Nationalmannschaft, WM

Vier gute Gründe: Darum gefiel Nagelsmann der wilde Sieg

28.03.2026 - 11:23:19 | dpa.de

Vier Tore in der Schweiz und ein Florian Wirtz in Galaform sind für den Bundestrainer ein WM-Pfund. Diese Erkenntnisse zieht Nagelsmann aus der Fußball-Nacht in Basel für den Weg nach Amerika.

  • Julian Nagelsmann bedankt sich nach dem Sieg bei Matchwinner Florian Wirtz - Foto: Tom Weller/dpa
    Julian Nagelsmann bedankt sich nach dem Sieg bei Matchwinner Florian Wirtz - Foto: Tom Weller/dpa
  • Joshua Kimmich feiert mit einer Verletzung an der Lippe den Sieg in der Schweiz.  - Foto: Tom Weller/dpa
    Joshua Kimmich feiert mit einer Verletzung an der Lippe den Sieg in der Schweiz. - Foto: Tom Weller/dpa
  • Mit allen Aspekten kann Nagelsmann nach dem Sieg in der Schweiz nicht zufrieden sein.  - Foto: Tom Weller/dpa
    Mit allen Aspekten kann Nagelsmann nach dem Sieg in der Schweiz nicht zufrieden sein. - Foto: Tom Weller/dpa
  • Florian Wirtz zeigte ein überragendes Spiel.  - Foto: Tom Weller/dpa
    Florian Wirtz zeigte ein überragendes Spiel. - Foto: Tom Weller/dpa
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Nach einem Zwischenstopp im Breisgau zum morgendlichen Beine ausschütteln gab Julian Nagelsmann Zauberfuß Florian Wirtz erstmal frei. Mit seinen Kollegen um den mit dicker Lippe aus Basel zurückgekehrten Kapitän Joshua Kimmich durfte der Sieggarant in Stuttgart, dem Spielort für den nächsten WM-Härtetest am Montag (20.45 Uhr/ARD) gegen Ghana, durchschnaufen. 

Erst Reha-Training im Stadion des SC Freiburg. Und danach Abschalten und ein gemeinsames Abendessen für das so wichtige Teambuilding im Ländle. Das war der Dreiklang bei der Nationalmannschaft am Tag nach dem für die WM ziemlich erkenntnisreichen 4:3 (2:2) in der Schweiz. 

Gleich vier gute Gründe - mindestens - hatten den Bundestrainer überzeugt, dass er elf Wochen vor dem Turnierstart gegen Curaçao auf dem richtigen Weg Richtung Amerika ist. 

Der Wirtz-Faktor 

Rudi Völler, Lothar Matthäus, Schweiz-Coach Murat Yakin und ganz sicher auch Joachim Löw als Tribünengast: Die versammelte Fußball-Prominenz verneigte sich vor Doppeltorschütze und Doppelvorlagengeber Wirtz. Mit dieser Leistung hat der 22-Jährige in einem Spiel alle beim FC Liverpool aufgekommenen Zweifel an seiner Weltklasse beseitigt. 

«Er ist schon im Weltfußball ein Name. Und wenn er sich das beibehält, wird er über ganz, ganz lange Zeit ganz oben stehen bei allen Clubs. Weil er einfach unfassbar gut ist, engagiert und immer mit der nötigen Power», jubilierte Nagelsmann förmlich. 

Wirtz machte den Unterschied. Und kann den auch bei der WM machen. Die Aussicht, in Jamal Musiala einen weiteren Spieler gleicher Güte im Sommer wieder im Vollbesitz seiner Fähigkeiten dabei zu haben, verspricht große Perspektiven. Jetzt werden für Bayern-Profi Musiala die WM-Daumen gedrückt. Damit «Wusiala» wieder gemeinsam im neuen, blauen DFB-Trikot zaubert. 

Die Charakter-Prüfung

Natürlich wurden der Schweiz ihre drei Tore recht leichtfertig geschenkt. Aber das Plus, das Nagelsmann ausmachte, war die Reaktion auf die Nackenschläge. Kein Testspiel-Larifari wie einst im trüben Herbst 2023 bei den Niederlagen gegen die Türkei und Österreich, die den Bundestrainer heute noch wurmen.

