TrĂ€nen und Angst: Irans FuĂballerinnen verlassen Australien
11.03.2026 - 05:23:44 | dpa.deEinige weinten, andere umarmten sich lange, bevor sie ihre PlĂ€tze im Flugzeug einnahmen: Die Abreise der iranischen Frauen-FuĂballnationalmannschaft aus Australien verlief Augenzeugen zufolge Ă€uĂerst emotional. FĂŒr viele Spielerinnen dĂŒrfte damit die Chance auf Asyl in Down Under endgĂŒltig vorbei sein. Sieben Teammitglieder hatten sich zuvor entschieden, das Angebot der australischen Regierung auf humanitĂ€re Visa anzunehmen - eine der Frauen Ă€nderte aber in letzter Minute noch ihre Meinung.
Journalisten der Zeitung «Sydney Morning Herald», die den Nachtflug von Sydney nach Kuala Lumpur begleiteten, berichteten von dramatischen Szenen. Kurz vor dem Boarding hĂ€tten mehrere Spielerinnen TrĂ€nen in den Augen gehabt. Eine Frau habe noch ein letztes Telefonat mit ihrer Familie gefĂŒhrt, um zu entscheiden, ob sie zu den Teamkolleginnen gehören wollte, die in Australien bleiben. Am Ende stieg sie dennoch in das Flugzeug.
Angst vor Konsequenzen wegen stillem Protest
Die Reise der «Löwinnen», wie die Mannschaft genannt wird, steht seit Tagen im Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit. Das Team war wegen eines stillen Protests beim in Australien ausgetragenen Asien-Cup in der Heimat in die Kritik geraten. Beim ersten Gruppenspiel hatten die Spielerinnen wĂ€hrend der Nationalhymne geschwiegen â im Iran wurde das als Zeichen gegen die FĂŒhrung in Teheran gewertet. Staatsmedien bezeichneten sie spĂ€ter als «VerrĂ€terinnen», auch wenn sie bei den folgenden Partien wieder mitsangen.
Beobachter befĂŒrchten, dass den Frauen nach ihrer RĂŒckkehr Konsequenzen drohen. Oder dass ihre Familien unter Druck geraten, falls sie nicht zurĂŒckkehren sollten.
«Ich darf nicht mit Ihnen sprechen»
WĂ€hrend des Flugs saĂen viele der Frauen nach Angaben des «Sydney Morning Herald» schweigend in der Economy-Kabine. Auf Fragen reagierten sie zurĂŒckhaltend. «Ich darf nicht mit Ihnen sprechen», sagte eine Spielerin den Reportern zufolge und deutete auf die Betreuer der Mannschaft.Â
Nach der Landung am Morgen (Ortszeit) in Kuala Lumpur wartete Irans Botschafter in Malaysia bereits am Ausgang des Flugzeugstegs. WĂ€hrend einige Offizielle ihn begrĂŒĂten, wirkten viele Spielerinnen still und angespannt und starrten auf ihre Handys. Von Malaysia aus soll die Mannschaft ĂŒber die TĂŒrkei weiter in den Iran reisen.
Vorausgegangen waren dramatische Momente an der Gold Coast, wo die Spielerinnen wÀhrend des Turniers untergebracht waren. Einige sollen aus dem Mannschaftsbus SOS-Zeichen gezeigt haben. Aktivisten forderten daraufhin die australische Regierung auf, den Frauen Asyl zu gewÀhren.
Sieben Teammitglieder nehmen Asyl-Angebot an
FĂŒnf Spielerinnen erhielten schlieĂlich humanitĂ€re Visa, nachdem sie von der australischen Polizei aus ihrem Hotel gebracht worden waren. Zwei weitere Teammitglieder entschieden sich spĂ€ter ebenfalls, nicht zurĂŒckzukehren. Eine der Frauen entschied sich aber laut Innenminister Tony Burke in letzter Minute, doch in den Iran zurĂŒckzufliegen.
Burke betonte, allen Spielerinnen sei vor der Abreise Asyl angeboten worden. «Wir haben dafĂŒr gesorgt, dass es keine Eile gab, keinen Druck», sagte er. Viele hĂ€tten jedoch aus Sorge um ihre Familien im Iran darauf verzichtet. Eine Spielerin erklĂ€rte schlicht: «Der Iran ist unser Zuhause.»
Der im Exil lebende Oppositionspolitiker Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestĂŒrzten Schahs von Persien, warnte jedoch vor möglichen Repressionen. Das Regime spiele oft zunĂ€chst Versöhnung vor, bevor spĂ€ter Strafen folgten. «Zuerst gibt es Drohungen, dann ein inszeniertes Zeichen der Barmherzigkeit â und schlieĂlich stille Vergeltung, sobald die Kameras aus sind», schrieb er.
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