Völler, Kritik

Völler kontert Kritik von DFB-Vize: Art und Weise geht nicht

28.12.2023 - 16:01:44

Ralph-Uwe Schaffert ist Mitglied des DFB-PrĂ€sidiums und der mĂ€chtigste Fußball-FunktionĂ€r Norddeutschlands. Er kritisiert massiv das Nationalteam - Rudi Völler ist nicht begeistert.

Der DFB-VizeprĂ€sident Ralph-Uwe Schaffert hat mit erneuter scharfer Kritik an den deutschen Fußball-Nationalspielern fĂŒr viel Aufsehen und bei Sportdirektor Rudi Völler fĂŒr großes UnverstĂ€ndnis gesorgt.

«Es wĂ€re mal an der Zeit, das spielende Personal radikal zu wechseln», sagte der Chef des Norddeutschen Fußballverbandes, des NiedersĂ€chsischen Fußballverbandes und VizeprĂ€sident des Deutschen Fußball-Bundes in einem Interview der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» und der «Neuen Presse».

Konkret wirft der 67-JĂ€hrige vielen Nationalspielern knapp sechs Monate vor dem Beginn der Europameisterschaft im eigenen Land eine mangelnde Einstellung vor. «Weil ich doch bei einer nicht ganz geringen Anzahl der zurzeit tĂ€tigen Spieler das GefĂŒhl habe, dass man meint, vielleicht mit 85 Prozent des möglichen Einsatzes auf dem Platz auskommen zu können», sagte Schaffert. «FrĂŒher war es mal eine Ehre, fĂŒr Deutschland zu spielen. Heute habe ich bei einem Großteil das GefĂŒhl, es ist eine Belastung. Dann soll ich es doch lassen, wenn ich diese Einstellung habe.»

Nicht Schafferts erste Kritik

Das wollte Völler so nicht stehen lassen. Der Sportdirektor des DFB und ehemalige Weltmeister reagierte in der «Bild» auf die SĂ€tze des hochrangigen DFB-FunktionĂ€rs, der nicht zum ersten Mal mit deutlicher Kritik an der Nationalmannschaft auffĂ€llt. «Im DFB hat jeder seine Aufgabe. Es ist schön, dass die Nationalmannschaft alle interessiert, und Kritik ist nach den letzten Spielen völlig in Ordnung. Aber die Art und Weise, unsere wichtigen Spieler so ĂŒberzogen zu kritisieren, geht nicht», sagte Völler.  

Er könne sich gar nicht vorstellen, dass Schaffert das wirklich so gemeint habe, sagte Völler auch noch und bot an: «Gerne werde ich ihm das noch mal bei einer Tasse Kaffee erklĂ€ren.» Zuvor hatte DFB-Sprecher Steffen Simon in einer ersten Reaktion zu den AusfĂŒhrungen Schafferts gesagt: «Das Interview war nicht abgestimmt. Wir werden das intern aufarbeiten.»

Der DFB-VizeprĂ€sident hatte bereits zu Beginn dieses Jahres fĂŒr Wirbel gesorgt, als er die Nationalspieler beim Neujahrsempfang seines Heimat-Kreisverbands Hildesheim fĂŒr ihr Verhalten wĂ€hrend der Weltmeisterschaft in Katar kritisiert hatte. «Wenn sich die deutschen Nationalspieler wie Äffchen die MĂŒnder zuhalten und sich den Friseur ins Hotel bestellen, muss man sich nicht wundern, wenn sie gegen Japan verlieren», hatte der mĂ€chtigste norddeutsche Fußball-FunktionĂ€r seinerzeit gesagt. 

Schaffert kritisiert Kimmich und GĂŒndogan

Vor der 1:2-Auftaktniederlage bei der WM gegen Japan hatten sich die Nationalspieler demonstrativ den Mund zugehalten. Sie wollten damit gegen das Verbot der «One Love»-KapitĂ€nsbinde durch den Weltverband FIFA protestieren. SpĂ€ter entschuldigte sich Schaffert fĂŒr den Äffchen-Vergleich und wurde von seinem DFB-PrĂ€sidiumskollegen Ronny Zimmermann öffentlich zu einem «fairen Umgang» ermahnt. 

Und nun die neue Kritik des Juristen, der fast 25 Jahre als Richter am Oberlandesgericht Celle tĂ€tig war. Namentlich nannte Schaffert in dem Interview die Nationalspieler Joshua Kimmich (Bayern MĂŒnchen) und Ilkay GĂŒndogan (FC Barcelona). Kimmich sei «den Beweis bisher schuldig geblieben», ein FĂŒhrungsspieler zu sein. «Auch im Verein.»

Bei Nationalmannschafts-KapitĂ€n GĂŒndogan sei es so, dass er «seltsamerweise im Verein ĂŒberragend spielt und der dann in der Nationalmannschaft so spielt, dass man auf die Idee kommen könnte: Hat der jetzt seinen minderbegabten Zwillingsbruder geschickt?», sagte Schaffert. GrundsĂ€tzlich mĂŒsse man bei der Nationalmannschaft ĂŒberlegen: «Wir brauchen vielleicht nicht mehr nur die Hochbegabten, sondern vielleicht auch mal die, die bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln.»

Lob fĂŒr Nagelsmann

UnabhĂ€ngig von seiner Kritik an den Nationalspielern sieht Schaffert aber auch ein Problem des DFB: Als Verband sei man bei der Suche nach einem neuen Trainer nicht mehr in der Lage, mit den Summen mitzuhalten, die im Clubfußball gezahlt werden. «Der nĂ€chste Bundestrainer wird nicht mehr das bekommen, was ein Hansi Flick bekommen hat – weil sich der DFB das nicht mehr leisten kann», sagte Schaffert. «Sie haben doch kaum noch einen Bundesliga-Trainer, der weniger als eine Million verdient. Das ist alles so durch die Decke geknallt, dass man es kaum zurĂŒckschrauben kann.»

Der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann kommt bei dem DFB-Vize jedoch gut weg. «Mich persönlich hat Julian Nagelsmann – er hat sich ja vorgestellt bei uns in Aufsichtsrat und PrĂ€sidium – schon ĂŒberzeugt», sagte Schaffert. «Ich glaube, dass das von allen in Betracht kommenden Variationen die beste war.»

@ dpa.de