Zwei Rückstände wurden wettgemacht, die Dominanz ging nicht verloren. Ein Spielplan war konstant erkennbar. «Mentalitätsmäßig finde ich das schon sehr, sehr gut», lobte Nagelsmann. 

Auch bei der WM kann es Rückstände und Rückschläge geben. Antworten wie gegen die Schweiz können dann helfen. «Ich glaube, was man positiv herausheben kann, ist, dass wir zurückgekommen sind», sagte Leon Goretzka. «Ich fand den Auftritt insgesamt nicht verkehrt, auch wenn wir drei Tore gekriegt haben», sagte Kimmich, der von einem harten Zweikampf gezeichnet ein Pflaster über der Oberlippe trug, als er den St. Jakob-Park verließ. 

Defensiv-Patzer kein Strukturproblem

Natürlich wird Nagelsmann die Abwehrfehler thematisieren. Aber intern. Sogar Nico Schlotterbeck bekam für die seit langem schlechteste Halbzeit im Nationaltrikot ein mildes Urteil. Nicht Schlotterbecks Patzer im Spielaufbau, die zu zwei Gegentoren führten, wollte Nagelsmann in den Mittelpunkt stellen. Sondern die Reaktion des Dortmunders darauf. «Er kriegt jetzt keinen Rüffel. Ich finde, er hat sich im Spiel gefangen. Das ist für mich das wichtige Zeichen.»

Diese Milde erfüllt einen Zweck. Das Teamgefüge stärkt Nagelsmann mit solchen Aussagen. Auch wenn er schon einräumte: «Ja, verteidigt haben wir nicht ganz so gut in einigen Situationen.» Aber: Die Tore fielen nicht wegen struktureller Defizite im Spielsystem. Individuelle Fehlerketten waren die Ursache. Das ist weniger beunruhigend. 

Für personelle Konsequenzen sieht Nagelsmann offenbar noch keinen Anlass. Obwohl Antonio Rüdiger als Backup bereitsteht. Zu seiner Form, sagte Nagelsmann über Schlotterbeck, «findet er am Montag schon wieder zurück.»

Die Havertz-Rückkehr 

16 Monate spielte Kai Havertz wegen Verletzungen nicht für Deutschland. Auch ohne Tor und noch ohne den großen Punch wurde deutlich, dass das viel zu lange war. Nagelsmann machte den Angreifer vom FC Arsenal gleich wieder zu seinem Rollen-Anführer im Sturmzentrum - vor Nick Woltemade, der immerhin die meisten Tore in der WM-Qualifikation (4) geschossen hatte.

«Er hat sechs, sieben sehr gefährliche Situationen. Und ja, er muss gesund sein und zu einer guten Fitness finden. Dann ist das für uns auf dem Niveau wie Florian Wirtz oder wie Jamal Musiala», sagte Nagelsmann über Havertz. 

Der Sané-Malus

Alles war nicht perfekt zum Start ins WM-Jahr. Angelo Stiller hatte als Backup für den angeschlagenen Aleksandar Pavlovic in der Zentrale gute wie schlechte Momente. Wirkliche Fragen rief aber der Auftritt von Leroy Sané in der sonst starken Offensive auf.

Der Auftritt in der Schweiz war eine weitere vergebene Chance. Der Versuch des Bundestrainers, diesen Fakt zu relativieren, klang freundlich. Nagelsmann verlieh eben vielem in Basel einen freundlicheren Touch und gab Sané sogar ein Einsatzversprechen für das Ghana-Spiel. 

Dabei kam die Zukunft für ihn schon aufs Feld. Lennart Karl (18) war der bessere Außenbahn-Flitzer bei seinem Länderspieldebüt. «Er wird uns in den nächsten Jahren sehr viel Spaß geben», sagte Matchwinner Wirtz nicht über Sané, sondern über den Bayern-Youngster. Bestmöglich schon bei der WM.

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