DFB-Vize kritisiert Nationalspieler - Völler kontert
28.12.2023 - 18:22:26 | dpa.de
DFB-VizeprĂ€sident Ralph-Uwe Schaffert hat mit erneuter scharfer Kritik an den deutschen Nationalspielern fĂŒr viel Aufsehen und nicht nur bei Sportdirektor Rudi Völler fĂŒr UnverstĂ€ndnis gesorgt.
«Es wÀre mal an der Zeit, das spielende Personal radikal zu wechseln», sagte Schaffert in einem Interview der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» und der «Neuen Presse» - und damit fing sich der PrÀsident des Norddeutschen sowie des NiedersÀchsischen Verbandes am Donnerstag gleich mehrere Konter ein.
Völler sagte der «Bild»-Zeitung, es sei zwar «schön, dass die Nationalmannschaft alle interessiert, und Kritik ist nach den letzten Spielen völlig in Ordnung. Aber die Art und Weise, unsere wichtigen Spieler so ĂŒberzogen zu kritisieren, geht nicht». Weil Schaffert explizit auch Joshua Kimmich namentlich nannte, zeigte sich Bayern-Chef Jan-Christian Dreesen «mehr als irritiert».
Nicht Schafferts erste Kritik
Schaffert fiel nicht zum ersten Mal mit deutlicher Kritik auf. Dieses Mal warf der 67-JĂ€hrige vielen Nationalspielern knapp sechs Monate vor dem Beginn der Europameisterschaft im eigenen Land eine mangelnde Einstellung vor.
«Weil ich doch bei einer nicht ganz geringen Anzahl der zurzeit tĂ€tigen Spieler das GefĂŒhl habe, dass man meint, vielleicht mit 85 Prozent des möglichen Einsatzes auf dem Platz auskommen zu können», sagte Schaffert. «FrĂŒher war es mal eine Ehre, fĂŒr Deutschland zu spielen. Heute habe ich bei einem GroĂteil das GefĂŒhl, es ist eine Belastung. Dann soll ich es doch lassen, wenn ich diese Einstellung habe.»
Völler Ă€uĂerte, er könne sich gar nicht vorstellen, dass Schaffert das wirklich so gemeint habe. «Gerne werde ich ihm das noch mal bei einer Tasse Kaffee erklĂ€ren», sagte der DFB-Sportdirektor. Zuvor hatte DFB-Sprecher Steffen Simon in einer ersten Reaktion zu den AusfĂŒhrungen Schafferts gesagt: «Das Interview war nicht abgestimmt. Wir werden das intern aufarbeiten.»
Der DFB-VizeprĂ€sident hatte zu Beginn dieses Jahres fĂŒr Wirbel gesorgt, als er die Nationalspieler beim Neujahrsempfang seines Heimat-Kreisverbands Hildesheim fĂŒr deren Verhalten wĂ€hrend der Weltmeisterschaft in Katar kritisiert hatte. «Wenn sich die deutschen Nationalspieler wie Ăffchen die MĂŒnder zuhalten und sich den Friseur ins Hotel bestellen, muss man sich nicht wundern, wenn sie gegen Japan verlieren», hatte der mĂ€chtigste norddeutsche FuĂball-FunktionĂ€r seinerzeit gesagt.
Schaffert kritisiert Kimmich und GĂŒndogan
Vor der 1:2-Auftaktniederlage bei der WM gegen Japan hatten sich die Nationalspieler demonstrativ den Mund zugehalten. Sie wollten damit gegen das Verbot der «One Love»-KapitĂ€nsbinde durch den Weltverband FIFA protestieren. SpĂ€ter entschuldigte sich Schaffert fĂŒr den Ăffchen-Vergleich und wurde von seinem DFB-PrĂ€sidiumskollegen Ronny Zimmermann öffentlich zu einem «fairen Umgang» ermahnt.
Und nun die neue Kritik des Juristen, der fast 25 Jahre als Richter am Oberlandesgericht Celle tĂ€tig war. Namentlich nannte Schaffert in dem Interview Kimmich (Bayern MĂŒnchen) und Ilkay GĂŒndogan (FC Barcelona). Kimmich sei «den Beweis bisher schuldig geblieben», ein FĂŒhrungsspieler zu sein. «Auch im Verein.» Dreesen konterte: «Es ist nicht nachvollziehbar, wenn der VizeprĂ€sident des DFB die Leistungen eines verdienten und wichtigen Nationalspielers wie Joshua Kimmich in dessen Club kritisiert.» Schaffert erweise der DFB-Auswahl «einen BĂ€rendienst».
Bei Nationalmannschafts-KapitĂ€n GĂŒndogan sei es so, dass er «seltsamerweise im Verein ĂŒberragend spielt und der dann in der Nationalmannschaft so spielt, dass man auf die Idee kommen könnte: Hat der jetzt seinen minderbegabten Zwillingsbruder geschickt?», sagte Schaffert. GrundsĂ€tzlich mĂŒsse man bei der Nationalmannschaft ĂŒberlegen: «Wir brauchen vielleicht nicht mehr nur die Hochbegabten, sondern vielleicht auch mal die, die bereit sind, die Ărmel hochzukrempeln.»
Lob fĂŒr Nagelsmann
UnabhĂ€ngig von seiner Kritik an den Nationalspielern sieht Schaffert aber auch ein Problem des DFB: Als Verband sei man bei der Suche nach einem neuen Trainer nicht mehr in der Lage, mit den Summen mitzuhalten, die im ClubfuĂball gezahlt werden. «Der nĂ€chste Bundestrainer wird nicht mehr das bekommen, was ein Hansi Flick beÂkomÂmen hat - weil sich der DFB das nicht mehr leisten kann», sagte Schaffert. «Sie haben doch kaum noch einen Bundesliga-Trainer, der weniger als eine Million verdient. Das ist alles so durch die Decke geknallt, dass man es kaum zurĂŒckschrauben kann.»
Der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann kommt bei dem DFB-Vize jedoch gut weg. «Mich persönlich hat Julian Nagelsmann - er hat sich ja vorgestellt bei uns in Aufsichtsrat und PrĂ€sidium - schon ĂŒberzeugt», sagte Schaffert. «Ich glaube, dass das von allen in Betracht kommenden Variationen die beste war.»
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