PalÀstina beim Asien-Cup: Mit dem Herzen in der Heimat
09.01.2024 - 11:06:38Arm in Arm stehen die palĂ€stinensischen FuĂballer auf dem Rasen. Um ihren Hals tragen sie alle eine schwarz-weiĂe Kufiya, das sogenannte «PalĂ€stinensertuch». Ihr Blick ist schmerzerfĂŒllt. Manche senken den Kopf zu Boden, andere Richtung Himmel. Solche Szenen wie beim Vorbereitungsspiel gegen Usbekistan dĂŒrfte es auch beim Asien-Cup vom 12. Januar bis 10. Februar in Katar geben.
Auf den RĂ€ngen werden starke pro-palĂ€stinensische SolidaritĂ€tsbekundungen erwartet. Auf dem Platz ist die palĂ€stinensische Auswahlmannschaft in Zeiten des Gaza-Krieges auf einer hochemotionalen Mission.Â
Es sei «eine Quelle des Stolzes, nicht nur fĂŒr mich, sondern fĂŒr alle PalĂ€stinenser», sagte Angreifer Oday Dabbagh ĂŒber die dritte Teilnahme bei der Kontinentalmeisterschaft. Doch diese steht angesichts des heftigen Gegenschlags der israelischen Armee als Reaktion auf den Terrorangriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober in einem ganz besonderen Licht. Spieler wie der in Jerusalem geborene Dabbagh, der als bester FuĂballer seines Teams gilt, sind mit dem Herzen und den Gedanken auch in der Kriegs-geschundenen Heimat.
StÀndige Angst
«Die Spieler sind die meiste Zeit im Hotel oder im Bus, verfolgen die Nachrichten auf ihren Handys und kommunizieren mit ihren Familien», verriet Auswahltrainer Makram Daboub. Der Tunesier bekrĂ€ftigte, dass die Geschehnisse in der Heimat mit tausenden Toten die Spieler stark beschĂ€ftigen wĂŒrden: «Sie sind in stĂ€ndiger Angst angesichts der anhaltenden Aggression und des Krieges in PalĂ€stina.»
Die Situation sei schwierig, sagte auch TorhĂŒter Rami Hamada nach der Ankunft in Katar. Man wolle den Menschen in der Heimat eine Freude bereiten - «auch wenn es nur eine ganz einfache ist». Er bedankte sich bei den Katarern fĂŒr den freundlichen Empfang und die UnterstĂŒtzung. Der WM-Gastgeber von 2022 sieht sich politisch in dem Konflikt ohnehin in der Vermittlerrolle. Was genau die Organisatoren an pro-palĂ€stinensischen SolidaritĂ€tsbekundungen erlauben, war aber zunĂ€chst ungewiss.
Nationale IdentitĂ€t ausdrĂŒcken
Klar ist: Bei den Gruppenspielen des palĂ€stinensischen Teams gegen den Iran (14. Januar), dessen Regime Israel das Existenzrecht abspricht, die Vereinigten Arabischen Emirate (18. Januar) und Hongkong (23. Januar) geht es nicht nur um Tore und Punkte. «Ăber den FuĂball können wir unsere nationale IdentitĂ€t ausdrĂŒcken», sagte Susan Shalabi, VizeprĂ€sidentin des palĂ€stinensischen FuĂballverbandes PFA, dem Deutschlandfunk.Â
Viele Spieler haben Familie und Freunde im Gazastreifen oder im Westjordanland, wo seit Kriegsausbruch kein FuĂball mehr gespielt wird. «Von einem wollten wir die Familie herausholen. Bei der kleinen Tochter ist das geglĂŒckt, aber seine Frau ist noch in Gaza. Der Druck fĂŒr den Spieler ist enorm», erzĂ€hlte Shalabi.
Viele FuĂballer getötet
Drei potenzielle Kaderspieler hĂ€tten es nicht rechtzeitig aus dem Gazastreifen geschafft, berichtete PFA. Der Verband erhob schwere VorwĂŒrfe gegen Israel und forderte vom Internationalen Olympischen Komitee, dem FuĂball-Weltverband FIFA und dem asiatischen Kontinentalverband AFC «dringende MaĂnahmen». Laut Shabali seien mehr als 80 FuĂballer im Gazastreifen getötet worden, «ich gehe davon aus, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist».
Nach PFA-Angaben hĂ€tte Israel zudem neun Sport-StĂ€tten zerstört, das Yarmouk-Stadion als eines der gröĂten Wahrzeichen des palĂ€stinensischen Sports werde auĂerdem vom israelischen MilitĂ€r zweckentfremdet. «Das ist ein Verbrechen und die internationalen SportverbĂ€nde können dies nicht tolerieren, verschweigen oder ignorieren», lieĂ PFA in einer Stellungnahme verlauten.
Von den Kriegsereignissen ĂŒberschattet fand die Vorbereitung der palĂ€stinensischen Auswahlmannschaft, die 1998 von der FIFA anerkannt wurde, in Algerien und Saudi-Arabien statt. In der FIFA-Weltrangliste belegt das Team aktuell den 99. Platz. Normalerweise wĂŒrden die Spiele PalĂ€stinas, das von einigen LĂ€ndern der Vereinten Nationen nicht als Staat anerkannt wird, in der Heimat gebannt verfolgt werden. FuĂball ist ein Teil der palĂ€stinensischen Kultur. Doch in den wenigen noch existierenden Bars und Restaurants laufen lĂ€ngst keine Spiele mehr auf GroĂbildschirmen.


