeweils 30.000 Euro. FĂŒr den Titel hĂ€tte es 60.000 gegeben.
Viele Nationalspielerinnen hatten zuletzt betont, dass es ihnen in der Debatte vor allem um vernĂŒnftige GehĂ€lter in der gesamten Bundesliga und um «Equal Play» geht, also gleiche Trainingsbedingungen. Letztere sind beim DFB bei den MĂ€nnern und Frauen laut dessen PrĂ€sident Bernd Neuendorf inzwischen «eins zu eins». «NatĂŒrlich freut uns das sehr», sagte Nationalspielerin Sara DĂ€britz ĂŒber die ausgelobten RekordprĂ€mien. «Nicht desto trotz steht bei uns der fuĂballerische Fokus im Vordergrund.»
Bei der WM schĂŒttet die FIFA insgesamt 110 Millionen US-Dollar (rund 103 Millionen Euro) aus - und damit immer noch deutlich weniger als zuletzt bei den MĂ€nnern in Katar: Da waren es im vergangenen Jahr insgesamt 440 Millionen Dollar (411 Millionen Euro). FĂŒr die Frauen-WM 2027 - fĂŒr die sich auch der DFB gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden bewirbt - hat FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino das Ziel ausgegeben, die gleichen PrĂ€mien zu zahlen wie bei der WM der MĂ€nner 2026.


