Granit Xhaka Impfskandal: Schweizer Rekordnationalspieler gesteht gekaufte Corona-Impfbestätigung
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGranit Xhaka hat öffentlich eingeräumt, sich während der Corona-Pandemie eine Covid-Impfbestätigung gekauft zu haben und muss sich nun strafrechtlichen Ermittlungen und sportlichen Konsequenzen stellen.
Geständnis nach öffentlichem Druck
Nach mehreren Tagen intensiver Diskussionen um mutmaßlich gefälschte Impfzertifikate hat der 33 Jahre alte Schweizer Nationalspieler ein reumütiges Geständnis abgelegt. In der Nationalmannschaft wird der Rekordspieler vorerst nicht mehr eingesetzt, eine spätere Rückkehr ist offen. Die Staatsanwaltschaft Luzern will Xhaka in der Angelegenheit zeitnah vernehmen.
Verunsicherung und Misstrauen in der Pandemie
In einem Statement auf Instagram schilderte Xhaka, er sei im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung persönlich stark verunsichert gewesen und habe große Bedenken gehabt. Er habe ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Impfstoff empfunden und spricht von Ängsten und Verunsicherung. In dieser emotional aufgewühlten Lage habe er eine Impfbestätigung erworben, statt seine offenen Fragen auf dem vorgesehenen Weg zu klären. Heute erkenne er, dass dieser Weg falsch gewesen sei und bezeichnet seine Entscheidung als Fehler.
Widersprüchliche Angaben und laufende Ermittlungen
Nur zwei Tage vor Xhakas öffentlicher Stellungnahme hatte sein Sprecher erklärt, es liege eine Bestätigung der behandelnden Ärztin für zwei Impftermine vor. Ein Schweizer Boulevardblatt hatte diese Daten mit dem Spielplan von Xhakas damaligem Verein abgeglichen und neue Ungereimtheiten im Fall ausgemacht. Die Staatsanwaltschaft Luzern ermittelt bereits und hatte auch den Fall des früheren Eishockey-Nationaltrainers Patrick Fischer übernommen, der 2022 mit einem über einen Messengerdienst bestellten gefälschten Covid-Impfzertifikat zu den Winterspielen nach China gereist war.
Vergleichbare Fälle im Spitzensport
Fischer trennte sich in diesem Jahr vom Verband, nachdem die damalige Beurteilung des Vorfalls als abgeschlossen später als zu kurz gegriffen eingeschätzt wurde. Auch im deutschen Fußball gab es ähnliche Konstellationen: Markus Anfang und Florian Junge waren bei Werder Bremen als Cheftrainer und Co-Trainer zurückgetreten, nachdem wegen gefälschter Impfzertifikate gegen sie ermittelt wurde. Anfang musste zudem eine Geldstrafe zahlen und wurde vom DFB-Sportgericht zunächst gesperrt.
Mögliche strafrechtliche Bewertung
Xhaka betonte, er übernehme die Verantwortung für seine damalige Entscheidung, wolle den Sachverhalt aufarbeiten und vollständig mit den zuständigen Behörden kooperieren. Zu klären ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt, etwa im Zusammenhang mit einer möglichen Erschleichung einer falschen Beurkundung oder einer Urkundenfälschung rund um Corona-Zertifikate. Die Untersuchung liegt bei der Staatsanwaltschaft Luzern.
Folgen für Verein und Nationalteam
Der Mittelfeldspieler steht aktuell beim AFC Sunderland in der englischen Premier League unter Vertrag. Für die Schweizer Nationalmannschaft hat sein Geständnis unmittelbare Folgen: Xhaka wird in den nächsten vier Partien der UEFA Nations League fehlen. Den Schweizerischen Fußballverband hatte er am Abend vor seinem Instagram-Statement über seine Entscheidung informiert.
Verband setzt auf Ruhe und Neubewertung
Der Präsident des Schweizerischen Fußballverbands, Peter Knäbel, begrüßte, dass Xhaka den Schritt an die Öffentlichkeit geht und sich der Aufarbeitung stellt. Zugleich sei man gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass es im Interesse der Mannschaft sei, den aktuellen Zusammenzug ohne ihn zu bestreiten. Der Verband will nach eigenen Angaben Ruhe in die Situation bringen und den Fokus auf die bevorstehenden Nations-League-Spiele richten.
Blick auf die nächsten Länderspiele
Die Schweizer Nationalmannschaft bereitet sich im türkischen Belek auf die Auswärtsspiele am 26. und 29. September vor, zwei weitere Partien stehen Anfang Oktober an. Nach Abschluss dieses Länderspielfensters soll die Lage gemeinsam mit Xhaka neu beurteilt und das weitere Vorgehen besprochen werden. Erst dann wird sich entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen der Rekordnationalspieler in die Auswahl zurückkehren kann.
Prominenter Fall im Spannungsfeld von Sport und Pandemierecht
Der Fall Granit Xhaka zeigt, wie lange die Entscheidungen aus der Corona-Pandemie nachwirken. Der frühere Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft räumt ein, eine Impfbestätigung gekauft zu haben, statt eine Impfung ordnungsgemäß durchführen zu lassen. Dass die Staatsanwaltschaft Luzern den Vorgang strafrechtlich prüft, unterstreicht, wie ernst mögliche Delikte wie Urkundenfälschung oder das Erschleichen einer falschen Beurkundung bewertet werden. Für einen international bekannten Profi hat ein solches Fehlverhalten nicht nur juristische, sondern auch erhebliche sportliche und reputative Folgen.
Signalwirkung für Verbände und Profisport
Sportverbände stehen seit der Pandemie unter dem Druck, glaubwürdig mit Regelverstößen umzugehen. Der Schweizerische Fußballverband verzichtet vorerst auf Xhaka und betont, im Interesse der Mannschaft handeln zu wollen. Damit setzt der Verband ein Zeichen, dass Verstöße gegen Gesundheitsauflagen und Integritätsregeln Konsequenzen haben – selbst für einen Rekordnationalspieler. Vergleichbare Fälle, etwa im deutschen Fußball, machen deutlich, dass Sanktionen von Geldstrafen über Sperren bis hin zu Rücktritten reichen können. Für aktive Profis dürfte dieser Vorgang eine Mahnung sein, medizinische und behördliche Vorgaben ernst zu nehmen und Transparenz gegenüber Vereinen und Verbänden zu wahren.
Bedeutung für Öffentlichkeit und Pandemiedebatte
Für viele Leserinnen und Leser berührt der Fall Grundsatzfragen: Wie verlässlich sind Nachweise aus der Pandemiezeit, wie gehen Behörden und Institutionen mit möglichen Täuschungen um? Xhakas Geständnis und seine angekündigte Kooperation mit den Ermittlungsbehörden können als Schritt zu einer vollständigen Aufarbeitung gesehen werden. Zugleich rückt der Fall die Verantwortung prominenter Persönlichkeiten in den Fokus, deren Verhalten Vorbildcharakter haben kann. Ob und unter welchen Bedingungen Xhaka zur Nationalmannschaft zurückkehrt, wird auch davon abhängen, wie klar die rechtliche Bewertung ausfällt und ob er Vertrauen bei Verband, Mitspielern und Öffentlichkeit zurückgewinnt.
