Infantino vor FIFA-Wahl unter Druck: Watzke bekrÀftigt deutschen Kurs
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
DFB-VizeprĂ€sident Hans-Joachim Watzke hat kurz vor dem Treffen der europĂ€ischen FuĂballverbĂ€nde in Berlin den deutschen Konfrontationskurs gegen FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino bekrĂ€ftigt.
Watzke verweist auf mehrere Streitpunkte
âIch bin kein Papagei, ich habe es die letzten Wochen oft genug gesagtâ, sagte Watzke in Berlin. Im Sommer seien âso viele Fehler passiertâ, nannte er den FIFA-Friedenspreis fĂŒr US-PrĂ€sident Donald Trump, das Thema um den US-StĂŒrmer Folarin Balogun und den Gipfel zur Investorengeschichte.
Watzke verwies auf eine klare Haltung im Deutschen FuĂball-Bund und auf DFB-PrĂ€sident Bernd Neuendorf. Dieser hatte dem âTagesspiegelâ gesagt: âWir mĂŒssen ihn vom Platz stellen.â Infantino sei als FIFA-Chef nicht mehr tragbar und habe dem FuĂball sehr geschadet.
UEFA berĂ€t in Berlin ĂŒber weiteres Vorgehen
In Berlin treffen sich die Spitze der EuropĂ€ischen FuĂball-Union UEFA sowie die PrĂ€sidenten und GeneralsekretĂ€re der 55 UEFA-MitgliedsverbĂ€nde. Auf der Tagesordnung steht das weitere Vorgehen im Machtkampf mit Infantino.
Der FIFA-PrĂ€sident war nach einem letztlich gescheiterten VorstoĂ zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck geraten. Auch sein FĂŒhrungsstil wird von Teilen der FuĂballwelt scharf kritisiert. Infantino reagierte mit dem Angebot von GesprĂ€chen ĂŒber mögliche Reformen in der FIFA.
Wahl im MĂ€rz 2027
Der 56-JĂ€hrige fĂŒhrt den Weltverband seit 2016 und strebt beim FIFA-Kongress im MĂ€rz 2027 im marokkanischen Rabat eine vierte Amtszeit an. VerbĂ€nde aus Europa, Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik und Teile Asiens haben sich gegen ihn gestellt.
Einen Gegenkandidaten gibt es aktuell nicht. Die Opposition hat bis zum Ende des 18. November Zeit, einen Bewerber zu benennen. Als möglicher Kandidat gilt Concacaf-PrĂ€sident Victor Montagliani aus Kanada. Auch UEFA-PrĂ€sident Aleksander Ceferin und Nasser al-Khelaifi, der katarische Chef von Paris Saint-Germain, wurden öffentlich gehandelt, haben Ambitionen aber mehrfach zurĂŒckgewiesen.
Europas Einfluss auf die FIFA
Der Konflikt reicht ĂŒber eine persönliche Auseinandersetzung hinaus. Europas VerbĂ€nde stellen die Frage, wie stark die FIFA-Spitze Entscheidungen ĂŒber Vermarktung, Governance und sportpolitische Themen zentral steuern darf. Der DFB verbindet seine Kritik mit konkreten VorgĂ€ngen des Sommers und mit dem Vorwurf eines FĂŒhrungsstils, der Vertrauen verspielt habe.
FĂŒr die europĂ€ische FuĂballpolitik ist das Berliner Treffen deshalb vor allem ein Test der Geschlossenheit. Die UEFA verfĂŒgt ĂŒber erhebliches sportliches und wirtschaftliches Gewicht, kann einen FIFA-PrĂ€sidenten aber nicht allein absetzen. Entscheidend ist, ob sie einen Kandidaten findet, der auch auĂerhalb Europas UnterstĂŒtzung erhĂ€lt. Als möglicher Bewerber wird in diesem Zusammenhang der frĂŒhere Schweizer Nationalspieler Ramon Vega genannt; fĂŒr eine offizielle Kandidatur muss er jedoch die erforderlichen VerbandsunterstĂŒtzer gewinnen.
Was bis zur Wahl zÀhlt
Die FIFA-Wahl im MĂ€rz 2027 in Rabat wird durch die Frist am 18. November 2026 konkret. Bis dahin muss die Opposition aus Europa, Concacaf und Teilen Asiens aus politischer Ablehnung einen wĂ€hlbaren Gegenentwurf machen. FĂŒr FuĂballfans bleibt der Streit relevant, weil Entscheidungen ĂŒber Weltmeisterschaften, kommerzielle Partnerschaften und Verbandsreformen unmittelbar den internationalen Spielbetrieb prĂ€gen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: âMachtkampf im WeltfuĂball: Schweizer Ex-Profi will Infantino herausfordernâ (07.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, Ramon Vega habe als erster öffentlich erklĂ€rter möglicher Gegenkandidat Ambitionen auf das FIFA-PrĂ€sidentenamt erkennen lassen und mĂŒsse dafĂŒr UnterstĂŒtzer von mindestens fĂŒnf MitgliedsverbĂ€nden gewinnen. Zugleich bestĂ€tige der Artikel das Berliner Treffen der 55 UEFA-VerbĂ€nde und setze den Schwerpunkt auf die organisatorischen HĂŒrden einer Kandidatur; offen bleibe, ob Vega genĂŒgend RĂŒckhalt erhalte.
Der Beitrag berichte ebenfalls ĂŒber Vegas angekĂŒndigte Kandidatur und stelle heraus, dass er Infantino bereits frĂŒher erfolglos habe herausfordern wollen. Anders als der Tagesspiegel ordne n-tv die Personalie in eine Sportnachrichten-Ăbersicht ein und betone, dass die UEFA in Berlin einen mehrheitsfĂ€higen Kandidaten suche; die UnterstĂŒtzung fĂŒr Vega bleibe offen.
Beide Berichte bestÀtigten damit den Machtkampf und das Berliner Treffen, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der Tagesspiegel erlÀutere vor allem die formalen Voraussetzungen, n-tv die aktuelle Kandidatensuche und Vegas Vorgeschichte.
